Rassismus & Menschenrechte

Razzia: „435 Roma und Ukrainer entdeckt“?

August 17th, 2023  |  Published in Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte

Exxpress-Screenshot des Facebook-Posts zum ArtikelExxpress.at im Faktencheck


Das österreichische Online-Me­di­um „Exx­press.at“ be­rich­te­te am Diens­tag (hier ar­chi­viert) über eine Groß­ak­tion von Po­li­zei und Be­hör­den in Deutschland. An­geb­lich 130 Po­lizis­ten kon­trol­lier­ten eine Wohn­sied­lung in Duis­burg-Frie­mers­heim. „Alle Bewohner kassieren Sozialleistungen vom Staat – alle stehen unter Betrugs­verdacht“, liest man im „Exxpress“. Und das ist gleich dop­pelt falsch. Ein Lehr­buch­bei­spiel ras­sis­ti­scher Be­richt­er­stat­tung.

Laut dem Bericht „entdeckte“ man bei der Razzia in den sechs großen Miets­häusern nicht weni­ger als „435 Roma und Ukrai­ner“. Eine ver­meint­lich schockie­rend hohe Anzahl, wie das hinzu­ge­fügte Ruf­zeichen im Vor­spann des Artikels wohl ver­deut­li­chen soll.

Großaufgebot (wegen Meldezetteln)

Nun wurden die „435(!) Südosteuropäer“ (mit der geografischen Lage der Ukraine nimmt man es nicht so genau) jedoch keines­wegs zur Über­raschung der Polizei­beamten in den Miets­häusern „ent­deckt“ (selbst diese Zahlen­angabe war falsch – es waren 430). Es handelt sich bei ihnen vielmehr um jene Personen, die laut Register­auszug in den ins­gesamt 140 Wohn­einheiten amtlich gemeldet waren. Im Durch­schnitt also rund drei gemel­dete Per­sonen pro Haushalt. Nichts daran ist un­ge­wöhnlich.

Auch für das behauptete Großaufgebot von 130 Polizeibeamten scheint keine seriöse Quelle zu exis­tieren. In Wirklich­keit leistete „die Polizei […] bei dem Einsatz ledig­lich Amtshilfe“ (siehe auch hier); die Rede ist von „Dutzenden Ein­satz­kräften der Polizei Duisburg und der Stadt“ (also nicht nur der Polizei alleine). „Es war den ganzen Morgen sehr ruhig“, kom­mentiert der Polizei­sprecher den Hilfs­einsatz.

„Alle Bewohner kassieren Sozialleistungen vom Staat – alle stehen unter Betrugs­verdacht“, liest man im „Exxpress“. Und das ist gleich dop­pelt falsch. Read the rest of this entry »

Saving the authentic “gypsy” (2018)

August 12th, 2023  |  Published in Geschichte & Gedenken, Hochschulschriften, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Universität WienSandra Antonia Klos (2018): Saving the authentic “gypsy”. Paul Bataillard and the begin­nings of French Gypsyology

Masterarbeit, Universität Wien (Historisch-Kultur­wis­sen­schaft­li­che Fakul­tät), 103 S.

→Zum Download der UB Wien (pdf)

Abstract: Paul Bataillard (1816–1894) war ein Pariser Journa­list, Redak­teur, Republi­kaner, Historiker, Anthro­pologe und Archivar. Seine zahl­reichen Ver­öffent­lichun­gen zur Ethnographie, Geschichte und Herkunft der­jenigen Per­sonen, die er als Bohémiens oder Tsiganes de­fi­nierte, bildeten das Fun­dament fran­zösi­scher Tsiganologie, der wissen­schaft­li­chen Ent­deckung und Be­schreibung der Zigeuner-Identität. Als Beitrag zu einer kriti­schen Prosopo­graphie der Forschung im neun­zehnten Jahr­hundert rund um die vor­ge­stellte ‚Rasse‘ der Zigeuner, unter­sucht diese Studie den wissen­schaft­lichen Blick, seine Kon­texte, Wahrheits­ansprüche, Wissen­schaft­lich­keits­stan­dards, Wirkung sowie Macht­ver­hält­nisse. Der erste Teil analy­siert die sozialen, insti­tu­tio­nellen und bio­graphischen Kontexte von Batail­lards For­schung. Der zweite Teil fokus­siert auf den Inhalt seiner Theorien und analysiert im­plizite Kon­zep­tionen von ‚Rasse‘ und Geschlecht, seinen Um­gang mit po­pulären Zigeuner-Dar­stellungen und seine eigene Hypo­these zur Her­kunft der Zigeuner. Der letzte Teil unter­sucht Bataillards wissen­schaftli­che Standards und wie exakt er sie selbst befolgte. Außer­dem werden seine Ab­sichten und Hinter­gründe, sich der Tsiga­nologie dauer­haft zu widmen, inter­pretiert. Read the rest of this entry »

Podcast: Rassismuskritische Kinderbücher

August 10th, 2023  |  Published in Interview, Jugend & Bildung, Literatur & Bücher, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

„Wir brauchen mehr rassismuskritische Kinderbücher“
POWER ME Podcast #4 mit Tayo Awosusi-Onutor, Sept. 2022

Tayo Awosusi-Onutors berufliche Expertise zieht sich durch eine Viel­zahl von Berei­chen. Sie arbeitet als außer­schuli­sche politi­sche Bildnerin für junge Men­schen, ist Sängerin, Regis­seurin und Autorin. Als Letzte­re schrieb sie das Kinder­buch „Jekh, Dui, Drin. 3 Freundinnen in Berlin“, das „erste deutsch­sprachige Kinder­buch, in dem Rom*nja und Sinti*z­ze die Heldin­nen der Ge­schichte sind“ (mehr hier). Zudem ist Tayo aktiv bei der Initia­tive IniRromnja und Vor­stands­mit­glied von deren feminis­ti­schem Tochter­verein Romani­Phen e.V. in Berlin.

