Geschichte & Gedenken

Facts & Figures (542)

Dezember 30th, 2024  |  Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken

Im Osmanischen Reich wur­de die Son­der­steu­er, die Nicht-Mus­li­me zu ent­rich­ten hat­ten, lan­ge Zeit auch mus­li­mi­schen Ro­ma ab­ver­langt.

(Quelle)

Facts & Figures (541)

Dezember 22nd, 2024  |  Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Ab 1974 war Betteln in Ös­ter­reich durch Auf­he­bung des Land­strei­cher­ge­setzes von 1885 wie­der er­laubt. Tirol und Salz­burg er­lie­ßen da­rauf­hin ei­ge­ne ge­ne­rel­le Bet­tel­ver­bote.

(Quelle/pdf)

Sinti und Roma in Sachsen-Anhalt

Dezember 16th, 2024  |  Published in Geschichte & Gedenken, Jugend & Bildung, Literatur & Bücher, Wissenschaft

QuellenNAHVerena Meier: Sinti und Roma in Sachsen-Anhalt. Zwischen Antiziganismus und Selbst­be­haup­tung (= QuellenNAH, Heft 9), Magdeburg 2024

→Download (pdf)

Seit 2021 veröffentlicht das Landesarchiv Sachsen-Anhalt in seiner archiv­pädago­gischen Reihe QuellenNAH sowohl gedruckt als auch digital historische Quellen, welche die viel­fältige Geschichte Sach­sen-An­halts doku­mentieren. Das nun vor­liegende neunte Heft widmet sich der Geschichte der Sinti und Roma in Sach­sen-An­halt und prä­sentiert Quellen vom 17. Jahr­hundert über die DDR-Zeit bis in die Gegen­wart. Diese doku­mentieren die Geschichte der Sinti und Roma als Teil der deutschen Geschichte. Das Landes­archiv und seine Ko­opera­tions­partner wollen damit einen dringend not­wendigen Beitrag zur historischen Auf­klärung und gegen An­ti­­ziganis­mus leisten.

Die Materialien und Quellentexte bieten vielschichtige didaktisch-metho­dische Zugänge zu Geschichte und Lebens­welten der Sinti und Roma und sensi­bilisieren für anti­ziganis­tische Vor­urteils­konstrukte in Ver­gangen­heit und Gegenwart. Zahl­reiche Bezüge zu Fach­lehrplänen sowie Infor­mationen zu außer­schulischen Lern- und Gedenk­orten ermög­lichen den Lehrkräften, dieses breite Themen­spektrum in den Unterricht ein­zu­binden.

Read the rest of this entry »

„Berichte über einen ignorierten Genozid“

Dezember 9th, 2024  |  Published in Geschichte & Gedenken, Veranstaltungen & Ausstellungen

Genozid an Rom:nja auf dem Gebiet von Belarus, 1941–1944

Eröffnung der Wanderausstellung
Kulturhaus RomnoKher, Mannheim
11. Dezember 2024, 18 Uhr

Der Verband Deutscher Sinti und Roma – Baden-Württemberg (VDSR-BW) lädt herzlich zur Eröffnung der Wander­aus­stel­lung „Ge­no­zid an Rom:nja auf dem Gebiet von Belarus, 1941–1944“ ein. Die Ver­anstal­tung findet am 11. De­zem­ber 2024 um 18:00 Uhr im Kultur­haus Romno­Kher statt. Die Aus­stel­lung wird bis Ende Januar 2025 im Romno­Kher zu sehen sein.

Die Ausstellung widmet sich einem oft vergessenen Kapitel der Geschichte: dem Völker­mord an Rom:nja wäh­rend der deutschen Be­satzung in Belarus zwischen 1941 und 1944. Dieser Genozid, ein we­sent­licher Bestand­teil des deutschen Ver­nichtungs­kriegs im Osten, ist im kollek­tiven Ge­dächtnis sowohl der bela­russi­schen als auch der deutschen Bevöl­kerung kaum ver­ankert. Mit dieser Aus­stellung soll ein Beitrag zur Bewah­rung der Erin­nerung ge­leistet werden – ins­beson­dere aus der Per­spektive der Opfer.

