Archive for März 5th, 2014

Gedenkstele mit Fäkalien beschmiert

März 5th, 2014  |  Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte

Deutschland: Holocaust-Gedenkstätte in Merseburg mit Fäkalien beschmiert (Foto: Wikipedia/Ausschnitt)In Merseburg (Sachsen-Anhalt) ist ein Mahnmal, das an die im Nationalsozialismus ermor­de­ten Sinti und Roma der Stadt erin­nert, neuer­lich geschän­det wor­den. Presse­berich­ten (hier und hier) zufol­ge wur­de die Gedenkstele am Neumarkt ver­gan­gene Wo­che nachts mit Fäka­lien be­schmiert. Die Feuer­wehr hat das Denkmal inzwi­schen gerei­nigt; eine öffent­liche Stel­lung­nahme der Polizei liegt aller­dings noch nicht vor. Seit seiner Einwei­hung vor weni­gen Jahren ist der Gedenkstein Ziel einer ganzen Serie rechts­extre­mer Angriffe geworden. Wieder­holt wurden Granitstele und Inschrift beschä­digt, be­schmiert und mit Hakenkreuzen bemalt. Die Schändung des Holocaust-Ge­denk­steins wurde von der Poli­zei mit einer Über­wa­chungs­kamera auf­ge­zeich­net, die auf­grund der Anschlags­serie im Mai 2011 fest instal­liert wurde. Der Video­aus­wertung zufolge dürfte es sich um zwei unbe­kannte Täter handeln. In den letzten Wo­chen ist es in der Stadt auch mehr­fach zu Neonazi-Angriffen auf Ausländer ge­kommen.

(dROMa-Red.)

Kinderbuchdebatte in der Türkei

März 5th, 2014  |  Published in Jugend & Bildung, Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte

Yonca KızTürkische Regierung streicht Kinderbuch aus Empfehlungsliste

Wie umgehen mit Kinderbuch-Klas­si­kern, die rassistische Vor­urteile und Bezeich­nun­gen ver­brei­ten, als wäre die Zeit seit Jahr­zehn­ten ein­fach stehen ge­blie­ben? Bücher, die zwar in der Mehrheits­be­völ­ke­rung lange Zeit keiner­lei An­stoß erreg­ten, die aber von der gesell­schaft­lichen Ent­wick­lung, von der Sen­sibi­li­sie­rung für Minder­heiten, vom ver­än­der­ten Sprachgebrauch längst über­holt wur­den? Rigide Werktreue oder prag­ma­tische Anpassung an die Gegenwart?

Nun sind natürlich auch Kinderbücher litera­ri­sche Dokumente, die das – eben manch­mal anti­quier­te – Empfin­den und die Klischees ihrer Ent­ste­hungs­zeit wider­spie­geln. Würden sie ausschließlich als literarische Werke rezi­piert, gäbe es kei­nen Grund, veral­tete Wörter oder inhalt­lich bean­stan­dens­werte Passagen zu überarbeiten. Kinder­bücher sind aber im Gegensatz dazu immer zugleich auch pädagogische Funk­tions­texte: Texte für Kin­der, die Wert­vor­stellun­gen, Wissen und Sprach­ver­mö­gen ver­mit­teln sollen. Und als solche sind sie an den Maßstäben der Gegenwart zu mes­sen – auch wenn dies punk­tuell viel­leicht ab und zu Abstriche am Prinzip abso­luter Werk­treue er­for­der­lich macht.

Die Debatte, die sich hierzulande zuletzt an Astrid Lindgens „Pippi Langstrumpf“ und Otfried Preußlers „Die kleine Hexe“  ent­zün­det hat, gibt es in ähnlicher Form natürlich auch anderswo. Jetzt hat sie auch die Türkei er­reicht: Der Kinderroman „Yonca Kız“ („Das Süßklee-Mäd­chen“) von Kemal Bilbaşar (1910 – 1983), seit seinem Erschei­nen 1971 mehrfach neu auf­ge­legt, wird jetzt vom tür­ki­schen Bildungs­minis­te­rium aus der offi­ziel­len Empfeh­lungs­liste für Kinderliteratur ge­stri­chen. Damit reagiert das Mi­nis­te­rium auf Pro­teste im Zusam­men­hang mit einem Lese­wett­be­werb an einer Grundschule. Read the rest of this entry »