Im Gespräch mit Nuran gibt uns Tayo einen Blick hinter die Kulissen der deutschen Kinder­medien­land­schaft. Es geht ver­tieft um die Wichtig­keit von diver­sen Kinder­buch­cha­rak­te­ren in viel­fältigen und positiven Rollen und welche wert­vollen Chancen kreative Medien dieser Art auch für politi­sche Or­ganisie­rung bieten. Im weiteren Verlauf des Interviews er­zählt Tayo mehr von den ver­schiede­nen Facetten ihres poli­tischen Akti­vismus, ihrer viel­fältigen Projekt­arbeit mit Kindern und wie ihre eigene Po­sitio­nie­rung als deutsche Afro-Sintizza ihre Arbeit prägt.

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Wie erkläre ich Kindern Rassismus?

August 1st, 2023  |  Published in Interview, Jugend & Bildung, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Mit Kindern über Rassismus ins Gespräch kommen
POWER ME Podcast #3 mit Josephine Apraku, Sept. 2022

Josephine Apraku ist seit vielen Jahren in rassismus- und dis­kri­mi­nie­rungs­kriti­scher Bildungs­arbeit mit inter­sektio­nalem Ansatz tätig, unter ande­rem als Refe­rent*in an der Berliner Alice-Sa­lo­mon-Hoch­schule und der Hum­boldt-Uni­ver­sität. Außerdem ist Jose­phine Autor*in, über eine der Ver­öffent­li­chun­gen — das Buch „Wie erkläre ich Kindern Rassismus? Ras­sis­mus­sen­sible Be­gleitung und Em­power­ment von klein auf“ (mehr hier) geht es ver­tieft im Interview mit Nuran.

Dabei klärt sich zunächst, warum pädagogische Gespräche über Rassismus mit Kindern so drin­gend nötig sind. Weiter­füh­rend unter­halten sich Nuran und Jose­phine über die ver­schiedenen indi­vi­duellen Faktoren, die es beim An­gehen dieser Gesprä­che zu be­trach­ten gilt. Es geht aber auch darum, welche Rolle dabei eine ganz­heitliche, gesell­schaft­liche Per­spektive spielt und warum diese beiden unter­schied­lichen Blick­winkel so wichtig für eine gesunde Heran­gehens­weise an einen solchen Aus­tausch sind.

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Deutsches Fernsehen und der Fall „Rassismus“

Juli 27th, 2023  |  Published in Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Das deutsche Fernsehen und der Fall "Rassismus"Katharina Peters: Das deutsche Fernsehen und der Fall „Rassismus“: Mediale In­sze­nie­run­gen von Sinti und Roma im Tatort und in po­li­ti­schen Talk­shows (=Edition DISS 46), Münster: Unrast Verlag 2021, 162 S.

Das vermeintliche Wissen, das über Sinti*ze und Rom*nija kursiert, ist geprägt von nega­tiven Stereo­typen bei kaum vor­han­denen Kontakt­erfah­run­gen mit An­gehöri­gen der Minderheit. Die dominie­renden Bilder werden durch die Medien ver­breitet und als Wahrheiten aus­ge­geben und rezipiert. Sie be­schränken sich außer­dem nicht auf Mit­glieder der Minderheit, son­dern werden ohne Wider­spruch auf Men­schen aus Bulgarien und Rumänien über­tragen. Neben der eman­zi­pato­ri­schen Arbeit einer zu­nehmen­den Zahl an Selbst­orga­nisa­tio­nen ist es ein Anliegen dieser Arbeit, die medialen In­szenie­rungen, deren Schau­plätze und Ak­teur*innen, sowie die dahinter­steckenden Wirk­mechanis­men und Struk­turen auf­zudecken.

Katharina Peters untersucht am Beispiel der medialen Inszenierung von ›Sinti und Roma‹ im deutschen Fern­sehen, wie Rassis­men adaptiert und verbreitet werden. Die mit dem Augsburger Wissen­schafts­preis für inter­kultu­relle Studien aus­ge­zeich­nete Analyse entlarvt die als Reali­täten aus­ge­ge­benen Bilder in ihrer Konstru­iert­heit und schafft so Raum für andere Wirk­lich­keits­ent­würfe, die ein viel­fälti­geres Bild zu­lassen und Stereo­type negieren. Der diskurs- und medien­wissen­schaft­liche Ansatz leistet einen Beitrag, Er­schei­nungs­formen des Rassismus in Zeiten eines weltweit er­star­kenden Nationalis­mus am Beispiel von Anti­ziganis­mus im deutschen Fernsehen detail­liert zu beschrei­ben. Read the rest of this entry »