Die Ausstellung basiert auf Interviews mit Dutzenden von Zeit­zeug:in­nen, die im Rahmen eines deutsch-be­la­rus­si­schen Pro­jekts ge­führt wurden. Sie doku­men­tiert nicht nur das Leid der Über­lebenden, sondern auch ihren Wider­stand sowie die teils wider­sprüch­lichen Re­aktio­nen ihrer Um­gebung – von Kollabo­ration bis hin zu Solidarität. Ergänzt wird die Aus­stellung durch Infor­matio­nen zu histori­schen Hinter­gründen, Übe­rlebens­stra­tegien, der Rolle der Partisanen­verbände und der Er­in­nerungs­politik in Belarus und Deutsch­land nach 1945.

Read the rest of this entry »

Protestantismus und Antiziganismus

November 29th, 2024  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, Religion, Wissenschaft

Bischöfin Bosse-Huber (Foto: Conf. of European Churches)Die Evan­gelische Kirche in Deutschland (EKD) will die Geschichte von Protestantis­mus und Anti­zi­ga­nis­mus unter­su­chen. Dazu hat sie ein Son­der­sti­pen­di­um zur wis­sen­schaft­li­chen Er­for­schung aus­ge­schrie­ben.

Seit einigen Jahren engagiert sich die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) im bundes­weiten „Netz­werk Sinti Roma Kirchen“, einem Zu­sam­men­schluss aus kirchlichen und reli­giö­sen Gemein­schaften und bundes­weiten und regiona­len Struk­turen von Sinti und Roma. Mit dem Zentral­rat Deut­scher Sinti und Roma hat die EKD eine enge Zu­sammen­arbeit ver­einbart; diese wurde im ver­gangenen Jahr an­lässlich des 40. Jahres­tags der Gründung des Zentral­rates mit einer Erklärung und einem gemein­samen Gottes­dienst im Berliner Dom be­kräftigt.

Darin heißt es: „Gemeinsam mit Angehörigen der Minderheit von Sinti und Roma wollen wir der Dis­kriminie­rung im Alltag von Kirche und Gesell­schaft und gruppen­be­zo­gener Men­schen­feind­lich­keit insgesamt entgegenwirken. Dazu bedarf es der Aus­einan­der­setzung mit der bis in die Gegen­wart reichen­den Schuld­geschichte der Kirchen und der un­beding­ten kritischen Über­prüfung von theolo­gischen und kirchlichen Denk­mustern und Prägungen.“

Vor diesem Hintergrund hat die EKD jetzt ein Sonderstipendium aus­ge­schrie­ben, das der wissen­schaft­lichen Unter­suchung der Geschichte von Anti­ziganis­mus und Pro­testan­tis­mus dienen soll. Das Projekt ist in der Kirchen­geschichte an­gesiedelt und zielt auf die Beleuch­tung bisher unter­schätzter Aspekte kirch­licher und diakonischer Praxis, z. B. Seelsorge, Jugend­hilfe, Gemeinde­alltag, aber auch Kol­labora­tio­nen der Kirchen in der NS-Zeit, Umgang mit der Minder­heit in der Nach­kriegs­zeit sowohl in West- wie Ost­deutschland.

„Wir erhoffen uns von einer solchen Forschungsarbeit, die nur ein Anfang sein kann, dass wir uns unse­rer eigenen blinden Flecken in der Geschichte und Gegen­wart unserer Kirchen be­wusster werden. Read the rest of this entry »

Fortbildung zur Holocaust Education

November 28th, 2024  |  Published in Geschichte & Gedenken, Jugend & Bildung, Veranstaltungen & Ausstellungen

Zentrales Seminar des OeAD-Programms ERINNERN:AT (Foto: OeAD - Agentur für Bildung und Internationalisierung/APA-Fotoservice/Rastegar)Österreichs größte Lehrkräftefortbildung zur Holo­caust Edu­cation be­handelt den Genozid an den Roma und Sinti: Ver­mitt­lungs­arbeit und For­schungs­stand zur Ver­fol­gungs­politik. In Ko­ope­ra­tion mit dem Verein Ro­ma-Ser­vice.

