November 7th, 2018 |
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Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Die heute präsentierte Autoritarismus-Studie der Universität Leipzig ergab, insbesondere im Osten, eine besorgniserregende Zuspitzung rassistischer und autoritärer Einstellungen in Deutschland. Für die jüngste Erhebung der repräsentativen Langzeitstudie wurden ab Frühsommer 2018 ca. 2.500 Personen zu ihren Einstellungen befragt. „Rund 40 Prozent der Deutschen zeigten Merkmale eines autoritären Typus, nur 30 Prozent seien dagegen ausdrücklich demokratisch orientiert. Autoritäre Aggressionen seien bei 65 Prozent der Deutschen tiefgreifend ausgeprägt“, fasst der Tagesspiegel die Ergebnisse zusammen. „Immerhin etwa 40 Prozent der Befragten zeigen (…) die Bereitschaft, ein autoritäres System zu unterstützen“, schreibt die Zeit. Bei sechs Prozent der Deutschen konstatieren die Studienautoren überhaupt ein geschlossenes rechtsextremes Weltbild.
Mit autoritären Einstellungen einhergeht auch die Abwertung von Minderheiten: von Muslimen, Flüchtlingen, Juden – und nicht zuletzt Roma und Sinti: 56 Prozent (im Osten: 60,3%) geben demnach an, sie hätten „Probleme damit, wenn sich Sinti und Roma in meiner Gegend aufhalten“. Das ist geringfügig weniger als beim letzten Vergleichswert von 2016. Etwas zugenommen hat hingegen der Anteil (60 Prozent) jener, die der Aussage, „Sinti und Roma neigen zu Kriminalität“ zustimmen. 49,2 Prozent (Ost: 56,5%, West: 47,3%) sind der Ansicht, „Sinti und Roma sollen aus Innenstädten verbannt werden“.
(dROMa)
November 7th, 2018 |
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Jugend & Bildung, Literatur & Bücher
Marie-Luise Wünsche über den Buchbeitrag „Ästhetische Produktionen von ‚Sinti und Roma‘ im Literaturunterricht“:
[Franziska Krumwiede-Steiners Beitrag] widmet sich, wie der Untertitel bereits ankündigt, den „Ästhetischen Produktionen von ‚Sinti und Roma‘ im Literaturunterricht“. Eine derartige praktische Anregung für den Deutschunterricht war überfällig. Sie wäre wohl ohne den richtungsweisenden Beitrag von Klaus-Michael Bogdal, auf den Krumwiede-Steiner auch verweist, so immer noch nicht denkbar gewesen. „Europa erfindet die Zigeuner“ erschien 2011 im Suhrkamp-Verlag und wurde mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Dieser Beitrag konnte allerdings nicht die Menschen mit ihren eigenen Werken in ihr Recht setzen. Das war nicht das Thema des Forschungsprojekts von Bogdal. Darin geht es um wissenschaftliche Beobachtungen jener Konstruktionen und Stigmatisierungen, mittels derer eine mehr oder weniger bunt zusammengesetzte Gruppe von Menschen (…) immer wieder neu und anders entweder romantisierend als „Zigeuner“ oder aber politisierend als „Sinti und Roma“ beschrieben wurde und noch beschrieben wird. Es kamen also nur die nicht ganz unproblematischen narrativen Strukturen des Geschichtenerzählens über und nicht die Narrative des Geschichtenerzählens von sogenannten „Zigeunern“ respektive sogenannten „Sinti“ und „Roma“ zu Wort. Denen eröffnet der Beitrag innerhalb dieses Sammelbandes nun Freiräume literarischen Lernens im Deutschunterricht höherer Jahrgangsstufen. (…)
Aus: Marie-Luise Wünsche, Unvergleichlich schöne vergleichende Blicke auf den Literaturunterricht und seine Theorien, in: literaturkritik.de, 1.11.2018 (Wir danken Marie-Luise Wünsche für die freundliche Genehmigung!)
Rezension über:
Michael Eggers / Christof Hamann (Hg.): Komparatistik und Didaktik, Aisthesis Verlag, Bielefeld 2018, 307 Seiten, ISBN-13: 9783849811648. (Inhaltsverzeichnis)