Zwischen Gleichgültigkeit und Ablehnung

September 4th, 2014  |  Published in Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft  |  1 Comment

Cover der StudieDeutsche Studie: Unwissenheit und teils offe­ne Ab­leh­nung prä­gen Bild von Sinti und Roma – Drin­gen­der Hand­lungs­be­darf für Po­li­tik und Gesellschaft

Übersicht der Forschungsergebnisse (PDF)
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Jede und jeder dritte Deutsche lehnt Sinti und Roma als Nachbarn ab. Das ist ein Ergeb­nis einer umfas­sen­den Groß­studie zu Bevöl­ke­rungs­einstellungen gegen­über Sinti und Roma, die am 3. Sep­tem­ber von der Anti­diskri­mi­nie­rungs­stelle des Bundes (ADS) vor­gestellt wurde. Demnach sind Unwissenheit und teils offene Ableh­nung verbreitet. Die ADS und der Zentra­lrat Deutscher Sinti und Roma leiten daraus klare Handlungs­empfeh­lungen ab.

In der Erhebung „Bevölkerungseinstellungen gegenüber Sinti und Roma“ werden Vorurteile gegen­über Europas größter Minder­heit sowie das Wissen über diese Minder­heit unter­sucht und Empfeh­lungen zum Abbau von Diskri­minie­rungen gegeben. Im Vergleich zu anderen Minderheiten wird Sinti und Roma die mit Abstand geringste Sympathie entgegengebracht, wie die Studie ergab. Jede/r zweite Befragte denkt, dass Sinti und Roma durch ihr Verhalten Feindseligkeit in der Bevölkerung hervorrufen.

„Gleichgültigkeit, Unwissenheit und Ablehnung bilden zusam­men eine fatale Mischung, die Diskri­minie­run­gen gegen­über Sinti und Roma den Boden bereiten“, warnte ADS-Leiterin Christine Lüders bei der Vorstel­lung der Studie. Sinti und Roma würden von einem beträcht­li­chen Teil der deutschen Bevöl­kerung nicht als gleich­berech­tigte Mitbür­gerin­nen und Mitbürger wahr­ge­nommen. Die Befunde seien dramatisch und der Handlungs­bedarf von Politik und Gesell­schaft erheblich.

Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, zeigte sich besorgt angesichts der tief­sitzen­den Vorur­teile. Rose kritisierte: „Maß­geb­liche Politiker nutzen in der Debatte um angeb­liche Armuts­zuwan­derung wider bes­seres Wissen das Feindbild von Roma aus und instru­men­tali­sie­ren damit einen mas­siven Antiziganismus.“

ADS und der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma forder­ten in ihren gemein­samen Handlungsempfehlungen regel­mäßige Erhe­bun­gen von Diskri­mi­nie­rungs­erfah­run­gen von Sinti und Roma. Wichtig sei auch der Aufbau einer Bildungsakademie für Sinti und Roma, eine verstärkte Betei­li­gung von Selbst­organi­sa­tionen mittels Staats­verträ­gen und die Mitarbeit in Gremien und Rund­funk­räten sowie einen verbes­serten Schutz vor Benach­teili­gun­gen durch Behörden und Polizei.

Die Studie „Zwischen Gleichgültigkeit und Ablehnung – Bevölkerungseinstellungen gegenüber Sinti und Roma“ wurde vom Zentrum für Antisemitismusforschung (TU Berlin) und dem Institut für Vorurteils- und Konfliktforschung e.V. erarbeitet. Sie finden sie hier.

(Text: ADS)

Responses

  1. dROMa-Blog | Weblog zu Roma-Themen | Minderheitenstudie: Joachim Krauß im Gespräch says:

    Oktober 18th, 2014 at 11:14 (#)

    [...] Sinti und Roma ist. Die Studie nennt sich „Zwischen Gleichgültigkeit und Ablehnung“ (mehr hier) und nimmt damit quasi schon das Ergeb­nis voraus. Aller­dings gab es bei der [...]