Tschechien: Roma-Kinder in Säuglingsheimen

Juli 16th, 2023  |  Published in Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

Tschechien: Roma-Kinder landen besonders häufig in Säuglingsheimen (Grafik: Pixabay)Ministeriumsbericht: Keine Pflegefamilien für Roma-Kinder, Hälfte der Kinder in tsche­chi­schen Säuglings­heimen ge­hört der Roma-Min­der­heit an

Fast die Hälfte von Kindern in sogenannten Säuglingsheimen in Tschechien sind Roma. Darüber infor­mierte das tsche­chische Arbeits­mi­nis­te­rium in seinem Jahres­bericht über Heime für Kinder bis drei Jahre. In den ent­spre­chenden Ein­rich­tun­gen lebten im Früh­ling dieses Jahres ins­gesamt 410 Kinder, 189 davon hätten der Roma-Min­derheit angehört, hieß es. In die Heime seien die Kinder zumeist aus sozialen Gründen ab­ge­geben wurden, steht weiter in dem Bericht.

Die Säuglingsheime in Tschechien funktionieren wie Gesundheits­ein­­richtungen. Für den Betrieb dieser Institu­tionen ist Tschechien in der Ver­gangen­heit von­seiten der EU und der UNO immer wieder kritisiert worden. Ende kom­menden Jahres werden die letzten Heime schließen. Um verwaiste und ver­lassene Kinder sollen sich dann Pflegefamilien kümmern.

(Text: Ra­di­o Prag)

Siehe zur Problematik der Roma-Heimkinder in Tschechien auch unse­ren Artikel „Draußen vor der Tür“ in dROMa 68 (2022).

Visuelle Reproduktion des Antiziganismus (2021)

Juli 15th, 2023  |  Published in Hochschulschriften, Kunst & Fotografie, Literatur & Bücher, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Universität WienRosa Tatzber (2021): Zur visuellen Reproduktion des Anti­zi­ga­nismus

Masterarbeit, Universität Wien (Fakultät für Sozial­wis­sen­schaften), 111 S.

→Zum Download der UB Wien (pdf)

Abstract: Antiziganismus ist ein sozial bedingtes Phänomen, welches seit Jahr­hun­derten zur Dis­kriminie­rung und Ver­folgung von Rom_nja und Sin­t_ize führt. Um Anti­ziganis­mus in seiner gesell­schaft­lichen Be­dingtheit zu ver­stehen, wird auf die Kriti­sche Theorie des Anti­ziganis­mus Bezug ge­nommen, die dessen Ursache nicht in den Betrof­fenen, son­dern in der pathi­schen Pro­jektion der Vor­urteils­haften sieht. Auf­bauend auf diese Thesen wird mit dem Konzept der anti­ziganis­ti­schen Sinn­struktur eine Ver­bindung zur wissens­soziolo­gischen Bild­herme­neutik her­gestellt, um der visuelle Re­pro­duktion von Anti­ziganis­mus in fixierten Bildern nach­zu­gehen. Vor­gestellt werden vier Bild­inter­preta­tio­nen, welche sich mit dem anti­ziganis­ti­schen Poten­zial auf den Ebenen der Bild­gestaltung, der ikono­grafischen Bild­tradition und des Kon­textes (Facebook, VOL.at, Oe24.at, RTL.de, 9Gag.com) befassen. Wesent­lich ist der Aus­gangs­punkt, dass Bilder ikonisch Sinn er­zeugen und dieser nicht voll­ständig in Sprache über­setzbar ist. Daher wurde die Methode der Figurati­ven Hermeneutik nach Michael R. Müller ge­wählt. Deut­lich wird, dass bereits die Choreo­grafie der Bilder Anti­ziganis­mus visuell re­produ­zieren kann und sich diese in die Tradition der Fremd­dar­stellun­gen ein­ordnen lassen. Daher ist eine Sen­sibilisierung für visu­elle Stereotype und das Auf­zeigen von Gegenbildern not­wendig.

Schlagwörter: Antiziganismus / Kritische Theorie / visuelle Soziologie / visuelle Stereotype
Hochschulschrift (Masterarbeit); Betreuerin: Roswitha Breckner

u:theses ist das Hochschulschriften-Repositorium der Universität Wien.

UB Wien: utheses.univie.ac.at/detail/61060

„Kinder vor Rassismus schützen!“

Juli 13th, 2023  |  Published in Einrichtungen, Interview, Jugend & Bildung, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

POWER ME Podcast #2 mit Maryam Haschemi Yekani, Sept. 2022

In dieser Folge ist Maryam Haschemi Yekani zu Gast. Sie ist Rechts­an­wältin und arbeitet schwer­punkt­mäßig im Arbeits- und Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­recht, für Letz­teres ist sie auch als Trainerin tätig. Seit 2016 ist sie auch als Be­raterin bei der Berliner Be­ra­tungs­stelleKiDs – Kinder vor Dis­kri­minie­rung schützen“ an der Fach­stelle Kinder­welten tätig. Im Interview mit Nuran erzählt sie, was die Hinter­gründe ihrer Be­­ratungs­­arbeit sind und wie diese im Alltag aus­sieht. Dafür nimmt uns Maryam mit in viele in­teres­san­te Bei­spiel­fälle: Wir erfahren, welche Hürden bei der Beratung von Kindern auf­kommen können, wie die unter­schied­­li­chen Instanzen Schule, Eltern, soziales Umfeld im Falle von Dis­krimi­nie­rungs­er­fah­run­gen wirken und inter­agieren. Und wir erfahren, wel­che Chancen für eine bessere Unter­stützung der Kinder und eine bessere Zu­sammen­arbeit der Instanzen er­griffen werden können.

