„Einer der Unbekannten“: Jugendarbeit in Ungarn

Februar 5th, 2014  |  Published in Einrichtungen, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

Integrierte Bildung und die Anregung eines Dialoges sind für Joci Márton die Schlüs­sel, um die Kluft zwi­schen Minder­heit und Mehr­heit in Ungarn zu über­brücken. Lisa Weil hat den 28-jäh­ri­gen Rom und ehren­amt­lichen Mit­ar­beiter der Stiftung UCCU getrof­fen und mit ihm über seine Arbeit mit Kindern und Jugend­li­chen gesprochen. Wir dan­ken der Buda­pes­ter Zeitung für die freund­liche Erlaub­nis, Video-Porträt und Artikel hier wie­der­zu­geben.

Lisa Weil/Budapester Zeitung, 9.1.2014: Zwei Mädchen in grellen rosafarbenen Kleidern, ein Junge in ärm­li­cher Umge­bung, zwei geigende Männer in einem Garten, eine Kopf­tuch tra­gende Frau im langen Rock mit Rosen­mus­ter, ein dunkel­häu­tiger Teenager mit Gold­kette. Die Bilder, die Joci Márton, Freiwilliger bei der Stiftung UCCU, den Jugendlichen in einer Buda­pes­ter Mittelschule zeigt, sind zensiert. Die Köpfe der Abge­bilde­ten ersetzen weiße, aufge­klebte Kreise. Und den­noch weiß jeder, wer zu sehen ist. „Ich denke, es könn­ten Zigeuner­mäd­chen sein, weil Hoch­zeiten bei den Zigeunern ja ein großes Ding sind und die sich da im­mer so heraus­putzen“, sagt einer der Schüler vor­sichtig. Als der Auf­kleber vom Bild ab­ge­zo­gen wird, erschei­nen zwei – zumin­dest dem Äußeren nach – Nicht-Ro­ma-Kin­der; die grel­len Klei­der blei­ben. Ach so. Das waren ja gar keine Zigeu­ner. Sahen aber genau so aus. Auf die­sen Aha-Effekt hat Joci gewartet.

„Ich bin Joci Márton, Freiwilliger bei der Stiftung für informelle Bildung für Roma, UCCU“, stellt sich ein jun­ger Mann in der Nähe des Deák Ferenc tér vor. Der Raum in den Büros der Stif­tung, in dem der 28-Jäh­rige sitzt, ist voll mit Tischen, Stüh­len, Notiz­büchern und -tafeln. „Ich lebe in Budapest und besuche momen­tan die Central European University.“ Joci ist einer von knapp 20 jungen Roma, die sich frei­willig bei der Stiftung enga­gieren und Gesprächsrunden als Moderatoren an­lei­ten. Das Bilder­rätsel ist Teil mehrerer Spiele und Programme, die die Stiftung an Schulen durch­führt. Joci ist bereits seit den Anfän­gen vor über drei Jahren dabei, als UCCU von der Sozio­login Flóra László gegrün­det wurde. „Kinder haben ihr Wissen über Roma oft aus dem Fern­sehen statt per­sön­li­che Erfah­rungen zu sammeln“, kritisiert Joci

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. „Wir von UCCU fanden, dass es an der Zeit sei, ohne Tabus über das Thema zu sprechen und wollten die Mög­lich­keit geben, dass Nicht-Zi­geuner­kinder junge Roma direkt tref­fen und ihnen ihre Fragen stellen können, ohne dabei heik­len Themen aus­wei­chen zu müssen. Des­halb haben wir das Schulprogramm aus­ge­arbei­tet, weil wir ge­spürt haben, dass in Ungarn im Ro­ma-Thema der Dialog ver­größert wer­den muss.“ Die 90-mi­nü­ti­gen Schul­programme richten sich haupt­säch­lich an Kinder zwischen 14 und 19 Jahren, doch auch Grund­schüler werden mit kürzeren, etwa 45-mi­nü­ti­gen Programmen be­sucht. Der Ab­lauf ist frei und locker, es gibt keinen festen Fahr­plan und kei­nen Frontal­unterricht.

