Rassismus & Menschenrechte
August 17th, 2023 |
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Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte
Exxpress.at im Faktencheck
Das österreichische Online-Medium „Exxpress.at“ berichtete am Dienstag (hier archiviert) über eine Großaktion von Polizei und Behörden in Deutschland. Angeblich 130 Polizisten kontrollierten eine Wohnsiedlung in Duisburg-Friemersheim. „Alle Bewohner kassieren Sozialleistungen vom Staat – alle stehen unter Betrugsverdacht“, liest man im „Exxpress“. Und das ist gleich doppelt falsch. Ein Lehrbuchbeispiel rassistischer Berichterstattung.
Laut dem Bericht „entdeckte“ man bei der Razzia in den sechs großen Mietshäusern nicht weniger als „435 Roma und Ukrainer“. Eine vermeintlich schockierend hohe Anzahl, wie das hinzugefügte Rufzeichen im Vorspann des Artikels wohl verdeutlichen soll.
Großaufgebot (wegen Meldezetteln)
Nun wurden die „435(!) Südosteuropäer“ (mit der geografischen Lage der Ukraine nimmt man es nicht so genau) jedoch keineswegs zur Überraschung der Polizeibeamten in den Mietshäusern „entdeckt“ (selbst diese Zahlenangabe war falsch – es waren 430). Es handelt sich bei ihnen vielmehr um jene Personen, die laut Registerauszug in den insgesamt 140 Wohneinheiten amtlich gemeldet waren. Im Durchschnitt also rund drei gemeldete Personen pro Haushalt. Nichts daran ist ungewöhnlich.
Auch für das behauptete Großaufgebot von 130 Polizeibeamten scheint keine seriöse Quelle zu existieren. In Wirklichkeit leistete „die Polizei […] bei dem Einsatz lediglich Amtshilfe“ (siehe auch hier); die Rede ist von „Dutzenden Einsatzkräften der Polizei Duisburg und der Stadt“ (also nicht nur der Polizei alleine). „Es war den ganzen Morgen sehr ruhig“, kommentiert der Polizeisprecher den Hilfseinsatz.
„Alle Bewohner kassieren Sozialleistungen vom Staat – alle stehen unter Betrugsverdacht“, liest man im „Exxpress“. Und das ist gleich doppelt falsch. Read the rest of this entry »
August 12th, 2023 |
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Geschichte & Gedenken, Hochschulschriften, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Sandra Antonia Klos (2018): Saving the authentic “gypsy”. Paul Bataillard and the beginnings of French Gypsyology
Masterarbeit, Universität Wien (Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät), 103 S.
→Zum Download der UB Wien (pdf)
Abstract: Paul Bataillard (1816–1894) war ein Pariser Journalist, Redakteur, Republikaner, Historiker, Anthropologe und Archivar. Seine zahlreichen Veröffentlichungen zur Ethnographie, Geschichte und Herkunft derjenigen Personen, die er als Bohémiens oder Tsiganes definierte, bildeten das Fundament französischer Tsiganologie, der wissenschaftlichen Entdeckung und Beschreibung der Zigeuner-Identität. Als Beitrag zu einer kritischen Prosopographie der Forschung im neunzehnten Jahrhundert rund um die vorgestellte ‚Rasse‘ der Zigeuner, untersucht diese Studie den wissenschaftlichen Blick, seine Kontexte, Wahrheitsansprüche, Wissenschaftlichkeitsstandards, Wirkung sowie Machtverhältnisse. Der erste Teil analysiert die sozialen, institutionellen und biographischen Kontexte von Bataillards Forschung. Der zweite Teil fokussiert auf den Inhalt seiner Theorien und analysiert implizite Konzeptionen von ‚Rasse‘ und Geschlecht, seinen Umgang mit populären Zigeuner-Darstellungen und seine eigene Hypothese zur Herkunft der Zigeuner. Der letzte Teil untersucht Bataillards wissenschaftliche Standards und wie exakt er sie selbst befolgte. Außerdem werden seine Absichten und Hintergründe, sich der Tsiganologie dauerhaft zu widmen, interpretiert. Read the rest of this entry »
August 10th, 2023 |
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Interview, Jugend & Bildung, Literatur & Bücher, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
„Wir brauchen mehr rassismuskritische Kinderbücher“
POWER ME Podcast #4 mit Tayo Awosusi-Onutor, Sept. 2022
Tayo Awosusi-Onutors berufliche Expertise zieht sich durch eine Vielzahl von Bereichen. Sie arbeitet als außerschulische politische Bildnerin für junge Menschen, ist Sängerin, Regisseurin und Autorin. Als Letztere schrieb sie das Kinderbuch „Jekh, Dui, Drin. 3 Freundinnen in Berlin“, das „erste deutschsprachige Kinderbuch, in dem Rom*nja und Sinti*zze die Heldinnen der Geschichte sind“ (mehr hier). Zudem ist Tayo aktiv bei der Initiative IniRromnja und Vorstandsmitglied von deren feministischem Tochterverein RomaniPhen e.V. in Berlin.
