Archive for April 29th, 2016

Crossing Europe: The Érpatak Model

April 29th, 2016  |  Published in Film & Theater, Politik, Rassismus & Menschenrechte

Dokumentarfilm von Benny Brunner (hier ein Interview)
Mitabeit: Keno Verseck; NL, 2014, 76 min.

Érpatak, ein Dorf im Nordosten Ungarns, war bis 2005 ziemlich be­deu­tungs­los – bis Mihály Zoltán Orosz zum Bürgermeister ge­wählt wur­de. Als be­ken­nen­der Antisemit und Roma-Hasser, der Nazi-Lieder sin­gen lässt, ent­wirft er ein auto­ri­tä­res Regel­werk zur Dis­zipli­nie­rung der Be­völ­ke­rung. Die­je­ni­gen, die seine Ver­haltens­vor­schrif­ten nicht ein­hal­ten, gel­ten als „Zer­störer“, ihnen droht Aus­gren­zung, so­gar Ver­trei­bung aus dem Dorf. Oroszs repres­si­ven po­li­ti­schen Ideen, die vom Sys­tem eines Victor Orbán ge­stützt wer­den, ha­ben vor al­lem für die dort an­säs­si­ge Roma-Be­völ­ke­rung, die den täg­li­chen Schi­kanen des Dorf­dik­ta­tors und sei­ner Scher­gen zum Opfer fällt, ein­schnei­den­de Fol­gen. Read the rest of this entry »

Polen: Roma-Gedenkstätte geschändet

April 29th, 2016  |  Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte

MahnmalIm südpolnischen Borzęcin Dolny unweit von Krakau wurde eine Holocaust­gedenk­stätte von un­be­kann­ten Tä­tern ge­schän­det. Ent­deckt wur­de die Zer­stö­rung des hölzer­nen Denk­mals am ver­gan­ge­nen Frei­tag. Das Mahnmal er­in­nert an den natio­nal­sozia­lis­ti­schen Genozid an den Roma. Die Poli­zei er­mit­telt.

Das Denkmal war – offenbar mit einer Axt – von sei­nem Beton­sockel ge­schlagen und zer­stört wor­den. Eine Gedenktafel, die an dem Denk­mal be­fes­tigt war, wur­de eben­falls herun­ter­geschla­gen. Die Inschrift, die auch eini­ge Verse der Roma-Dich­te­rin Papusza (Bronisława Wajs) ent­hielt, ver­wies auf die Mas­sen­er­schießung von Roma durch die deut­schen Be­satzer wäh­rend des Zwei­ten Weltkriegs. Das Monument wurde an genau der Stelle in einem Wald­stück er­rich­tet, wo im Juli 1943 29 pol­ni­sche Roma er­mor­det wor­den wa­ren: 3 Männer, 5 Frauen und 21 Kinder aus den Fa­mi­lien Majewski, Kwiatkowski, Chmielewski und Cioroń. Die Überreste der am Ort des Massakers ver­scharr­ten Opfer wa­ren be­reits 1959 exhumiert und in einem ge­mein­sa­men Grab am Fried­hof in Bor­zęcin Dol­ny be­stat­tet wor­den.

„Mir fehlen die Worte, um zu beschrei­ben, was ich jetzt füh­le“, er­klärt die pol­ni­sche Künstle­rin Małgorzata Mirga-Tas, die, selbst Romni, das Mahn­mal ge­stal­tet hatte. „So etwas kann nur je­mand tun, der je­den Respekt ge­gen­über ande­ren, ge­gen­über der Ge­schich­te, dem Ge­den­ken und uns Roma ver­lo­ren hat. Je­mand will uns wohl zu ver­stehen ge­ben, dass wir nicht zäh­len.“

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