Der tabulose Dialog kann den jugend­li­chen Schülern das ein oder andere Mal jedoch auch Plattitüden, Ver­all­ge­meine­run­gen oder gar Belei­di­gun­gen ent­locken, denen die Roma-Mo­de­ra­to­ren trotzen müssen: „Wenn wir so ein Schul­programm machen, dann sind wir in einem ganz ande­ren Zustand, dann müssen wir alles akzep­tieren, was uns die Schüler sagen“, erläutert Joci den Um­gang mit kri­ti­schen Momen­ten. „Auch wenn es noch so beleidigend für uns ist: Wir dürfen es nicht mal zei­gen. Denn wenn man uns an­merkt, dass uns etwas nicht gefällt oder dass uns eine Bemer­kung ver­letzt, dann stockt die Kommunikation. Genau an diesem Punkt stellt sich unsere Glaubwürdigkeit heraus. Denn wir haben nur 90 Minu­ten Zeit, treffen die Schüler vor Ort zum ers­ten Mal und müssen ihnen sofort das Gefühl geben, dass wir gespannt sind auf ihre Ansich­ten.“ Auf politische Korrektheit zu po­chen, würde die Probleme nach An­sicht von Joci schlicht unter den Teppich kehren. „UCCU arbeitet ja genau dafür: dass wir endlich gera­de­heraus und ehrlich über das Thema spre­chen können.“

„Das Thema“ ist vor allem eines: eine große Unbekannte. Denn trotzdem Roma und Nicht-Roma seit hunder­ten Jahren im Gebiet des heuti­gen Ungarn zusam­men­leben, ver­schmel­zen die beiden Volks­gruppen nur selten, die Schere zwischen Vorurteil und Fakt ist groß. Oft basie­ren die Kenntnisse der Mehrheit der Nicht-Roma über die Minderheit der Roma auf spe­ku­lati­ven Annahmen oder banalen Einzel­auf­nah­men. Das ungari­sche Meinungsforschungs­institut TÁRKI (…) betreibt seit nun­mehr elf Jahren Vorurteilsforschung und erstellt reprä­sen­ta­tive Bevölkerungsbefragungen zum Thema Xenophobie. Dabei konnte zwischen 1992 und 2002 ein Zuwachs der Fremdenfeindlichkeit in der unga­rischen Gesell­schaft ver­zeich­net werden, seitdem stag­nieren die Zahlen. Allen voran bezieht sich der Frem­den­hass auf die Roma. (…)

Geboren wurde der Student im nordungarischen Komitat Nógrád, in Salgótarján. In Bátonyte­renye-Nagybá­tony, einem klei­nen Berg­werks­ort, wuchs Joci auf. (…) Glück habe er auch deshalb gehabt, weil Joci seine Schul­zeit in „integrierten Klassen“ ver­bringen konnte. Soge­nannte integrierte Bildung bringt in Ungarn Kin­der aus Mehr- und solche aus Minder­heiten zusam­men und gibt so beispiels­weise Roma und Nicht-Roma die Mög­lich­keit, zusam­men zu lernen, sich kennen­zu­lernen und dadurch Vorurteile und Wissens­lücken übereinan­der abzu­bauen. „Für diejenigen Zigeuner, die in segregierten Klassen lernen, ist es beinah unmöglich, sich spä­ter fort­zu­bilden“, findet Joci. Von dort sei der Ausweg beson­ders schwer.

Nach Budapest führte Joci dann vor knapp fünf Jahren sein Studium. „Meine Eltern sind Arbeiter, ich komme nicht aus einer intellek­tuel­len Familie, doch ich wurde sowohl mora­lisch als auch finanziell immer während meiner Ausbildung unter­stützt.“ An der CEU besucht Joci momentan einen zwei Jahre andauernden Vorberei­tungs­kurs für junge Roma, der dabei hilft, die Englisch­kennt­nisse und somit Job-Chan­cen der Teil­nehmen­den zu verbessern. Das „Roma English Language Program“ wird unter anderem von György Soros’ renom­mierter Open Society Foundation und deren Roma Initiatives Office unterstützt. „Im An­schluss an den Kurs kann man sich dann für den Master-Studien­gang anmel­den“, erzählt Joci. Er will anschlie­ßend Nationalism Studies oder Soziologie stu­dieren, ebenfalls an der CEU. Die Arbeit bei UCCU will er jedoch auch in Zukunft fort­setzen und an Roma-Projekten mitar­bei­ten. „Die Antwor­ten, die wir bei­spiels­weise in den Schul­program­men geben, können zwar nicht für die ganze Roma-Bevöl­kerung Ungarns stehen“, sagt Joci. „Wir sind keine homo­gene Gruppe, sondern allein kulturell und sprach­lich sehr unterschiedlich. Doch es ist von größter Wich­tig­keit, einen Dialog anzu­regen“, findet er. Er wolle nicht klischee­haft klingen und es sei ein oft herunter­ge­be­te­tes Mantra, „aber Bildung, speziell die integrierte Bildung, und der Dialog zwi­schen Roma und Nicht-Roma sind die Schlüssel­wörter, um Min­der­heit und Mehr­heit einander näher zu bringen.“

Lesen Sie bitte den hier nur gekürzt wiedergege­be­nen Arti­kel von Lisa Weil in vol­ler Länge auf budapester.hu.

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