Im Gespräch mit Nuran gibt uns Tayo einen Blick hinter die Kulissen der deutschen Kindermedienlandschaft. Es geht vertieft um die Wichtigkeit von diversen Kinderbuchcharakteren in vielfältigen und positiven Rollen und welche wertvollen Chancen kreative Medien dieser Art auch für politische Organisierung bieten. Im weiteren Verlauf des Interviews erzählt Tayo mehr von den verschiedenen Facetten ihres politischen Aktivismus, ihrer vielfältigen Projektarbeit mit Kindern und wie ihre eigene Positionierung als deutsche Afro-Sintizza ihre Arbeit prägt.
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August 1st, 2023 |
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Interview, Jugend & Bildung, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Mit Kindern über Rassismus ins Gespräch kommen
POWER ME Podcast #3 mit Josephine Apraku, Sept. 2022
Josephine Apraku ist seit vielen Jahren in rassismus- und diskriminierungskritischer Bildungsarbeit mit intersektionalem Ansatz tätig, unter anderem als Referent*in an der Berliner Alice-Salomon-Hochschule und der Humboldt-Universität. Außerdem ist Josephine Autor*in, über eine der Veröffentlichungen — das Buch „Wie erkläre ich Kindern Rassismus? Rassismussensible Begleitung und Empowerment von klein auf“ (mehr hier) geht es vertieft im Interview mit Nuran.
Dabei klärt sich zunächst, warum pädagogische Gespräche über Rassismus mit Kindern so dringend nötig sind. Weiterführend unterhalten sich Nuran und Josephine über die verschiedenen individuellen Faktoren, die es beim Angehen dieser Gespräche zu betrachten gilt. Es geht aber auch darum, welche Rolle dabei eine ganzheitliche, gesellschaftliche Perspektive spielt und warum diese beiden unterschiedlichen Blickwinkel so wichtig für eine gesunde Herangehensweise an einen solchen Austausch sind.
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Juli 27th, 2023 |
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Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Katharina Peters: Das deutsche Fernsehen und der Fall „Rassismus“: Mediale Inszenierungen von Sinti und Roma im Tatort und in politischen Talkshows (=Edition DISS 46), Münster: Unrast Verlag 2021, 162 S.
Das vermeintliche Wissen, das über Sinti*ze und Rom*nija kursiert, ist geprägt von negativen Stereotypen bei kaum vorhandenen Kontakterfahrungen mit Angehörigen der Minderheit. Die dominierenden Bilder werden durch die Medien verbreitet und als Wahrheiten ausgegeben und rezipiert. Sie beschränken sich außerdem nicht auf Mitglieder der Minderheit, sondern werden ohne Widerspruch auf Menschen aus Bulgarien und Rumänien übertragen. Neben der emanzipatorischen Arbeit einer zunehmenden Zahl an Selbstorganisationen ist es ein Anliegen dieser Arbeit, die medialen Inszenierungen, deren Schauplätze und Akteur*innen, sowie die dahintersteckenden Wirkmechanismen und Strukturen aufzudecken.