Wien (OTS) – Rund 500.000 europäische Roma, Romnja, Sinti und Sin­tizze wurden zwi­schen 1938 und 1945 Opfer einer rassis­tischen Ver­folgungs­politik der Natio­nal­sozia­listen und ihrer Ver­bün­deten. Roma und Sinti wurden diffa­miert und aus­ge­grenzt, zur Arbeit auf Bauern­höfen, Bau­stellen und in der Industrie ge­zwungen, sie starben in Zwangs­arbeits- und Kon­zentra­tions­lagern und wurden in Ver­nich­tungs­lagern getötet. Im Rahmen einer drei­tä­gigen Fort­bildung auf Ein­ladung der Bildungs­agentur OeAD be­fassten sich Lehr­per­sonen aus ganz Österreich mit der Geschichte und der schulischen Ver­mittlung des Genozids an Roma/Rom­nja und Sinti/Sin­tizze. Der OeAD setzt das Pro­gramm ERIN­NERN:AT im Auftrag des Bildungs­minis­te­riums um.

„Die Bildungsarbeit über den Genozid an den Roma und Sinti wäh­rend der NS-Zeit ist ein wich­tiger Teil der Ver­mittlung der öster­reichi­schen Geschichte. Mit dem OeAD-Pro­gramm ERIN­NERN:AT setzen wir einen wich­tigen Schritt, um das Bewusst­sein für die oft ver­gessenen Ge­schichten der eins­­tigen Verfolgten zu schärfen und zu­gleich gegen aktuelle Dis­kriminie­rungen an­zu­kämpfen. Es ist unsere gemein­same Ver­ant­wortung, die Ver­gangen­heit aufzu­arbeiten und für eine gerechte Zukunft frei von Dis­kriminie­rung, Gewalt und Extremismus zu sorgen,“ so Martin Polaschek, Bun­des­minister für Bildung, Wissen­schaft und Forschung.

„Über den Völkermord an den Roma und Sinti ist heute noch immer sehr wenig bekannt, zu selten wird dieser in Bildungs­kontexten the­matisiert. Wir be­gegnen dieser Lücke im Bildungs­system und wollen ein Bewusst­sein für die Geschichte des Genozids schaffen – dabei geht es auch darum, heutiger Dis­kriminie­rung von Roma und Sinti ent­gegen­zu­treten“, betont der Geschäfts­führer von Österr­eichs Bildungs­agentur OeAD, Jakob Calice.

Read the rest of this entry »

Lackenbach: Gondolipe le Romenge taj Sinijenge

November 18th, 2024  |  Published in Geschichte & Gedenken, Radijo/TV Erba (Tschibtscha)

Radijo ErbaRadijo Erba & TV Erba

Tschibtscha | 18.11.2024 | 7:38 min

Gedenkveranstaltung für die Roma und Sinti in Lackenbach

Uso gondolipeskero than ande Lackenbach suboton le Romenge taj Sintijenge, save le nacijo­nal­soci­ja­lis­tendar murdarde ule gon­dolim ulo. Ando bersch 1938 dschiv­nahi ando Burgenland valami ofto eseri Roma, tschak poar schel Roma ada brigaschno keripe le nacijo­nal­socija­listendar prik dschivde. But lendar ando bersch 1938 sar agun phenahi ando „Zigeunerlager“ Lacken­bach ledschim ule taj mujsi­nipeskeri buti iste kernahi. Odotar esertscha Roma ando minden­felitike logertscha ledschim taj mur­darde ule. Sajt o bersch deschuenja oftarvar desch taj schtar del le opferenge la flogos­kera grupnatar jek.gondo­li­peskero than ando gav Lackenbach.

