Syrische Dom auf der Flucht
September 2nd, 2018 | Published in Rassismus & Menschenrechte
Die syrischen Dom: Eine unbekannte Volksgruppe auf der Flucht
Fast täglich hören wir von syrischen Flüchtlingen. Sei es in Berichten über ihre Ankunft in Deutschland, in Nachrichten über Fluchtursachen und -wege oder im Zusammenhang mit dem sogenannten Flüchtlingsdeal mit der Türkei. Was dabei nicht beachtet wird, ist, dass syrische Flüchtlinge keine homogene Gruppe darstellen. Unter ihnen sind viele Angehörige von Minderheiten: Christen, Yeziden, Assyrer/ Aramäer/ Chaldäer, Kurden. Und auch Dom.
Kamal Sido/GfbV: Etwa fünf Millionen Dom[1] leben verstreut in vielen Ländern des Nahen und Mittleren Ostens, darunter Syrien, Libanon, Jordanien, Palästina, Israel und Türkei. Und doch sind sie außerhalb der Region eine weitgehend unbekannte ethnische Minderheit. Religiös identifizieren sich die meisten von ihnen – wie in der Region vorherrschend – mit dem sunnitischen Islam, in den sie spirituelle Einflüsse integriert haben. Allerdings gibt es auch hier Untergruppen, wie die alawitischen Abdal.
Die Dom sprechen – neben der in der jeweiligen Region vorherrschenden Sprache Arabisch, Kurdisch oder Türkisch – eine ganz eigene – indo-europäische – Sprache, „Domari“ genannt, die Romani, der Sprache der europäischen Roma, ähnelt. Durch diese Sprachverwandtschaft ist es naheliegend, dass die Dom und die Roma gemeinsame Wurzeln in Indien haben. Leider haben sie mit dem Roma in Europa noch eine weitere Gemeinsamkeit: So wie diese werden auch die Dom in ihrer Region seit Jahrzehnten diskriminiert und marginalisiert.
Leben in Syrien vor dem Krieg
Die Dom lebten schon vor Zeiten des Osmanischen Reiches (ca. 1300 bis 1922) im Gebiet des heutigen Syrien. Als kommerzielle Nomaden bewegten sie sich vor und auch während der Osmanischen Zeit frei durch die Region und arbeiteten in verschiedenen Handwerken, je nach Nachfrage der vor Ort angesiedelten Bevölkerung. Read the rest of this entry »