Katharina Peters untersucht am Beispiel der medialen Inszenierung von ›Sinti und Roma‹ im deutschen Fernsehen, wie Rassismen adaptiert und verbreitet werden. Die mit dem Augsburger Wissenschaftspreis für interkulturelle Studien ausgezeichnete Analyse entlarvt die als Realitäten ausgegebenen Bilder in ihrer Konstruiertheit und schafft so Raum für andere Wirklichkeitsentwürfe, die ein vielfältigeres Bild zulassen und Stereotype negieren. Der diskurs- und medienwissenschaftliche Ansatz leistet einen Beitrag, Erscheinungsformen des Rassismus in Zeiten eines weltweit erstarkenden Nationalismus am Beispiel von Antiziganismus im deutschen Fernsehen detailliert zu beschreiben. Read the rest of this entry »
Juli 16th, 2023 |
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Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte
Ministeriumsbericht: Keine Pflegefamilien für Roma-Kinder, Hälfte der Kinder in tschechischen Säuglingsheimen gehört der Roma-Minderheit an
Fast die Hälfte von Kindern in sogenannten Säuglingsheimen in Tschechien sind Roma. Darüber informierte das tschechische Arbeitsministerium in seinem Jahresbericht über Heime für Kinder bis drei Jahre. In den entsprechenden Einrichtungen lebten im Frühling dieses Jahres insgesamt 410 Kinder, 189 davon hätten der Roma-Minderheit angehört, hieß es. In die Heime seien die Kinder zumeist aus sozialen Gründen abgegeben wurden, steht weiter in dem Bericht.
Die Säuglingsheime in Tschechien funktionieren wie Gesundheitseinrichtungen. Für den Betrieb dieser Institutionen ist Tschechien in der Vergangenheit vonseiten der EU und der UNO immer wieder kritisiert worden. Ende kommenden Jahres werden die letzten Heime schließen. Um verwaiste und verlassene Kinder sollen sich dann Pflegefamilien kümmern.
(Text: Radio Prag)
Siehe zur Problematik der Roma-Heimkinder in Tschechien auch unseren Artikel „Draußen vor der Tür“ in dROMa 68 (2022).
Juli 15th, 2023 |
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Hochschulschriften, Kunst & Fotografie, Literatur & Bücher, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Rosa Tatzber (2021): Zur visuellen Reproduktion des Antiziganismus
Masterarbeit, Universität Wien (Fakultät für Sozialwissenschaften), 111 S.
→Zum Download der UB Wien (pdf)
Abstract: Antiziganismus ist ein sozial bedingtes Phänomen, welches seit Jahrhunderten zur Diskriminierung und Verfolgung von Rom_nja und Sint_ize führt. Um Antiziganismus in seiner gesellschaftlichen Bedingtheit zu verstehen, wird auf die Kritische Theorie des Antiziganismus Bezug genommen, die dessen Ursache nicht in den Betroffenen, sondern in der pathischen Projektion der Vorurteilshaften sieht. Aufbauend auf diese Thesen wird mit dem Konzept der antiziganistischen Sinnstruktur eine Verbindung zur wissenssoziologischen Bildhermeneutik hergestellt, um der visuelle Reproduktion von Antiziganismus in fixierten Bildern nachzugehen. Vorgestellt werden vier Bildinterpretationen, welche sich mit dem antiziganistischen Potenzial auf den Ebenen der Bildgestaltung, der ikonografischen Bildtradition und des Kontextes (Facebook, VOL.at, Oe24.at, RTL.de, 9Gag.com) befassen. Wesentlich ist der Ausgangspunkt, dass Bilder ikonisch Sinn erzeugen und dieser nicht vollständig in Sprache übersetzbar ist. Daher wurde die Methode der Figurativen Hermeneutik nach Michael R. Müller gewählt. Deutlich wird, dass bereits die Choreografie der Bilder Antiziganismus visuell reproduzieren kann und sich diese in die Tradition der Fremddarstellungen einordnen lassen. Daher ist eine Sensibilisierung für visuelle Stereotype und das Aufzeigen von Gegenbildern notwendig.
Schlagwörter: Antiziganismus / Kritische Theorie / visuelle Soziologie / visuelle Stereotype
Hochschulschrift (Masterarbeit); Betreuerin: Roswitha Breckner
u:theses ist das Hochschulschriften-Repositorium der Universität Wien.
