Buchtipp: Die gekrönten Schlangen
Dezember 27th, 2016 | Published in Literatur & Bücher, dROMa (Magazin)
József Holdosis Klassiker aus Ungarn neu aufgelegt
Die Neuausgabe des 1978 auf Ungarisch erschienenen Romandebüts von József Holdosi macht ein fast vergessenes Schlüsselwerk der Roma-Literatur wieder zugänglich. Eine Wiederentdeckung.
In Szombathely, gleich hinter der Grenze, ist dieser Roman entstanden, verfasst von einem jungen Gymnasiallehrer, der seine Roma-Herkunft lange verschwiegen hatte. „Die gekrönten Schlangen“ ist der Versuch, sich diesen Wurzeln zu stellen, eine – mitunter ins Mythologische ausgreifende – Reflexion über Wesen und Zukunft der Roma. Denn József Holdosi (1951–2005) gehörte zu jenen Vorreitern einer Roma-Intelligenzija, die vor der Herkulesaufgabe stand, mit ihrer Identität zwischen Mehrheit und Minderheit ins Reine zu kommen. Selbst in Armut aufgewachsen erzählt er die Geschichte einer Roma-Familie in einer Siedlung am Dorfrand, bevölkert von Menschen voller Schwächen, aber auch voller Verlangen, ihr Schicksal abzuschütteln.
In dieser Welt voller Grausamkeit, märchenhafter Figuren und übernatürlicher Elemente skizziert Holdosi unterschiedliche Wege aus dem Elend: Der älteste Bruder, ein Maler, spricht im Fieberwahn mit dem „Zigeunerchristus“, fleht ihn an, die Roma aus ihrem Unglück zu befreien. Der Zweite, ein Musiker, streift durch das Land, um die vergessene Urmusik der Roma zu finden. Und die Dritte, die Schwester, sucht ihr Heil bei den Gadsche (Nicht-Roma) in der Großstadt.
Doch sie alle scheitern. Die Erlösung bleibt aus, die Rückbesinnung auf die „wahre“ Romakultur endet im Nirgendwo; und auch die Assimilation entpuppt sich als trügerischer Irrweg. Read the rest of this entry »