Bei dem Mahnmal in Lackenbach (Bezirk Oberpullendorf) ist am Samstag der von den Natio­nal­sozialis­ten ermor­deten Roma und Sinti gedacht worden. 1938 lebten im Burgen­land rund 8.000 Roma, nur ein paar Hundert über­lebten den Rassenwahn der Natio­nal­sozialis­ten. Die meisten wurden ab 1938 in das so­ge­nannte „Zigeunerlager“ in Lackenbach ver­schleppt und mussten Zwangs­arbeit ver­richten. Von dort aus wurden tausende Roma in ver­schie­dene Kon­zentra­tions­lager deportiert und er­mordet. Seit 1984 gibt es für die Opfer der Volks­gruppe ein Mahnmal im Ort.

(Beitrag: TV Erba)

Ö1: „Wir waren niemand mehr“

November 15th, 2024  |  Published in Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV

Zur Geschichte der Roma-Siedlungen im Burgenland


Eine Radioreihe von „Betrifft: Geschichte“ (Nov. 2024) mit den Historikern Gerhard Baumgartner und Herbert Brettl, Autoren des Buches „Ein­fach weg!“. Verschwundene Ro­ma-Siedlungen im Burgenland (New Academic Press), Ge­sta­ltung: Rose­marie Burg­staller.

(1) Zwangsansiedlungen auf dem Gebiet des heutigen Burgenlands

(2) Zur Situation der Bevölkerungsgruppe der Roma in der Zwischen­kriegs­zeit

(3) Verfolgung unter dem NS-Regime und die Rolle von Tobias Portschy

(4) Das Anhaltelager Lackenbach im Bezirk Oberpullendorf

(5) Der lange Weg zur Anerkennung

Read the rest of this entry »

Gedenkorte: Serie von Vorfällen in Deutschland

Oktober 24th, 2024  |  Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte

Ein weiterer Angriff auf das Gedenken an den Völkermord an den Sinti und Roma in Deutschland: die nunmehr zerstörte Gedenktafel in der Frankfurter Kruppstraße (Bild: Förderverein Roma)Antiziganistische Schmierereien an der Ge­denk­tafel Krupp­stra­ße in Frank­furt a. M.

In der letzten Woche (Anm.: KW 41) wurde die Gedenktafel für die wäh­rend des National­sozialis­mus inter­nierten Sinti und Roma im Zwangs­lager Kruppstraße in Frank­furt anti­ziganis­tisch be­schmiert. Diese Tat ist sowohl ein Angriff auf die Erin­nerung an die Opfer des National­sozialis­mus als auch ein Angriff auf die grund­le­gen­den Werte einer Demo­kratie, wie Gleich­heit, Toleranz und Men­schen­würde. Die Frank­furter Bürger­meis­terin Dr. Nargess Eskandari-Grün­berg be­zieht Stellung: „Wir als Stadt ver­urteilen diese Ver­schande­lung von diesem so wich­tigen Ort und hoffen, dass die Ver­ant­wortli­chen gefunden werden. Es ist auch ein Ort, an dem auf­grund starken bürger­schaftli­chen Engage­ments eine Gedenktafel auf­gestellt wurde — umso wich­tiger ist die Auf­arbei­tung solcher Vor­fälle.“

Die Gedenktafel an der U-Bahn-Station Kruppstraße wurde im Jahr 1994 auf Initiative des Hessischen Landes­verbands Deutscher Sinti und Roma in der Krupp­straße an­gebracht. Sie soll die Öffent­lic­hkeit an das nahe gelegene ehe­ma­lige Zwangslager und die vor Ort be­gang­enen Verbrechen erinnern und mahnen.