UB Wien: utheses.univie.ac.at/detail/61060
Juli 13th, 2023 |
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Einrichtungen, Interview, Jugend & Bildung, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
POWER ME Podcast #2 mit Maryam Haschemi Yekani, Sept. 2022
In dieser Folge ist Maryam Haschemi Yekani zu Gast. Sie ist Rechtsanwältin und arbeitet schwerpunktmäßig im Arbeits- und Antidiskriminierungsrecht, für Letzteres ist sie auch als Trainerin tätig. Seit 2016 ist sie auch als Beraterin bei der Berliner Beratungsstelle „KiDs – Kinder vor Diskriminierung schützen“ an der Fachstelle Kinderwelten tätig. Im Interview mit Nuran erzählt sie, was die Hintergründe ihrer Beratungsarbeit sind und wie diese im Alltag aussieht. Dafür nimmt uns Maryam mit in viele interessante Beispielfälle: Wir erfahren, welche Hürden bei der Beratung von Kindern aufkommen können, wie die unterschiedlichen Instanzen Schule, Eltern, soziales Umfeld im Falle von Diskriminierungserfahrungen wirken und interagieren. Und wir erfahren, welche Chancen für eine bessere Unterstützung der Kinder und eine bessere Zusammenarbeit der Instanzen ergriffen werden können.
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Juli 11th, 2023 |
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Dokumente & Berichte, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Meral El:
Diskriminierungskritische Analyse von Schulbüchern im Land Bremen, Juni 2023
[→Download]
Wessen Geschichte wird wie erzählt? Für die Landeszentrale für politische Bildung Bremen hat die Kulturwissenschaftlerin Meral El vergangenes Jahr eine exemplarische Begutachtung von Schulbüchern im Land Bremen durchgeführt. In der 40-seitigen Studie untersucht Meral El entlang einer diskriminierungs- und rassismuskritischen Analyse Schulbücher für den Bereich Gesellschaft und Politik, die im Land Bremen für die Klassen 9 und 10 an Oberschulen und Gymnasien zugelassen sind. Mit Verweis auf zahlreiche Text- und Bildbeispiele zeigt die Studie exemplarisch auf, in welcher Art und Weise rassistische, antisemitische und diskriminierende Differenzkonstruktionen und Bedeutungszusammenhänge fortgeschrieben werden. Die Autorin formuliert Fragen und Empfehlungen, wie alle Beteiligten, die mit Bildungsmedien arbeiten oder an Erstellung und Auswahl beteiligt sind, diskriminierungsrelevante Wissensbestände und Bezüge besser verstehen, irritieren und vermeiden können. Im Rahmen des Projektes wurden Gespräche mit Expertinnen und Experten aus Schule, Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft in Bremen und Bremerhaven geführt, sowie im Mai 2023 ein Fachgespräch im Deutschen Auswandererhaus, welches als dialogische Dokumentation Teil der Publikation ist. Aus dem Bericht:
Die vorliegende Analyse zeigt, dass sich in fast allen untersuchten Schulbüchern implizit oder explizit antisemitische, rassistische, sinti- und romafeindliche, frauen- und queerfeindliche Inhalte und Abbildungen finden. Ansätze dafür, Gesellschaft und gesellschaftliche Diskurse diskriminierungssensibel sowohl in Geschichte als auch in Gegenwart darzustellen, bleiben punktuell. […] Allgemein ist festzuhalten, dass sehr wenig auf Sinti:zze und Rom:nja in den untersuchten Schulbüchern eingegangen wird. Das Auslassen ist eine Vehemenz der rassistischen Diskriminierung, die extreme Auswirkung [...] hat. […] Gruppen, die diskriminiert werden, finden sich in Zuschreibungen und Positionierungen in der sprachlosen Opfer- und Objekt-Rolle. […] Die Fortschreibung der hierarchischen Positionierung als sprachlose Opfer, als Unterlegene, als Ermordete oder als Überlebende, denen nachträglich die Würde durch den kontinuierlichen Außenblick genommen wird, zieht sich durch alle geprüften Schulbücher hindurch. Die „mehrperspektivische Darstellung“ […] wird hier verfehlt. So wird ein homogenes fremdgemachtes, distanziertes Bild über Jüdinnen:Juden, Schwarze, Sinti:zze und Rom:nja und People of Color reproduziert. Read the rest of this entry »
Juli 9th, 2023 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Eine Frage der Abstammung? Zentralrat Deutscher Sinti und Roma kritisiert „Lagebild zur Clankriminalität 2022 in Niedersachsen“
Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, kritisiert, dass im „Lagebild zur Clankriminalität 2022 in Niedersachsen“, das am 26. Juni dieses Jahres von der niedersächsischen Innenministerin Daniela Behrens und der Justizministerin Dr. Kathrin Wahlmann vorgestellt wurde, Eigentumsdelikte von den Ermittlungsbehörden zu einer Frage der Abstammung deklariert wurden, indem solche Taten einer „kriminellen Großfamilie aus der Ethnie der Roma“ zugeschrieben wurden.