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Diskriminierung und Rassismus in Schulbüchern

Juli 11th, 2023  |  Published in Dokumente & Berichte, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Meral El: Meral El (2023) Diskriminierungskritische Analyse von Schulbüchern im Land Bremen, Juni 2023

[→Download]

Wessen Geschichte wird wie erzählt? Für die Landes­zentrale für politi­sche Bildung Bremen hat die Kultur­wissen­schaft­le­rin Meral El ver­gan­genes Jahr eine exemp­la­rische Be­gut­achtung von Schul­büchern im Land Bremen durchgeführt. In der 40-sei­tigen Studie unter­sucht Meral El entlang einer dis­kri­minie­rungs- und rassis­mus­kriti­schen Analyse Schulbücher für den Bereich Gesell­schaft und Politik, die im Land Bremen für die Klassen 9 und 10 an Ober­schulen und Gymnasien zu­ge­lassen sind. Mit Verweis auf zahl­reiche Text- und Bild­beispiele zeigt die Studie exempla­risch auf, in welcher Art und Weise rassistische, anti­semitische und dis­kriminie­rende Diffe­renz­konstruk­tionen und Be­deutungs­zusammen­hänge fort­ge­schrieben werden. Die Autorin formuliert Fragen und Empfeh­lungen, wie alle Beteiligten, die mit Bildungs­medien arbeiten oder an Er­stellung und Auswahl be­teiligt sind, dis­kriminie­rungs­rele­vante Wissens­bestände und Bezüge besser ver­stehen, irritieren und vermeiden können. Im Rahmen des Pro­jektes wurden Gespräche mit Ex­pertinnen und Experten aus Schule, Verwaltung, Wis­senschaft und Zivil­gesell­schaft in Bremen und Bremerhaven ge­führt, sowie im Mai 2023 ein Fach­gespräch im Deutschen Aus­wanderer­haus, welches als dialo­gische Dokumen­tation Teil der Publi­kation ist. Aus dem Bericht:

Die vorliegende Analyse zeigt, dass sich in fast allen untersuch­ten Schulbüchern implizit oder explizit anti­semitische, rassis­tische, sinti- und roma­feindliche, frauen- und queer­feind­liche Inhalte und Abbil­dun­gen finden. Ansätze dafür, Gesell­schaft und gesell­schaft­liche Diskurse diskri­minie­rungs­sensibel sowohl in Geschichte als auch in Gegen­wart dar­zu­stellen, bleiben punktuell. […] Allgemein ist festzuhalten, dass sehr wenig auf Sinti:zze und Rom:nja in den unter­suchten Schul­büchern ein­ge­gangen wird. Das Auslassen ist eine Vehe­menz der rassisti­schen Dis­krimi­nierung, die extreme Aus­wirkung [...] hat. […] Gruppen, die diskriminiert werden, finden sich in Zuschreibun­gen und Positio­nierun­gen in der sprach­losen Opfer- und Ob­jekt-Rol­le. […] Die Fort­schreibung der hierarchi­schen Positio­nie­rung als sprach­lose Opfer, als Unter­legene, als Er­mordete oder als Über­lebende, denen nach­träglich die Würde durch den kon­tinuier­li­chen Außen­blick ge­nommen wird, zieht sich durch alle ge­prüften Schul­bücher hindurch. Die „mehr­perspek­ti­vi­sche Dar­stellung“ […] wird hier verfehlt. So wird ein homo­genes fremd­gemachtes, distan­ziertes Bild über Jüdin­nen:Ju­den, Schwarze, Sinti:zze und Rom:nja und People of Color re­pro­duziert. Read the rest of this entry »

Rassismusvorwurf: „Lagebild zur Clankriminalität“

Juli 9th, 2023  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Lagebericht zur Clankriminalität 2022 (Grafik auf dem Cover des Berichts)Eine Frage der Abstammung? Zentralrat Deutscher Sinti und Roma kritisiert „Lage­bild zur Clan­kri­mi­na­li­tät 2022 in Nie­der­sachsen“

Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, kriti­siert, dass im „Lagebild zur Clan­krimina­lität 2022 in Niedersachsen“, das am 26. Juni dieses Jahres von der nieder­säch­si­schen Innen­ministerin Daniela Behrens und der Justiz­minis­te­rin Dr. Kathrin Wahlmann vor­ge­stellt wurde, Eigen­tums­­delikte von den Er­mitt­lungs­­behör­den zu einer Frage der Ab­stam­mung dekla­r­iert wurden, indem sol­che Taten einer „kriminellen Groß­familie aus der Ethnie der Roma“ zu­geschrie­ben wurden.