Rinaldo Strauß, stellvertretender Geschäftsführer des Hessischen Landes­ver­bandes Deutscher Sinti und Roma, verurteilt die Tat: „Der Rechts­staat muss dafür Sorge tragen, dass die Ver­antwort­lichen zur Rechen­schaft gezogen werden. Dies ist er den Opfern des Völker­mordes schuldig. Meine Mutter war selbst im Lager in der Krupp­straße inter­niert und es schmerzt mich daher beson­ders, dass es noch immer Menschen gibt, die das Leid und den Schmerz der Opfer und deren Nach­fahren recht­fertigen und ver­harmlosen.“

Diese Tat reiht sich ein in eine Serie von Beschädigungen und Be­schmutzun­gen von Orten der Erinnerung mit anti­ziganistischem Motiv. Bereits im letzten Jahr wurde eine Skulptur aus Holz und Metall, die an das Zwangslager in der Krupp­straße erinnert, von Un­be­kannten um­geworfen. Erst vor zwei Wochen kam es auf dem Darmstädter Wald­friedhof zu Verwüs­tungen mehrerer Grabstellen von u. a. Gräbern Über­­lebender des Völkermords und deren Nachfahren (dROMa berich­tete). Aber nicht nur in Hessen, sondern auch in anderen Bundes­ländern kommt es immer wieder zu Vorfällen dieser Art. So wurde im Mai in Flensburg ein Mahnmal demo­liert, welches der Zwangs­um­siedlung und Deportation der Flens­burger Sinti und Roma während des National­sozialis­mus gedenkt (dROMa berich­tete). Read the rest of this entry »

„Ererbte Biografien im Land der Täter:innen“

Oktober 21st, 2024  |  Published in Geschichte & Gedenken, Interview, Radio, Podcast & TV, Veranstaltungen & Ausstellungen

Radio Stimme auf Orange 94.0
Sendung vom 16.2.2022 (CC BY-NC)

Am 8. November 2021 fand im Repub­lika­nischen Club in Wien eine Diskus­sion mit dem Titel „Ererbte Bio­grafien im Land der Täter:in­nen. Eine Dis­kussion über die Reali­täten der zweiten und dritten Gene­ration nach der Shoah und dem Porajmos“ statt – Poraj­mos be­zeichnet dabei die systema­tische Er­mordung von Rom*nja und Sinti*zze durch die Natio­nal­sozia­list*innen. Bei der Ver­anstal­tung disku­tierten Anna Goldenberg, Samuel Mago und Peter Schwarz, mode­riert von der Histori­kerin Sarah Knoll. Diese span­nende Dis­kussion senden wir erneut in be­arbei­teter Version. Die Teil­neh­mer*in­nen be­richten aus ihren Familien­ge­schich­ten und bringen in ihrer Dis­kussion diverse Facetten des Themen­gebiets um das Erinnern und Gedenken zu­sam­men. Erst­aus­ge­strahlt wurde die Auf­zeichnung von Teilen der Dis­kussion von der VON UNTEN-Re­daktion auf Radio Helsinki.

(cba.fro.at)

Podcast: NS-Verbrecherin Eva Justin

Oktober 8th, 2024  |  Published in Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Eva Justin (Bundesarchiv, Bild 146-1986-044-08, CC))Zwischenfälle. Hörgeschichte auf Radio Z
→zur Sendung
(25:22 min) [April 2024]

Die selbsternannte Rasseforscherin Eva Justin wurde für ihren Bei­trag zum Völker­mord an Roma und Sinti durch so­ge­nann­te Rasse­gut­ach­ten nie­mals ver­ur­teilt.

An 20.000 Angehörigen der Sinti und Roma wurden während des National­sozialis­mus auf ver­breche­rische Weise so­ge­nannte Rasse­unter­suchun­gen durch­geführt. Maß­geblich beteiligt waren zwei Personen: Robert Ritter, Psychiater und – in der Sprache der Rassisten – „Zi­geuner­forscher“. Und einen großen Teil dieser Unter­suchungen über­nahm die „Rasse­forscherin“ Eva Justin. Sie trat unter ande­rem vehe­ment für Zwangs­sterilisie­rungen ein. Diese Unter­suchungen bildeten die Grund­lage für Zwangs­maß­nahmen gegen Roma und Sinti – bis hin zur Deportation in das so­ge­nannte „Zi­geuner­lager” Auschwitz-Bir­­kenau.