„In dem Lagebericht werden auch Vorwürfe wie der Diebstahl von Kleidung und Mobiltelefonen erhoben, die zu schrecklichen Alltagserfahrungen in vielen Geschäften und Kaufhäusern gehören und hohe Schäden verursachen“, stellte Romani Rose klar. „Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma kritisiert, dass in diesem Lagebild Straftaten, die selbstverständlich verfolgt und verurteilt werden müssen, im Falle unserer Minderheit zusätzlich mit der Abstammung und in Verbindung mit Clankriminalität ausgewiesen werden. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma sieht darin eine Fortsetzung der rassistischen und antiziganistischen Erfassung, die trotz der leidvollen Geschichte unserer Minderheit und trotz des Verbots in unserer Verfassung widerrechtlich weiterbetrieben wird“, erklärte Romani Rose.
„Dadurch werden deutsche Sinti und Roma ausgegrenzt, stigmatisiert und kriminalisiert und in den Fokus von Clankriminalität gerückt, die in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit mit Schwerstkriminalität in Verbindung steht. Diese Form von Kriminalisierung gegenüber unserer Minderheit gibt den Rechtsextremen die Munition zur Rechtfertigung ihrer Gewalttaten, wie sie schon sehr oft gegenüber unserer Minderheit ausgeübt wurden“, ergänzte Rose.
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Juli 2nd, 2023 |
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Interview, Jugend & Bildung, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
POWER ME ist ein Berliner Empowerment-Projekt für von Rassismus betroffene Kinder. In der neuen Reihe des Podcasts spricht Dipl. Pädagogin und Projektleitung Nuran Yiğit mit Expert*innen zu den Themen rund um Rassismus, Empowerment und Kinder. Die Gäste kommen aus unterschiedlichen Bereichen und geben Einblicke in ihre Arbeit und Erfahrung – mit dabei sind: Karim Fereidooni, Maryam Haschemi Yekani, Josephine Apraku, Stephanie Cuff-Schöttle und Tayo Awosusi-Onutor. Die erste Folge mit Rassismus- und Schulforscher Karim Fereidooni besteht aus zwei Teilen:
Teil 1: „Was ist Rassismus?“
Im ersten Teil erläutert Prof. Dr. Karim Fereidooni das Konstrukt Rassismus. Es geht um dessen Ursprung und Wirkungsweise und warum es bei der Sensibilisierung gegen Rassismus wichtig ist, verschiedene Kontexte und unterschiedliche Verständnisse von Rassismus zu betrachten.
Teil 2: „Es gibt keine Schule ohne Rassismus“
Im zweiten Teil sprechen Nuran und Karim darüber, warum eine rassismussensible bzw. rassismuskritische Arbeitsweise gerade an Schulen so wichtig ist und wie diese aussehen kann.
Prof. Dr. Karim Fereidooni ist Junior-Professor für Didaktik der sozialwissenschaftlichen Bildung an der Universität Bochum. Die Schwerpunkte seiner Arbeit sind Rassismuskritik in pädagogischen Institutionen, diversitätssensible Ausbildung von Lehrkräften und politische Bildung in der Migrationsgesellschaft. Read the rest of this entry »
Juni 24th, 2023 |
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Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Podcast: Erklär mir die Welt, Folge #248, 21.3.2023
Annemarie Schlack kämpft mit Amnesty International für weltweite Menschenrechte. Woher die eigentlich kommen, warum sich die Situation auf der Welt, anders als viele denken, verbessert hat und wo die Menschenrechte in Österreich noch nicht allen gewährt werden, erklärt.
Annemarie Schlack ist Geschäftsführerin von Amnesty International Österreich.
(Beitrag und Text: Andreas Sator/Erklär mir die Welt)
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Juni 22nd, 2023 |
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Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Kunst & Fotografie, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Frank Reuter, Daniela Gress, Radmila Mladenova (Hrsg.): Visuelle Dimensionen des Antiziganismus. (= Antiziganismusforschung interdisziplinär – Schriftenreihe der Forschungsstelle Antiziganismus, Band 2), Heidelberg University Publishing: Heidelberg 2021.
