Ausgegrenzt und langsam akzeptiert
Februar 2nd, 2010 | Published in Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV
Die Burgenland-Roma
Radiokolleg, Mo., 1. Febr. bis Do., 4. Febr. 2010, 9:30 Uhr
ORF/Ö1 − Highlights (Tanja Malle): Mit dem Anschlag in der Nacht vom 4. auf den 5. Februar 1995 in Oberwart verlor die Volksgruppe der Burgenland-Roma nicht nur vier Mitglieder, sondern auch etwas von der Zuversicht, die in den Jahren davor zu keimen begonnen hatte. Nur 14 Monate vor dem Attentat, im Dezember 1993, war man offiziell als österreichische Volksgruppe anerkannt worden − ein rechtlicher Schutz, um den man sich lange bemühen musste.
Staatsgrenzen umfassen kaum jemals ein ethnisch homogenes Gebiet − auch nicht die österreichischen. Bedingt durch die abwechslungsvolle Geschichte der österreichisch-ungarischen Monarchie, der Ersten Republik und der NS-Zeit, sind heute in Österreich sechs Volksgruppen rechtlich anerkannt, die sich hauptsächlich über die gemeinsame Sprache und Geschichte definieren: die Slowenen in Kärnten und der Steiermark, die Burgenland-Kroaten, die Ungarn, Tschechen und Slowaken und die Gruppe der Roma und Sinti, zu denen auch die Burgenland-Roma zählen.
Vergleicht man die heutige Situation der Burgenland-Roma mit den Lebensbedingungen der Roma in den neuen EU-Ländern, geht es der jüngsten österreichischen Volksgruppe wohl recht gut. Verglichen mit den Lebensbedingungen anderer in Österreich anerkannter Volksgruppen, fällt das Urteil dazu schon etwas anders aus: Bis in die 1990er Jahre hinein ähnelten die Formen der Diskriminierung von Burgenland-Roma nach 1945 lange Zeit jenen vor 1938, sagen Historiker und nennen als Beispiel die Diskriminierung am Arbeitsmarkt und im Bildungsbereich. Read the rest of this entry »