Für ihren Beitrag am Porajmos, dem Völkermord an Roma und Sinti, wurden Ritter und Justin nie­mals verurteilt. Nach dem Krieg wurden sie vom Stadt­gesund­heits­amt Frankfurt in leiten­der Funktion be­schäftigt, Ritter sogar als Ober­medizinal­rat. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (530)

September 29th, 2024  |  Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken

2001 verfassten Roma aus Ko­lum­bi­en, Ecua­dor, Chi­le, Ar­gen­ti­ni­en, Ka­na­da u. USA ei­ne De­cla­ra­tion of the Ro­ma People of the Ame­ri­cas (Ti­tel: The Other Son of Pa­cha Ma­ma – Mo­ther Earth).

(Quelle)

Kundgebung: „Rettet das Mahnmal!“

September 28th, 2024  |  Published in Geschichte & Gedenken, Politik, Veranstaltungen & Ausstellungen

Rettet das MahnmalKundgebung am 28. Sept. 2024 um 18:00 Uhr, Pots­da­mer Platz in Berlin

Wir rufen Euch alle auf zum gemein­sa­men Pro­test für den voll­stän­di­gen Er­halt unse­res Denk­mals für die im Na­tio­nal­sozia­lis­mus er­mor­de­ten Sinti und Roma Eu­ropas!

Unser Denkmal ist durch den geplanten Bau einer S-Bahn­linie massiv be­droht. Dieses Denkmal hat für uns eine große Bedeu­tung: Es erinnert an den Völker­mord an Roma und Sinti in ganz Europa. Für viele von uns Nach­kommen der Ver­folgten ist es ein Ort der Trauer um unsere Toten ohne Gräber. Es ist ein Ort der An­er­ken­nung dieses Ver­brechens und hat eine zentrale Funktion in der Er­inne­rungs­kultur, beson­ders an­ge­sichts des wieder er­star­ken­den Rassismus in Deutschland.

Dank des unermüdlichen Engagements unserer Selbst­organi­satio­nen und solida­rischer Zivil­gesell­schaft wurde 2012 unser Denkmal endlich nach Jahr­zehnten der Leugnung des Völker­mords und Ver­wei­gerung des Gedenkens ein­geweiht. Nun bedrohen massive Eingriffe die Integrität des Denkmals und damit die Erinne­rung an den an Rom:nja und Sin­ti:zze be­gange­nen Völkermord. Die Be­einträch­ti­gung des Denkmals und der Umgang mit uns kommt einer Rück­nahme der hart er­kämpften politi­schen An­erken­nung unseres Leids gleich!

Die politisch Verantwortlichen auf Berliner und Bundesebene müssen ihrer er­inne­rungs­politi­schen Zusage und Ver­pflich­tung nach­kommen. Es ist nicht hin­nehmbar, dass nur zehn Jahre nach seiner Errichtung dieses lang er­kämpfte Denkmal nun ge­schädigt werden soll. Wir fordern sie nach­drücklich auf, eine der be­ste­henden alter­nativen Trassen­führungen zu wählen, um die Un­versehrt­heit des Mahnmals zu wahren. Read the rest of this entry »

In Ketten: Die Versklavung der Roma

September 22nd, 2024  |  Published in Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV



Podcast Alle Zeit der Welt, 19.9.2024

Heute möchten wir auf die jüngste Folge des Geschichts­podcasts „Alle Zeit der Welt“ hin­weisen – eine Folge, an deren Zu­stande­kommen wir wohl nicht ganz un­beteiligt sind:

Seit Jahrhunderten sehen sich die Roma in Europa Diskrimi­nie­rung, Unter­drückung und Leid aus­ge­setzt. Aber woher stammen Sinti und Roma? Heute richten wir unser Augen­merk auf Theorien über ihren Weg nach Europa und ein be­son­ders düsteres Kapitel nach ihrer An­­kunft: die Ver­sklavung der Roma-Ge­mein­schaf­ten in Teilen Ost­europas, eine Praxis, die bis weit ins 19. Jahr­hun­dert hinein an­dauerte.