„In dem Lagebericht werden auch Vorwürfe wie der Diebstahl von Kleidung und Mobil­tele­fonen erhoben, die zu schreck­lichen Alltags­erfah­run­gen in vielen Ge­schäften und Kauf­häusern gehören und hohe Schäden ver­ur­sachen“, stellte Romani Rose klar. „Der Zentralrat Deut­scher Sinti und Roma kritisiert, dass in diesem Lage­bild Straftaten, die selbst­ver­ständ­lich verfolgt und ver­urteilt werden müssen, im Falle unse­rer Minder­heit zu­sätzlich mit der Ab­stammung und in Ver­bindung mit Clan­kriminalität aus­ge­wiesen werden. Der Zentral­rat Deut­scher Sinti und Roma sieht darin eine Fort­setzung der rassis­tischen und anti­ziganis­ti­schen Erfassung, die trotz der leid­vollen Geschichte un­serer Minder­heit und trotz des Verbots in unserer Ver­fassung wider­recht­lich weiter­betrie­ben wird“, er­klärte Romani Rose.

„Dadurch werden deutsche Sinti und Roma ausgegrenzt, stigmatisiert und kri­mi­na­li­siert und in den Fokus von Clan­kriminalität gerückt, die in der Wahr­nehmung der Öffent­lich­keit mit Schwerst­kriminalität in Ver­bindung steht. Diese Form von Kriminalisierung ge­gen­über unserer Minderheit gibt den Rechts­extremen die Munition zur Recht­fertigung ihrer Gewalt­taten, wie sie schon sehr oft gegen­über unserer Minder­heit ausgeübt wurden“, er­gänzte Rose.

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POWER ME Podcast: Karim Fereidooni

Juli 2nd, 2023  |  Published in Interview, Jugend & Bildung, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

POWER ME ist ein Berliner Empowerment-Projekt für von Ras­sismus be­trof­fene Kinder. In der neuen Reihe des Podcasts spricht Dipl. Pä­dago­gin und Projekt­leitung Nuran Yiğit mit Ex­pert*in­nen zu den Themen rund um Rassis­mus, Em­power­ment und Kinder. Die Gäste kommen aus unter­schied­li­chen Bereichen und geben Ein­blicke in ihre Arbeit und Er­fahrung – mit dabei sind: Karim Fereidooni, Maryam Haschemi Yekani, Josephine Apraku, Stephanie Cuff-Schöttle und Tayo Awosusi-Onutor. Die erste Folge mit Rassismus- und Schul­forscher Karim Ferei­dooni be­steht aus zwei Teilen:

Teil 1: „Was ist Rassismus?“


Im ersten Teil erläutert Prof. Dr. Karim Fereidooni das Konstrukt Ras­sismus. Es geht um dessen Ur­sprung und Wirkungs­weise und warum es bei der Sen­si­bili­sierung gegen Rassismus wichtig ist, ver­schiedene Kon­texte und unter­schied­liche Ver­ständ­nisse von Rassismus zu be­trachten.

Teil 2: „Es gibt keine Schule ohne Rassismus“


Im zweiten Teil sprechen Nuran und Karim darüber, warum eine rassis­mus­sen­sible bzw. ras­sismus­kriti­sche Arbeits­weise gerade an Schulen so wichtig ist und wie diese aus­sehen kann.

Prof. Dr. Karim Fereidooni ist Junior-Professor für Didaktik der sozial­wissen­schaft­li­chen Bildung an der Uni­ver­si­tät Bochum. Die Schwer­punkte seiner Arbeit sind Ras­sismus­kritik in päda­gogi­schen Insti­tutio­nen, diver­si­täts­sen­sible Aus­bildung von Lehr­kräften und politische Bildung in der Migra­tions­gesell­schaft. Read the rest of this entry »

Erklär mir Menschenrechte, Annemarie Schlack

Juni 24th, 2023  |  Published in Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Podcast: Erklär mir die Welt, Folge #248, 21.3.2023

Annemarie Schlack kämpft mit Amnesty International für welt­weite Menschen­rechte. Woher die eigent­lich kommen, warum sich die Situa­tion auf der Welt, anders als viele denken, ver­bessert hat und wo die Men­schen­rechte in Österreich noch nicht allen ge­währt werden, erklärt.

Annemarie Schlack ist Geschäftsführerin von Amnes­ty Inter­na­tio­nal Österreich.

(Beitrag und Text: Andreas Sator/Erklär mir die Welt)

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Visuelle Dimensionen des Antiziganismus (2021)

Juni 22nd, 2023  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Kunst & Fotografie, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Buchcover: Visuelle Dimensionen des AntiziganismusFrank Reuter, Daniela Gress, Radmila Mladenova (Hrsg.): Visuelle Dimensionen des Anti­ziganis­mus. (= Anti­ziga­nis­mus­forschung inter­dis­zipli­när – Schriften­reihe der For­schungs­stelle Anti­ziga­nis­mus, Band 2), Heidel­berg Uni­versity Pub­lishing: Hei­del­berg 2021.

