Tages-Anzeiger: Sarkozy & Sarközi
August 20th, 2010 | Published in Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte
Im „Tages-Anzeiger“ greift Bernhard Odehnal vor dem Hintergrund der drastischen Anti-Roma-Politik Sarkozys aktuelle Medienberichte über den „Roma-Nachnamen“ des französischen Präsidenten auf. Selbst seine Schwiegermutter nennt ihn angeblich zärtlich ihren „ungarischen Zigeuner“, der am liebsten „mit seiner ganzen Familie im Wohnwagen umherziehen“ würde. – Ein Bonmot aus dem Privatleben, das die Härte, mit der Sarkozy derzeit gegen Roma und Fahrende vorgeht, nur umso absurder erscheinen lässt. Wie die deutsche „taz“ nimmt dies auch der Schweizer „Tages-Anzeiger“ zum Anlass, den österreichischen Roma-Politiker Rudolf Sarközi vom „Kulturverein österreichischer Roma“ (Website) vorzustellen. Sarkozys österreichischer Namensvetter zeigt sich von Frankreichs Umgang mit Roma enttäuscht, bei der Integration der Roma habe aber bislang die ganze EU versagt.
(…) Verständnis? Natürlich nicht, sagt Rudolf Sarközi: Für unmenschliche Massnahmen wie die Ausweisung rumänischer und bulgarischer Roma aus Frankreich könne er kein Verständnis haben. (…) Rudolf Sarközi ist 65 Jahre alt und lebt in Wien. Mit dem zehn Jahre jüngeren Nicolas Sarkozy könnte ihn sogar eine weit entfernte Verwandtschaft verbinden. Zumindest schliesst das Sarközi nicht aus. (…) In Frankreich kennt man den Namen Sarközi – mit ö und i –, seit «Le Monde» über den Österreicher berichtete und andere Medien den Vergleich begierig aufgriffen: auf der einen Seite der französische Präsident, ein konservativer Grossbürger, der 300 illegale Roma-Lager schleifen lässt und die Bewohner in Sonderflügen zurück in die Heimatländer Rumänien und Bulgarien schickt. Auf der anderen Seite der österreichische Sohn einer alleinerziehenden Hilfsarbeiterin, der sich durch eigenen Fleiss emporarbeitete, ein Rom, der den Kulturverein österreichischer Roma in Wien leitet und der nicht nur von Frankreich, sondern auch von der EU tief enttäuscht ist: Sie finde keine Mittel und Wege, die Lage der Roma in Europa zu verbessern. Vielmehr lasse sie zu, «dass unsere Leute zur Schlachtbank geführt werden». (…) Read the rest of this entry »