Die kleine blonde Maria
Oktober 26th, 2013 | Published in Einrichtungen, Internet & Blogothek, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Emmerich Gärtner-Horvath von Roma-Service im Gespräch mit Radio Vatikan
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Die Geschichte des kleinen blonden Mädchens Maria, das in Griechenland seinen mutmaßlichen Adoptiveltern weggenommen wurde, hält sich seit Tagen in allen europäischen Medien. Das Kind ist weißblond, die Eltern hingegen – sie gehören der Volksgruppe der Roma und Sinti an – sind dunkelhäutig. Da liege ein Fall von Kindesentführung vor, lautete die Mutmaßung zumindest anfänglich. (Anm.: Diese Vermutung ist inzwischen widerlegt. Die leibliche Mutter, eine bulgarische Romni, die ihr Kind aus Not bei dem griechischen Romapaar ließ, wurde gefunden und mittels DNA-Test eindeutig identifiziert.) Europas Roma und Sinti verfolgen den Fall Maria mit wachsender Empörung, erzählt uns Emmerich Gärtner-Horvath. Er leitet den Roma-Service der ostösterreichischen Diözese Eisenstadt, in der eine nicht kleine Minderheit Roma und Sinti lebt.
Man leidet mit, was da passiert. Es herrscht Solidarität. Ich werde von Roma-Angehörigen im ganzen Burgenland kontaktiert und gefragt, was da los ist. Man ist sehr betroffen.
Das Üble an der öffentlichen Darstellung des Falles Maria ist, dass da ein uraltes, hässliches Klischee bedient wird, sagt Gärtner-Horvath.
Das gilt dann für die ganze Volksgruppe. Da heißt es wiederum, unter Anführungszeichen, die Zigeuner stehlen die Kinder. Das ist aber eine falsche Unterstellung.
Die mutmaßlichen Adoptiveltern der kleinen Maria sagten in Griechenland aus, sie hätten das Mädchen als Säugling von bulgarischen Roma bekommen, die es nicht selbst hätten ernähren können. Gärtner-Horvath war selbst im Auftrag seiner Diözese vor Jahren in einer großen bulgarischen Roma-Siedlung und kann sich gut an die bedrückenden Lebensumstände dort erinnern. Deshalb glaubt er das, was Marias Adoptiveltern sagen, aufs Wort. Read the rest of this entry »