→Zum Download

Visuelle Medien spielen seit der Frühen Neuzeit eine Schlüssel­rolle für die Genese des Anti­ziganis­mus. Der inter­disziplinär an­gelegte Sammelband unter­sucht die zentralen Motive und Seman­tiken von „Zigeuner“-Bil­dern in unter­schied­lichen Re­präsen­tations­formen wie Literatur, bilden­der Kunst, Fotografie, Postkarten, Oper, Theater, Comic, Film oder Com­puter­spielen. Dabei werden ins­beson­dere Ver­bindungs­linien und Wech­sel­bezie­hungen in den Blick ge­nommen. Die Beiträge legen die in­haltlichen, zeitlichen, geo­grafi­schen und medien­spezi­fischen Aus­prä­gungen eines der wirk­mäch­tigs­ten Stereotype in der europäi­schen Kultur­geschichte frei. Bis heute haben anti­ziganis­tische Imaginatio­nen negativen Einfluss auf die Positio­nierung von Sinti und Roma in den euro­päischen Ge­sellschaften.

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Podcast: Erklär mir Diskriminierung (2022)

Juni 13th, 2023  |  Published in Einrichtungen, Frauenrechte, Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Podcast: Erklär mir die Welt, Folge #211, Mai 2022

Wie kann man sich gegen Diskriminierung zur Wehr setzen? Sandra Konstatzky er­klärt an vielen echten Bei­spielen, wie man sich als Be­trof­fe­ne:r effek­tiv zur Wehr setzt. Sandra Konstatzky ist Lei­terin der Gleich­be­hand­lungs­anwalt­schaft.

→Gleichbehandlungs:App
→Vorfall melden

(Beitrag und Text: Andreas Sator/Erklär mir die Welt)

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„Mein zweites Haus“

Juni 10th, 2023  |  Published in Einrichtungen, Film & Theater, Rassismus & Menschenrechte, Religion

Mein zweites Haus (Filmstill)Dokumentarfilm von Bert Walser
(AT 2023, 81 Min.)

Premiere beim Internationalen Film­fes­ti­val Inns­bruck, 11. Juni 2023, 19 Uhr, Leo­kino

Armutsmigrant*innen aus der Slowakei und Ru­mä­nien pen­deln jeden Monat für drei Wochen nach Innsbruck, um Geld für ihre Fami­lien zu ver­­dienen. Denn in ihren Herkunftsländern sind sie als Rom*nja oft mit Dis­krimi­nie­rung und Rassismus kon­fron­tiert. Das Waldhüttl am Rand von Inns­bruck ist ihr zweites Zu­hause. Vor zehn Jahren war es noch ein bei­nahe ver­fallenes Wirt­schafts­ge­bäude, doch durch viel Engage­ment der Vinzenz­gemein­schaft und der Arbeits­kraft der Be­woh­ner*in­nen ent­stand ein flo­rieren­des Zentrum von sozialem Zu­sammen­halt, Ökologie, Spiri­tualität und kultu­rel­lem Aus­tausch.

(Text: IFFI, 2023)

Siehe auch: Read the rest of this entry »

Thüringen: Flüchtlingskind stirbt bei Brand

Juni 8th, 2023  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Technischer Defekt oder Anschlag? Brand in Thüringen (Foto: Videostill des MDR) Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma ist be­stürzt über den Brand in der Flücht­lings­un­ter­kunft im thü­rin­gi­schen Apolda am ver­gan­genen Sonn­tag (mehr hier). Dabei war ein Kind ums Leben ge­kom­men und min­des­tens elf wei­tere Per­sonen wur­den ver­letzt.

„Unser Mitgefühl gehört allen Opfern, jedoch insbesondere der Mutter des Kindes, die als Kriegs­flüchtling aus ihrer Heimat nach Deutschland ge­flohen ist“, sagte der Zentral­rats­vor­sitzen­de Romani Rose. Das Todes­opfer kommt aus einer ukrai­nischen Roma-Familie, die vor Kurzem vor dem Krieg ge­flohen ist. Familien­an­ge­hörige kämpfen als Teil der regu­lären ukraini­schen Armee gegen die völker­rechts­widrige Invasion durch Russland.

Darüber hinaus erwartet der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma eine lücken­lose Auf­klärung. „Da ein Fremd­verschulden derzeit nicht aus­ge­schlossen werden kann, erwarten wir von Thüringens Innen­minis­ter Maier und den zu­stän­digen Er­mitt­lungs­behörden eine lücken­lose Aufklärung der Brand­ursache. Es muss jeg­licher Anschein des Fremd­ver­schuldens aus­geschlos­sen werden. Sollte der Brand erneut durch techni­sche Mängel aus­gelöst worden sein, bitten wir den Innen­minister, auf Bundes­ebene initiativ zu werden, um der­artige Probleme, die bereits in der Vergangenheit zu Bränden und Todes­opfern in Flücht­lings­unter­künften geführt haben, zu­künftig aus­zu­schließen.“, so Rose.

(Text: Pressemitteilung des Zentralrats, 7.6.2023)

Anm. der dROMa-Red.:
Das Gutachten des Brandsachverständigen des Landeskriminal­amtes liegt noch nicht vor. Die Polizei geht aller­dings in­zwi­schen von einem techni­schen Defekt aus.

