Slowakei will Roma-Schüler gleichstellen
September 3rd, 2010 | Published in Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte
Amnesty International begrüßt die Entscheidung der neuen slowakischen Koalitionsregierung, Maßnahmen zu ergreifen, um die Ungleichbehandlung im Bildungsbereich aufgrund ethnischer Herkunft zu beenden, als ersten Schritt in die richtige Richtung. Der Beschluss ist Teil eines Regierungsprogramms, das am 10. August 2010 die Zustimmung der slowakischen Nationalversammlung erhalten hat. In die Praxis umgesetzt, kann es Roma-Kindern zugute kommen, von denen viele eine schlechtere Bildung erhalten als andere slowakische Kinder. „Es ist das erste Mal, dass eine slowakische Regierung politischen Willen zeigt, gegen die ethnische Diskriminierung im Bildungswesen anzugehen und diesen Zustand als Missstand im System ansieht“, sagte Barbora Černušáková, Slowakei-Expertin bei Amnesty International. „Die slowakischen Behörden müssen nun umfassende Maßnahmen ergreifen, um die jahrzehntelange Diskriminierung und Segregation von Roma-Kindern zu stoppen.“
Tausende von Roma-Kindern in der Slowakei sind in Sonderschulen und -klassen für Menschen mit „leichter geistiger Behinderung“ oder in ethnisch geteilten Regelschulen und -klassen, die einen schlechteren Bildungsstandard vermitteln, untergebracht. Den Roma in der Slowakei wird dadurch die volle Teilnahme an der Gesellschaft verwehrt, sie geraten in einen Teufelskreis aus Armut und Ausgrenzung. „Die Regierung muss sich dem institutionellen Scheitern bei der Durchsetzung des bereits bestehenden Verbots der Diskriminierung beim Zugang zu Bildung stellen. Dabei gilt es auch bestehende Vorurteile gegen Roma-Kinder abzubauen und den im Bildungsprozess involvierten Lehrern und Fachkräften den Grundsatz der Gleichbehandlung nahezubringen“, erklärte Barbora Černušáková.