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Experi­ment: Feindseligkeit ist ansteckend

Mai 22nd, 2018  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Max-Planck-GesellschaftFeindseligkeit gegenüber Minderheiten kann anstecken: Wenn im eigenen Umfeld andere ethnische Gruppen angefeindet werden, finden sich leicht Nachahmer

Max-Planck-GesellschaftEthnische Konflikte eskalieren oft überras­chend schnell. Wel­chen Ein­fluss das Umfeld darauf hat, dass sich Men­schen plötz­lich feind­selig ver­halten, haben Forscher kürz­lich mit­hilfe von Experi­men­ten unter­sucht. Dabei stellten sie fest, dass An­feindun­gen ge­gen­über ande­ren ethni­schen Grup­pen deut­lich mehr Nach­ah­mer finden als Anfeindungen ge­gen Mit­glie­der der eige­nen sozia­len Gruppe.

Ob in Bosnien, Liberia oder Ruanda – immer wieder brechen plötz­lich gewalt­tätige Konflikte zwi­schen Volks­gruppen aus, die lange fried­lich zusam­men­gelebt ha­ben. Bisher gibt es keine be­friedi­gende wis­senschaft­li­che Erklärung, warum Aggres­sio­nen eine sol­che Dynamik ent­fal­ten kön­nen. Jana Cahlíková vom Max-Planck-Institut für Steuerrecht und Öffent­li­che Finan­zen hat nun gemein­sam mit Kol­le­gen aus Tschechien und der Slowakei ein neu­arti­ges Experi­ment ent­wickelt, um zu tes­ten, wie das sozia­le Umfeld feind­seli­ges Ver­halten ge­genü­ber einer ande­ren ethni­schen Grup­pe be­ein­flusst. Die Ergeb­nisse der Studie wur­den im April 2018 im Fach­jour­nal Procee­dings of the National Academy of Sciences (PNAS) pub­li­ziert.

Untersucht wurden Jugendliche aus Schulen in der östli­chen Slowakei und ihr Ver­halten gegen­über An­gehö­ri­gen der Roma – eine Minderheit, gegen die es latente Vorurteile gibt und in den letz­ten Jahren auch zu­neh­mend Aggres­sio­nen. Das Beson­dere an dem Test war, dass die Teil­neh­mer in­ner­halb ihres sozialen Um­felds agie­ren konnten.

Mitspieler dürfen Boshaftigkeit ausleben

Um diskriminierendes Verhalten zu untersuchen, lie­ßen die Forscher die Jugend­lichen ein so ge­nann­tes „Joy of Destruc­tion game“ spie­len: ein Spiel, in dem die Tei­lnehmer – wenn sie wollen – ihre Bos­haftig­keit aus­leben kön­nen. Zwei Spieler er­halten je­weils zwei Euro und sollen gleich­zeitig ent­schei­den, ob sie 20 Cent aus­geben, um den Betrag des je­weils ande­ren um einen Euro zu ver­rin­gern, oder das Geld ein­fach nur be­halten möch­ten. Die Spieler bleiben dabei anonym, und spie­len je­weils nur ein­mal gegen­einan­der.

Anhand einer Liste mit typi­schen Namen informier­ten die Forscher die Teil­nehmer darüber, ob das Gegen­über ein An­gehö­ri­ger der slowaki­schen Mehr­heits­bevöl­ke­rung oder der Roma-Min­der­heit war. Read the rest of this entry »