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Tschechiens Vizepremier verharmlost Roma-Holocaust

September 4th, 2016  |  Published in Geschichte & Gedenken, Politik

BabisTschechiens Vizepremier und Finanzminister Andrej Babiš sorgt mit ver­harm­lo­sen­den Äuße­run­gen über den Holocaust an den Roma für schar­fe Kritik aus den Reihen der Re­gie­rungs­part­ner. Laut einer Mel­dung von „aktualne.cz“ sag­te Babiš, Grün­der und Minis­ter der li­be­ral-po­pu­lis­ti­schen Ano-Partei, bei einem Be­such eines Ar­men­vier­tels in Varnsdorf: „Es gab Zei­ten, als al­le Roma ge­ar­bei­tet ha­ben. Es ist eine Lüge, dass das Lager in Lety ein Kon­zentra­tions­la­ger war, denn es war ein Arbeits­lager – wer nicht ar­bei­te­te, der war mit einem Schubs dort.“

In Lety, einem von den National­sozialis­ten bei Písek in Süd­böhmen ein­ge­rich­te­ten Todes­lager, ka­men His­to­ri­kern zu­folge 327 Roma ums Leben. Auch zahl­rei­che Kinder wa­ren im Lager in­ter­niert. Mehr als 500 Roma wur­den von dort ins Ver­nich­tungs­la­ger Auschwitz-Bir­kenau de­por­tiert und er­mordet. Der Historiker Michal Schuster aus Brno führt dazu aus:

„Wir müssen uns vergegen­wär­ti­gen, dass das Lager für etwa 300 Men­schen kon­zi­piert wurde. Einige Wochen nach dem Beginn der In­ter­nie­rung im Som­mer 1942 befan­den sich in Lety aber be­reits mehr als 1000 Men­schen. Alleine aus diesen Kapa­zi­täts­grün­den kann man sich vor­stel­len, dass das Leben dort sehr schwer war. Hin­zu ka­men eine schlech­te Ver­pfle­gung, ge­rin­ge hygie­ni­sche Stan­dards und harte kör­per­li­che Arbeit, zehn Stunden täg­lich im Stein­bruch, bei Straßen­bau­arbei­ten oder beim Holz­schlag im Wald. Das alles führte zu Unter­er­näh­rung, Krank­heit und einer ho­hen Sterb­lich­keit vor al­lem älte­rer Leu­te und Kinder.“

Rund 90 Pro­zent der tsche­chi­schen Roma fie­len dem NS-Genozid zum Opfer. Auf dem frü­he­ren La­ger­areal be­fin­det sich eine Schweine­farm – seit vie­len Jah­ren Gegen­stand von Pro­tes­ten.

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