Bereits vor einigen Monaten kam es zu einem Brand nahe der Sammelunterkunft in Apolda. Die Hintergründe des Vorfalls blieben damals unaufgeklärt. Die Berliner „taz“ berichtete am 11.10.2022: „Am Montagnachmittag wurden in Apolda auf einer Industrie­brache gegen­über einer Unterkunft für rund 150 Ge­flüchtete aus der Ukraine Holz­paletten ent­zündet. Auf dem Gelände befanden sich auch Gas­flaschen, aus einer ent­strömte Gas.“

Böller und Drohungen in Tulln: „Ihr sollt brennen!“

Juni 7th, 2023  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Wieder rassistische Vorfälle in Tulln  (Bild: Pixabay)Rassistische Vorfälle gegen Fahren­de in Tulln (NÖ). Vorsitzen­der des Volks­gruppen­bei­rats der öster­rei­chi­schen Roma Emmerich Gärtner-Horvath for­dert Maß­nahmen

Die NÖN berichten heute über zwei Vorfälle von Gewalt­drohungen gegen eine Gruppe fahren­der Sinti, die kürz­lich ihre Wohn­wagen­lager am südli­chen Messe­parkplatz in Tulln auf­ge­schlagen hatte. Die Gruppe war etwas früher und an einem anderen Lager­platz als ur­sprüng­lich vorge­sehen ein­ge­troffen. Über die aktuellen Dro­hungen und den ki­lo­meterweit hörbaren Knallkörper schreibt NÖN-Re­dak­teur Tho­mas Peischl:

Wie schon seit Jahren stattet das fahrende Volk der Bezirks­haupt­stadt Tulln (NÖ) auch heuer einen Besuch ab. Und wie seit Jahren sorgt das für Auf­regung: [...] Bislang un­bekannte Täter [sollen] in den späten Abend­stunden des 1. Juni Böller in Richtung der Wagen­burg auf dem Messe­parkplatz bei der Süd­um­fahrung ge­worfen haben. Deren Detonations­lärm war im west­lichen Stadt­gebiet deutlich zu hören. Kurze Zeit später wurde ein Mit­arbeiter der Stadt­gemeinde Zeuge eines weite­ren Vorfalls. Ein Lenker eines Autos mit Tullner Kenn­zeichen drehte im Drift-Stil einige Runden. Dabei brüllte er aus dem ge­öff­neten Auto­fenster Richtung Sinti/Roma: „Ihr sollt brennen!“ Danach flüch­tete er mit über­höhter Ge­schwin­dig­keit Rich­tung Norden.

In einer ersten Stellungnahme der österreichischen Roma-Or­gani­satio­nen zeigt sich Emmerich Gärtner-Horvath, Vor­sitzen­der des Roma-Volks­gruppen­beirats im Bundeskanzleramt, entsetzt über diese Entwicklung und fordert umgehende Ermittungen:

Ich bin der Vorsitzende der Volksgruppe der Roma in Österreich und bin bestürzt, dass es zu solchen Vorkommnissen in Tulln kommt. Der oder die Täter müssen ausgeforscht werden, damit sie zur Rechen­schaft gezogen werden. Die Politik und die Polizei sind hiermit auf­ge­fordert, Maß­nahmen zu treffen, dass solche Vor­kommnisse nicht mehr geschehen.

FPÖ-Landtagsabgeordneter Andreas Bors (der 2014 durch Fotos mit Hitlergruß zu grö­ßerer Be­kannt­­heit ge­­langte) gießt der­weil weiter Öl ins Feuer und fordert ein hartes Vor­gehen gegen die Sinti-Fa­mi­lien. Er will ein rigides Camping­verbot nach Vor­bild von Dornbirn.

Die jüngsten Vorfälle ereigneten sich vor dem Hintergrund fortdauern­der medialer und poli­tischer An­griffe gegen fahrende An­gehöri­ge der Minder­heit der Sinti und Roma. In kam­pagnen­artiger Regelmäßigkeit wurde in den letzten Jahren und Monaten in Ober- und Niederösterreich Stimmung gegen campie­rende Familien gemacht, sei es in Wels, Linz oder in Tulln. Read the rest of this entry »

Neu: „Antiromaismus und Antisintiismus“

Juni 6th, 2023  |  Published in Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

CoverLeah Carola Czollek / Gudrun Perko: Anti­roma­is­mus und Anti­sinti­is­mus. Dis­kri­mi­nie­rungs­re­ali­tä­ten und Hand­lungs­empfeh­lun­gen – Ex­pert*in­nen im Ge­spräch, Beltz Juventa: Wein­heim 2023, 154 S.

Antiromaismus und Antisintiismus werden im Studium der Sozia­len Arbeit zu wenig the­mati­siert. In dem Buch be­richten Ex­pert*in­nen, in welchen gesell­schaft­li­chen Berei­chen Rom*nja und Sinti*zze jahr­hunderte­lang struktu­relle Dis­kri­mi­nie­rung er­lebten, aber auch heute noch erleben. Gleich­zeitig er­fahren Le­sende von Em­powerment­strategien und politi­schen Akti­vi­täten gegen diese Dis­krimi­nierungs­formen. Für die Ver­änderung der Lebens­wirklich­keiten von Rom*nja und Sinti*zze zu­gunsten gesell­schaftli­cher Teilhabe, In­klusion und Parti­zi­pation steht die Soziale Arbeit vor großen Heraus­forderun­gen. So be­nötigen Sozial­arbeiter*in­nen ein um­fang­reiches Wissen, ein Können im Sinne sozial­arbeite­ri­schen Handelns sowie eine dis­krimi­nie­rungs­kritische Haltung in der Arbeit mit Rom*nja und Sinti*zze. Hierzu bietet das Buch einen Re­flexions­raum.