(Text und Sendung: Alle Zeit der Welt)

Podcast: Bürgerrechtsaktivistin Ilona Lagrene

September 20th, 2024  |  Published in Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV

Ilona Lagrene (Foto: Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma)Zwischenfälle. Hörgeschichte auf Radio Z
→zur Sendung
(22:06 min) [2022]

Erst Jahrzehnte nach dem Völkermord an Sinti und Roma durch Nazi­deutsch­land er­kämpf­ten Ak­ti­vist*in­nen die of­fi­zielle An­er­ken­nung der Ver­brechen und Ent­schä­di­gung für die Opfer. Die­­sem Kampf wid­mete die Hei­del­ber­ge­rin Ilona Lagrene (1950–2023) ihr Le­ben.

Bis in die 80er Jahre hinein wurden sie diskriminierend „Zigeuner“ ge­nannt. Erst seit 1997 sind sie in Deutschland als natio­nale Minder­heit unter der Be­zeich­nung Roma und Sinti an­erkannt. Die Geschichte ihrer Dis­krimi­nierung ist 1000 Jahre alt. Der Anti­ziganismus folgte dem gleichen Muster und den gleichen Wellen wie der Anti­semitis­mus. Wie die Juden wurden auch die An­ge­hörigen der Sinti und Roma Opfer der national­sozialis­tischen Ver­nichtungs­politik. Eine der vielen ver­breche­ri­schen Kon­tinui­täten nach 1945 war: Die Verfolgten wurden nicht etwa ent­schädigt, sondern weiter krimi­nalisiert und be­nach­teiligt. In den 70er Jahren des vorigen Jahr­hun­derts begann ein jahr­zehnte­langer Kampf um An­erkennung. Einer der wichtigen Akti­vist*in­nen in diesem Kampf ist die Sin­tezza Ilona Lagrene.

Read the rest of this entry »

Die Kriminalpolizei im „Dritten Reich“

September 8th, 2024  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Wissenschaft

StegererEberhard Stegerer: Die Kriminalpolizei im „Dritten Reich“: Dr. Bern­hard Weh­ner – ein poli­tisch un­ab­hän­gi­ger Ex­perte des Reichs­kri­minal­polizei­amtes? Pub­li­ka­tio­nen im Kon­text der Nach­kriegs­nar­ra­tive und -kon­ti­nu­i­täten in der Kriminal­polizei der Bun­des­­repub­lik Deutsch­land, Cvil­lier Ver­lag: Göt­tin­gen 2023 (348 S.)