→Zum Download
Visuelle Medien spielen seit der Frühen Neuzeit eine Schlüsselrolle für die Genese des Antiziganismus. Der interdisziplinär angelegte Sammelband untersucht die zentralen Motive und Semantiken von „Zigeuner“-Bildern in unterschiedlichen Repräsentationsformen wie Literatur, bildender Kunst, Fotografie, Postkarten, Oper, Theater, Comic, Film oder Computerspielen. Dabei werden insbesondere Verbindungslinien und Wechselbeziehungen in den Blick genommen. Die Beiträge legen die inhaltlichen, zeitlichen, geografischen und medienspezifischen Ausprägungen eines der wirkmächtigsten Stereotype in der europäischen Kulturgeschichte frei. Bis heute haben antiziganistische Imaginationen negativen Einfluss auf die Positionierung von Sinti und Roma in den europäischen Gesellschaften.
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Juni 13th, 2023 |
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Einrichtungen, Frauenrechte, Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Podcast: Erklär mir die Welt, Folge #211, Mai 2022
Wie kann man sich gegen Diskriminierung zur Wehr setzen? Sandra Konstatzky erklärt an vielen echten Beispielen, wie man sich als Betroffene:r effektiv zur Wehr setzt. Sandra Konstatzky ist Leiterin der Gleichbehandlungsanwaltschaft.
→Gleichbehandlungs:App
→Vorfall melden
(Beitrag und Text: Andreas Sator/Erklär mir die Welt)
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Juni 10th, 2023 |
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Einrichtungen, Film & Theater, Rassismus & Menschenrechte, Religion
Dokumentarfilm von Bert Walser
(AT 2023, 81 Min.)
Premiere beim Internationalen Filmfestival Innsbruck, 11. Juni 2023, 19 Uhr, Leokino
Armutsmigrant*innen aus der Slowakei und Rumänien pendeln jeden Monat für drei Wochen nach Innsbruck, um Geld für ihre Familien zu verdienen. Denn in ihren Herkunftsländern sind sie als Rom*nja oft mit Diskriminierung und Rassismus konfrontiert. Das Waldhüttl am Rand von Innsbruck ist ihr zweites Zuhause. Vor zehn Jahren war es noch ein beinahe verfallenes Wirtschaftsgebäude, doch durch viel Engagement der Vinzenzgemeinschaft und der Arbeitskraft der Bewohner*innen entstand ein florierendes Zentrum von sozialem Zusammenhalt, Ökologie, Spiritualität und kulturellem Austausch.
(Text: IFFI, 2023)
Siehe auch: Read the rest of this entry »
Juni 8th, 2023 |
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Rassismus & Menschenrechte
Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma ist bestürzt über den Brand in der Flüchtlingsunterkunft im thüringischen Apolda am vergangenen Sonntag (mehr hier). Dabei war ein Kind ums Leben gekommen und mindestens elf weitere Personen wurden verletzt.
„Unser Mitgefühl gehört allen Opfern, jedoch insbesondere der Mutter des Kindes, die als Kriegsflüchtling aus ihrer Heimat nach Deutschland geflohen ist“, sagte der Zentralratsvorsitzende Romani Rose. Das Todesopfer kommt aus einer ukrainischen Roma-Familie, die vor Kurzem vor dem Krieg geflohen ist. Familienangehörige kämpfen als Teil der regulären ukrainischen Armee gegen die völkerrechtswidrige Invasion durch Russland.
Darüber hinaus erwartet der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma eine lückenlose Aufklärung. „Da ein Fremdverschulden derzeit nicht ausgeschlossen werden kann, erwarten wir von Thüringens Innenminister Maier und den zuständigen Ermittlungsbehörden eine lückenlose Aufklärung der Brandursache. Es muss jeglicher Anschein des Fremdverschuldens ausgeschlossen werden. Sollte der Brand erneut durch technische Mängel ausgelöst worden sein, bitten wir den Innenminister, auf Bundesebene initiativ zu werden, um derartige Probleme, die bereits in der Vergangenheit zu Bränden und Todesopfern in Flüchtlingsunterkünften geführt haben, zukünftig auszuschließen.“, so Rose.
(Text: Pressemitteilung des Zentralrats, 7.6.2023)
Anm. der dROMa-Red.:
Das Gutachten des Brandsachverständigen des Landeskriminalamtes liegt noch nicht vor. Die Polizei geht allerdings inzwischen von einem technischen Defekt aus.
