Archive for Oktober 30th, 2013

Der Fluss: Theaterpremiere in Oberwart

Oktober 30th, 2013  |  Published in Film & Theater

Der Fluss - OHO OberwartDer Fluss – Die Lieder der Leben­den, die Lie­der der Toten


Theaterpremiere / OHO-Eigenproduktion
31. Oktober 2013 / 19:30 Uhr

Ein orphischer Theater-Essay von Peter Wagner
Musik bzw. Musikarrangement: Ferry Janoska

Der Fluss ist Leitmotiv des „orphischen Theater-Essays“ des burgenländischen Autors und Regisseurs Peter Wagner. Gemeint ist damit weniger der griechische Totenfluss als vielmehr das Fluidum eines mehrsprachigen Grenz- und Schwellenlandes, wie es das heutige Burgenland seit Jahrtausenden darstellt. Die Fächerung des verwendeten Liedgutes, das vom Komponisten Ferry Janoska zu einem zeitgemäßen Hörerlebnis arrangiert und von SchauspielerInnen und SängerInnen zu Live-Musik interpretiert wird, reicht von weltlichen Liedern aller im Burgenland einstmals und gegenwärtig vorhandenen Sprachgruppen (Deutsch, Kroatisch, Ungarisch, Jiddisch, Hianzisch, Roman) bis zu Volksballaden und geistlichen Liedern aus dem Bereich der Totenklagen.
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„Fall Maria“: Hinsehen statt Stereotype pflegen

Oktober 30th, 2013  |  Published in Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte

Der StandardDer Umgang mit dem blonden Roma-Mäd­chen hat ein­drucks­voll ge­zeigt, wie sehr Vor­urteile den Men­schen die Sicht verstel­len. Die Öffent­lich­keit ist bei Roma ge­neigt, das Schlimmste anzu­neh­men, auch wenn ihnen die Un­schulds­ver­mu­tung gut anstünde

Der Standard, 28.10.2013, Stefan Benedik & Wolfgang Göderle

Seit Tagen erregt ein Skandal die europäische Öffentlichkeit: In einer „Roma-Siedlung“ am Rande einer mittel­griechischen Kleinstadt wurde ein blondes Mädchen gefunden. Genug Anlass selbst für Europas Qualitätspresse, von Athen bis Edinburgh, von Madrid bis Helsinki, über mut­maßliche Entführungsnetzwerke, Kinderhandel und nicht zuletzt die Rolle, die „Roma“ darin spielen, zu speku­lieren. Dabei hätte der Zeit­punkt nicht günsti­ger fallen können. Erst vor wenigen Tagen wurden im Rahmen der polizeilichen Wieder­aufnahme des Vermisstenfalls von Madeleine McCann in­ter­national Fernseh­sendun­gen aus­gestrahlt, in denen der aktuelle Ermittlungs­stand präsentiert wurde. Ein früherer Verdäch­tiger hatte am Sterbe­bett verbrei­tet, dass ein Bekannter, ein „Roma“, die Tat gestanden habe. Das Motiv wäre im Übrigen Kinder­handel ge­wesen, Geld also.

Die beiden Fälle weisen starke Parallelen auf, zumindest in der Berichterstattung: Die Erzählungen und Bilder hinter den Fällen glei­chen einander. Es geht um Kindes­entführungen, Kinderhandel, Sozialbetrug, Kleinkriminalität. Gemein­hin das, was vor allem „den Roma“ zugeschrieben wird. Es waren diese Geschichten, die die Verdäch­tigen zu Roma gemacht haben, und nicht umgekehrt. Solche Fälle beziehen ihre Span­nung aus Mythen des Geschlechts und der „Rasse“: Zweimal sind es „weiße“ Mädchen, die „Zigeunern“ zum Opfer fallen, von diesen entführt und weiter­verkauft oder zumin­dest zum Bezug der Sozialhilfe miss­braucht werden. Diese Konstel­lation ist aus kolonialen Bildern bekannt. Der „schwarze“ Mann bemäch­tigt sich des „weißen“ Mädchens, das Verbrechen besteht darin, sie der eigenen „Nation“ und „Rasse“ zu entreißen. Genaue­res Hinsehen ist da genauso unnötig wie hinderlich. Read the rest of this entry »