Archive for Februar 5th, 2014

„Ich habe zwei Verwandte verloren“

Februar 5th, 2014  |  Published in Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

Radio Roma samRoma sam
Radio Burgenland:
3.2.2014 (on demand)

Burgenland: Gedenkfeier für vier ermordete Roma in Oberwart (Foto: Josef Schmidt)19 Jahre nach dem Bomben-Attentat in der Oberwarter Roma-Siedlung

Schock und Entsetzen in ganz Österreich: In der Nacht vom 4. auf den 5. Feber 1995 deto­nierte in der Roma-Siedlung in Oberwart eine Rohrbombe und tötete vier Roma. Neben ihren Leichen lag eine Blech­tafel mit der Aufschrift „Roma – zurück nach Indien“. Dieses Ereig­nis löste bei den Bewoh­nern tiefe Trauer und Angst aus.

„Als am 4. Feber 1995 dieses schreckliche Attentat verübt wurde, konnte ich es kaum realisieren“, sagt die heute 32-jäh­rige Romni Tina Nardai. „Meine Groß­mut­ter, die eine Ausschwitz­überlebende war, hat dieses Ereignis sehr mit­genom­men. Aufgrund ihrer Reaktionen und ihres Verhal­tens habe ich dann begriffen, dass diese Tat Narben aufge­rissen hat“, sagt Tina Nardai. Trotz der Angst, dass sich die schreckliche Geschichte, die sie erlebt hat, wieder­holen könnte, war es für ihre Groß­mutter ein wich­tiges Anliegen, das junge Mäd­chen darüber in Kenntnis zu setzen, was hier in der Roma-Sied­lung pas­siert ist.

Josef Simon, Peter Sarközi sowie Karl und Erwin Horvath waren jene Roma, die ihr Leben verlo­ren haben. „Mein gehörlo­ser Onkel hat die vier Opfer aufge­funden. Unter ihnen auch meine beiden Ver­wandten, Karl und Erwin“, sagt Manuela Horvath. In der Roma-Sied­lung herrsch­ten Hektik, Trauer und Unfass­barkeit zugleich. Jeder hatte Angst. „Was für mich dann am Begräbnistag sehr komisch war, ist, dass den Politikern in der Kirche ganz vorne ein Raum zum Trauern ein­ge­räumt wurde, und nicht den trauernden Familien­mit­glie­dern“, so Horvath weiter. Mehr darüber hören Sie in der aktuel­len Sendung „Roma sam“ auf Radio Burgenland.

(volksgruppen.orf.at)

„Einer der Unbekannten“: Jugendarbeit in Ungarn

Februar 5th, 2014  |  Published in Einrichtungen, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

Integrierte Bildung und die Anregung eines Dialoges sind für Joci Márton die Schlüs­sel, um die Kluft zwi­schen Minder­heit und Mehr­heit in Ungarn zu über­brücken. Lisa Weil hat den 28-jäh­ri­gen Rom und ehren­amt­lichen Mit­ar­beiter der Stiftung UCCU getrof­fen und mit ihm über seine Arbeit mit Kindern und Jugend­li­chen gesprochen. Wir dan­ken der Buda­pes­ter Zeitung für die freund­liche Erlaub­nis, Video-Porträt und Artikel hier wie­der­zu­geben.

Lisa Weil/Budapester Zeitung, 9.1.2014: Zwei Mädchen in grellen rosafarbenen Kleidern, ein Junge in ärm­li­cher Umge­bung, zwei geigende Männer in einem Garten, eine Kopf­tuch tra­gende Frau im langen Rock mit Rosen­mus­ter, ein dunkel­häu­tiger Teenager mit Gold­kette. Die Bilder, die Joci Márton, Freiwilliger bei der Stiftung UCCU, den Jugendlichen in einer Buda­pes­ter Mittelschule zeigt, sind zensiert. Die Köpfe der Abge­bilde­ten ersetzen weiße, aufge­klebte Kreise. Und den­noch weiß jeder, wer zu sehen ist. „Ich denke, es könn­ten Zigeuner­mäd­chen sein, weil Hoch­zeiten bei den Zigeunern ja ein großes Ding sind und die sich da im­mer so heraus­putzen“, sagt einer der Schüler vor­sichtig. Als der Auf­kleber vom Bild ab­ge­zo­gen wird, erschei­nen zwei – zumin­dest dem Äußeren nach – Nicht-Ro­ma-Kin­der; die grel­len Klei­der blei­ben. Ach so. Das waren ja gar keine Zigeu­ner. Sahen aber genau so aus. Auf die­sen Aha-Effekt hat Joci gewartet.

„Ich bin Joci Márton, Freiwilliger bei der Stiftung für informelle Bildung für Roma, UCCU“, stellt sich ein jun­ger Mann in der Nähe des Deák Ferenc tér vor. Der Raum in den Büros der Stif­tung, in dem der 28-Jäh­rige sitzt, ist voll mit Tischen, Stüh­len, Notiz­büchern und -tafeln. „Ich lebe in Budapest und besuche momen­tan die Central European University.“ Joci ist einer von knapp 20 jungen Roma, die sich frei­willig bei der Stiftung enga­gieren und Gesprächsrunden als Moderatoren an­lei­ten. Das Bilder­rätsel ist Teil mehrerer Spiele und Programme, die die Stiftung an Schulen durch­führt. Read the rest of this entry »