Bereits vor einigen Monaten kam es zu einem Brand nahe der Sammelunterkunft in Apolda. Die Hintergründe des Vorfalls blieben damals unaufgeklärt. Die Berliner „taz“ berichtete am 11.10.2022: „Am Montagnachmittag wurden in Apolda auf einer Industriebrache gegenüber einer Unterkunft für rund 150 Geflüchtete aus der Ukraine Holzpaletten entzündet. Auf dem Gelände befanden sich auch Gasflaschen, aus einer entströmte Gas.“
Juni 7th, 2023 |
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Rassismus & Menschenrechte
Rassistische Vorfälle gegen Fahrende in Tulln (NÖ). Vorsitzender des Volksgruppenbeirats der österreichischen Roma Emmerich Gärtner-Horvath fordert Maßnahmen
Die NÖN berichten heute über zwei Vorfälle von Gewaltdrohungen gegen eine Gruppe fahrender Sinti, die kürzlich ihre Wohnwagenlager am südlichen Messeparkplatz in Tulln aufgeschlagen hatte. Die Gruppe war etwas früher und an einem anderen Lagerplatz als ursprünglich vorgesehen eingetroffen. Über die aktuellen Drohungen und den kilometerweit hörbaren Knallkörper schreibt NÖN-Redakteur Thomas Peischl:
Wie schon seit Jahren stattet das fahrende Volk der Bezirkshauptstadt Tulln (NÖ) auch heuer einen Besuch ab. Und wie seit Jahren sorgt das für Aufregung: [...] Bislang unbekannte Täter [sollen] in den späten Abendstunden des 1. Juni Böller in Richtung der Wagenburg auf dem Messeparkplatz bei der Südumfahrung geworfen haben. Deren Detonationslärm war im westlichen Stadtgebiet deutlich zu hören. Kurze Zeit später wurde ein Mitarbeiter der Stadtgemeinde Zeuge eines weiteren Vorfalls. Ein Lenker eines Autos mit Tullner Kennzeichen drehte im Drift-Stil einige Runden. Dabei brüllte er aus dem geöffneten Autofenster Richtung Sinti/Roma: „Ihr sollt brennen!“ Danach flüchtete er mit überhöhter Geschwindigkeit Richtung Norden.
In einer ersten Stellungnahme der österreichischen Roma-Organisationen zeigt sich Emmerich Gärtner-Horvath, Vorsitzender des Roma-Volksgruppenbeirats im Bundeskanzleramt, entsetzt über diese Entwicklung und fordert umgehende Ermittungen:
Ich bin der Vorsitzende der Volksgruppe der Roma in Österreich und bin bestürzt, dass es zu solchen Vorkommnissen in Tulln kommt. Der oder die Täter müssen ausgeforscht werden, damit sie zur Rechenschaft gezogen werden. Die Politik und die Polizei sind hiermit aufgefordert, Maßnahmen zu treffen, dass solche Vorkommnisse nicht mehr geschehen.
FPÖ-Landtagsabgeordneter Andreas Bors (der 2014 durch Fotos mit Hitlergruß zu größerer Bekanntheit gelangte) gießt derweil weiter Öl ins Feuer und fordert ein hartes Vorgehen gegen die Sinti-Familien. Er will ein rigides Campingverbot nach Vorbild von Dornbirn.
Die jüngsten Vorfälle ereigneten sich vor dem Hintergrund fortdauernder medialer und politischer Angriffe gegen fahrende Angehörige der Minderheit der Sinti und Roma. In kampagnenartiger Regelmäßigkeit wurde in den letzten Jahren und Monaten in Ober- und Niederösterreich Stimmung gegen campierende Familien gemacht, sei es in Wels, Linz oder in Tulln. Read the rest of this entry »
Juni 6th, 2023 |
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Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Leah Carola Czollek / Gudrun Perko: Antiromaismus und Antisintiismus. Diskriminierungsrealitäten und Handlungsempfehlungen – Expert*innen im Gespräch, Beltz Juventa: Weinheim 2023, 154 S.