(Text: Beltz, Verlangsinfo)

Anschlag auf das Berliner Denk­mal

Mai 20th, 2023  |  Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte

Sinti-und-Roma-Denkmal in Berlin (Foto: Marko Priske)Zentralrat verurteilt Anschlag auf Denkmal für die im National­sozia­lis­mus er­mor­de­ten Sinti und Roma Eu­ropas

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma verurteilt den Anschlag auf das Berliner Denk­mal zur Erin­nerung an die 500.000 von den Nat­ional­sozialis­ten im NS-be­setzten Europa er­mor­deten Sinti und Roma. Der Täter hatte nach An­gaben der Polizei am Mittwochmittag mit einer Eisenstange auf die Infor­mations­tafeln am Denkmal ein­geschlagen und eine Aus­stellungs­tafel be­schädigt. Das Denkmal wird jähr­lich von etwa 100.000 Menschen be­sucht. Der Anschlag wurde am hell­lichten Tag vor den Augen vieler Be­sucher verübt. Diese hat­ten die Polizei alarmiert.

„Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma dankt der Polizei, die den Täter zu­nächst fest­nahm und dessen Perso­nalien sicher­stellte“, sagte Romani Rose, Vor­sitzender des Zentral­rats. „Die Tat erfüllt uns mit Entsetzen und Abscheu. Dieser Angriff zielt auf die Men­schen, die durch die Nazi­barbarei im Holocaust ihr Leben verloren haben. Er zielt auf uns alle, auf jeden Menschen mit Ver­antwor­tungs­bewusst­sein aus der Er­fahrung der Geschichte.“ Hier gehe es nicht nur um Sach­beschädigung, der nach­ge­gangen werden müsse, son­dern das Motiv der Tat müsse bei den Er­mittlungen im Vorder­grund stehen, betonte Romani Rose.

Nach den Worten von Romani Rose sieht der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma das An­wachsen des zu­nehmen­den Anti­ziganismus als eine Bedrohung gegen die Minderheit. Bundes­innen­ministerin Nancy Faeser hat erst kürz­lich mit dem Bundes­kriminal­amt den Jahres­bericht 2022 zur politisch moti­vierten Kriminalität ver­öffentlicht. Daraus geht hervor, dass die Zahl der anti­ziganis­tisch motivier­ten Straftaten gegenüber dem Vorjahr um ein Drittel auf 145 ge­stiegen ist. Read the rest of this entry »

Deutschland: An­ti­zi­ga­nis­tische Straf­ta­ten 2022

Mai 13th, 2023  |  Published in Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

PMK in Deutschland 2022Deutsche Statis­tik zu po­li­tisch mo­ti­vier­ten Straf­ta­ten für das Jahr 2022 ver­öf­fent­licht: Ein Drit­tel mehr an­ti­zi­ga­nis­tisch mo­ti­vier­te Straf­ta­ten er­fasst als im Vor­jahr – den­noch rie­si­ges Dun­kel­feld

Pressemitteilung der Melde- und In­for­ma­tions­stel­le Anti­zi­ga­nis­mus

Am 9. Mai 2023 veröffentlichten das Bundeskriminalamt und das Bundes­innen­minis­te­rium Zahlen zur politisch moti­vierten Krimi­nalität (PMK) des Jahres 2022. Die Zahl der politisch moti­vier­ten Straftaten hat sich er­neut deut­lich erhöht. Sie ist um über sieben Prozent auf 58.916 Delikte an­gestie­gen und hat somit einen neuen Höchst­stand politisch moti­vierter Krimi­nalität er­reicht. Gleich­zeitig be­stätigt ein Anstieg der rechts­moti­vierten Straftaten um gut sieben Pro­zent auf 23.500 Straf­taten, welch große Be­drohung von Rechts­extremis­mus aus­geht. Die meisten Gewalt­opfer hierunter waren Ge­flüchtete und Schutz­suchende.

Einen historischen Höchststand seit Einführung der Statistik im Jahr 2001 er­reichen auch die anti­ziganis­tisch moti­vierten Straftaten. 2022 wurden ins­gesamt 145 anti­ziganis­tische Straftaten erfasst. Das ist ein Anstieg um 33 Pro­zent im Ver­gleich zum Vorjahr (2021: 109). Seit 2017 wird Anti­zigani­smus als eigen­stän­dige Kategorie in der PMK-Sta­tistik doku­mentiert.

Bis heute wird die Minderheit pauschal mit Kriminalität in Ver­bindung ge­bracht und kaum als Opfer von Straf­taten wahr­ge­nommen. Oft wird Sinti und Roma zu­mindest eine Teilschuld an dem Erlebten unter­stellt oder Opfer werden zu Tä­ter_in­nen ver­kehrt. Betrof­fene haben daher kein Vertrauen in die Polizei, bef­ürchten Nachteile für sich selbst oder An­ge­hörige und er­statten nur selten eine Anzeige. Read the rest of this entry »