Betteln in Wien: Bericht einer Kindesabnahme
September 19th, 2014 | Published in Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte
Vierjährige Enkeltochter im Heim – Bericht einer vorübergehenden Kindesabnahme in Wien
Das einzige Kriterium müsste lauten: Was nützt – oder schadet – dem Kindeswohl? Der hier dokumentierte Fall zeigt, dass nicht immer danach gehandelt wird. Und wir fragen uns auch: Warum spricht bei der „Drehscheibe“ , die von den Medien gerne als Expertenstelle zum Thema Roma-Kinder aus Südosteuropa herumgereicht wird, niemand Bulgarisch oder Romani? Im Folgenden der Bericht der BettelLobbyWien:
Dass Romafamilien ihre Kinder weggenommen werden, hat eine jahrhundertelange, schmerzhafte Tradition. In Wien wurde am Wochenende einer Bettlerin ihre vierjährige Enkeltochter weggenommen, und erst nachdem die Mutter aus Bulgarien anreiste, durfte die Kleine wieder zu ihrer Familie. Sie musste zwei Tage in einem Heim verbringen, dort konnte niemand ihre Muttersprache. Ulli Gladik, die zufällig Zeugin wurde, berichtet:
Freitagnachmittag werde ich von einer Bettlerin, die ich schon länger kenne, zu einer heulenden Bulgarin geführt. Die Frau kann kaum sprechen, so aufgeregt ist sie. Ihr Schwager erklärt mir, was passiert ist: Die Frau, nennen wir sie Frau Kostova, hatte am Nachmittag mit ihrer Enkeltochter am Schoß gebettelt. Sie wurde von der Polizei auf die Polizeistation mitgenommen, wo ihr dann das Kind weggenommen wurde. Sie wurde weggeschickt, ohne zu erfahren, was mit der vierjährigen Enkelin passiert. Es war keinE DolmetscherIn vor Ort, die hätte helfen können, der Frau Kostova weitere Vorgehensweisen zu erklären. Niemand, der das kleine Mädchen hätte beruhigen können.
Auf der Polizeistation, wohin ich die Familie dann begleite, erfahren wir, dass das Kind dem Jugendamt übergeben wurde. Ich vermute, dass das Kind bei der „Drehscheibe“ ist, rufe dort an und höre vom Leiter der „Drehscheibe“, dass das Kind dort ist „weil es von der Frau zum Betteln verwendet wurde“ und nun auch überprüft werden muss, ob sie tatsächlich die Oma sei. Frau Kostova fährt in Begleitung von ihren Verwandten in die „Drehscheibe“. Ein Mitarbeiter der bulgarischen Botschaft, der auch in die „Drehscheibe“ kommt, sagt ihr, dass das Kind nach ein paar Tagen dem Jugendamt in Bulgarien übergeben wird. Read the rest of this entry »