Antiromaismus und Antisintiismus werden im Studium der Sozialen Arbeit zu wenig thematisiert. In dem Buch berichten Expert*innen, in welchen gesellschaftlichen Bereichen Rom*nja und Sinti*zze jahrhundertelang strukturelle Diskriminierung erlebten, aber auch heute noch erleben. Gleichzeitig erfahren Lesende von Empowermentstrategien und politischen Aktivitäten gegen diese Diskriminierungsformen. Für die Veränderung der Lebenswirklichkeiten von Rom*nja und Sinti*zze zugunsten gesellschaftlicher Teilhabe, Inklusion und Partizipation steht die Soziale Arbeit vor großen Herausforderungen. So benötigen Sozialarbeiter*innen ein umfangreiches Wissen, ein Können im Sinne sozialarbeiterischen Handelns sowie eine diskriminierungskritische Haltung in der Arbeit mit Rom*nja und Sinti*zze. Hierzu bietet das Buch einen Reflexionsraum.
(Text: Beltz, Verlangsinfo)
Mai 20th, 2023 |
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Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte
Zentralrat verurteilt Anschlag auf Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas
Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma verurteilt den Anschlag auf das Berliner Denkmal zur Erinnerung an die 500.000 von den Nationalsozialisten im NS-besetzten Europa ermordeten Sinti und Roma. Der Täter hatte nach Angaben der Polizei am Mittwochmittag mit einer Eisenstange auf die Informationstafeln am Denkmal eingeschlagen und eine Ausstellungstafel beschädigt. Das Denkmal wird jährlich von etwa 100.000 Menschen besucht. Der Anschlag wurde am helllichten Tag vor den Augen vieler Besucher verübt. Diese hatten die Polizei alarmiert.
„Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma dankt der Polizei, die den Täter zunächst festnahm und dessen Personalien sicherstellte“, sagte Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats. „Die Tat erfüllt uns mit Entsetzen und Abscheu. Dieser Angriff zielt auf die Menschen, die durch die Nazibarbarei im Holocaust ihr Leben verloren haben. Er zielt auf uns alle, auf jeden Menschen mit Verantwortungsbewusstsein aus der Erfahrung der Geschichte.“ Hier gehe es nicht nur um Sachbeschädigung, der nachgegangen werden müsse, sondern das Motiv der Tat müsse bei den Ermittlungen im Vordergrund stehen, betonte Romani Rose.
Nach den Worten von Romani Rose sieht der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma das Anwachsen des zunehmenden Antiziganismus als eine Bedrohung gegen die Minderheit. Bundesinnenministerin Nancy Faeser hat erst kürzlich mit dem Bundeskriminalamt den Jahresbericht 2022 zur politisch motivierten Kriminalität veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass die Zahl der antiziganistisch motivierten Straftaten gegenüber dem Vorjahr um ein Drittel auf 145 gestiegen ist. Read the rest of this entry »
Mai 13th, 2023 |
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Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Deutsche Statistik zu politisch motivierten Straftaten für das Jahr 2022 veröffentlicht: Ein Drittel mehr antiziganistisch motivierte Straftaten erfasst als im Vorjahr – dennoch riesiges Dunkelfeld
Pressemitteilung der Melde- und Informationsstelle Antiziganismus
Am 9. Mai 2023 veröffentlichten das Bundeskriminalamt und das Bundesinnenministerium Zahlen zur politisch motivierten Kriminalität (PMK) des Jahres 2022. Die Zahl der politisch motivierten Straftaten hat sich erneut deutlich erhöht. Sie ist um über sieben Prozent auf 58.916 Delikte angestiegen und hat somit einen neuen Höchststand politisch motivierter Kriminalität erreicht. Gleichzeitig bestätigt ein Anstieg der rechtsmotivierten Straftaten um gut sieben Prozent auf 23.500 Straftaten, welch große Bedrohung von Rechtsextremismus ausgeht. Die meisten Gewaltopfer hierunter waren Geflüchtete und Schutzsuchende.
Einen historischen Höchststand seit Einführung der Statistik im Jahr 2001 erreichen auch die antiziganistisch motivierten Straftaten. 2022 wurden insgesamt 145 antiziganistische Straftaten erfasst. Das ist ein Anstieg um 33 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (2021: 109). Seit 2017 wird Antiziganismus als eigenständige Kategorie in der PMK-Statistik dokumentiert.
Bis heute wird die Minderheit pauschal mit Kriminalität in Verbindung gebracht und kaum als Opfer von Straftaten wahrgenommen. Oft wird Sinti und Roma zumindest eine Teilschuld an dem Erlebten unterstellt oder Opfer werden zu Täter_innen verkehrt. Betroffene haben daher kein Vertrauen in die Polizei, befürchten Nachteile für sich selbst oder Angehörige und erstatten nur selten eine Anzeige. Read the rest of this entry »