Die Verbrechensbekämpfung gehörte nicht zu den zentralen Politik­feldern des national­sozialis­ti­schen Re­gimes, trotz­dem zählte die Kriminal­polizei „zum Kern und Macht­zentrum“ dieses völki­schen Maß­nahmen­staates. Die Kontrolle der Krimi­nalität und die Ver­fol­gung von so­ge­nann­ten ‚Berufs­ver­brechern‘ und sozialen Rand­gruppen waren wesent­liche Ele­mente natio­nal­sozialis­ti­scher Gesell­schafts­politik. Eine von Himmler 1937 zentra­li­sierte, im Reichs­kriminal­polizei­amt (RKPA) ver­reich­lichte und 1939 in das Reichs­sicherheits­haupt­amt (RSHA) in­tegrierte Kriminal­polizei wurde ein wirkungs­volles Werk­zeug des NS-Staates und voll­zog Maß­nahmen zur ,Vor­beu­genden Ver­brechens­be­kämpfung‘ zum Schutz der national­sozialis­tischen ‚Volks­gemeinschaft‘, vor allem auch zum Schutz ihrer ver­meintli­chen biolo­gischen Substanz. In diesem Rahmen wurden sowohl im Deutschen Reich als auch in den von der Deutschen Wehrmacht okku­pierten Gebieten rund 110.000 Men­schen von der Kriminal­polizei als ‚Ver­brecher‘ oder ‚Asoziale‘ in Kon­zentra­tions­lager deportiert, wo meh­rere Zehn­tausend den Tod fanden. Zudem ver­schleppte die Kriminal­polizei weit über 40.000 Sinti und Roma, die fast alle in der Folge umkamen. Die Deporta­tionen wären ohne die Kriminal­polizei nicht möglich gewesen, sie wurde damit auch in den Einsatz­gruppen der Ge­heimen Staats­polizei (Gestapo) und des Sicher­heits­dienstes (SD) zum Voll­strecker der national­sozialis­tischen Ver­nichtungs­politik. Read the rest of this entry »

„Wir haben doch nichts getan …“

August 31st, 2024  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Interview, Radio, Podcast & TV

Der Völkermord an den Sinti und Roma. Spuren der NS-Zeit
Planet Schule/SWR, 23.4.2024

Jedes Jahr, am 2. August gedenken Sinti und Roma in Auschwitz ihrer ermor­deten An­gehöri­gen. Der Film zeichnet die wich­tigsten Stationen einiger Leidens­wege nach, fünf Über­lebende be­richten über ihr Schicksal: Hildegard Franz, deren Mann und drei Kinder in Auschwitz er­mordet wurden; Mano und Hugo Höllenreiner, die gerade mal zehn Jahre alt waren, als sie depor­tiert wurden und die in Auschwitz er­fahren mussten, welche Folgen die Ex­peri­mente des Lager­arztes Josef Mengele hatten; Lily van Angeren, die als Lager­schrei­berin die Namen aller Toten registrie­ren musste. Und Josef „Muscha“ Müller, der in einer Pflege­familie aufwuchs und nicht ahnte, dass seine leib­lichen Eltern Sinti waren. Er hat überlebt, weil seine Pflege­eltern ihn monate­lang in einer Garten­laube ver­steckt hielten und so dem Zu­griff der Behörden entzogen.

Read the rest of this entry »

Düsseldorf: Ausgrenzung und Faszination

August 22nd, 2024  |  Published in Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Wissenschaft

Buchcover "Ausgrenzung und Faszination"Bastian Fleermann: Ausgrenzung und Faszination. Sinti und Roma in Düsseldorf und im nördlichen Rheinland vom Spätmittelalter bis zum Ersten Weltkrieg, C. W. Leske Verlag: Düsseldorf 2024 (216 Seiten).

Faszination, Koexistenz und Ausgrenzung: Nicht immer, aber sehr oft trafen die Sinti und die Roma auf Argwohn und Ver­achtung. Erst­mals spürt eine Über­blicks­studie dieser Minderheit und dem Umgang mit ihr in einem um­grenzten Raum über mehrere Jahr­hun­derte hinweg nach – und kommt zu er­staun­lichen Er­geb­nissen.

Schon in der Mitte des 15. Jahrhunderts gewährte ein Schutzbrief einer Roma-Grup­pe in Düsseldorf und im Herzog­tum Berg freies Geleit. Seit dieser Zeit lebten Roma, Sinti und andere Völker, von der Mehr­heits­gesell­schaft zu­nächst als »Czygeiner« be­zeich­net, im nördli­chen Rheinland. Die hier erstmals zu­sam­men­getra­genen Quellen belegen neben An­fein­dun­gen und Aus­grenzun­gen auch Phasen friedlicher Ko­existenz und Zusammen­arbeit. Sie zeichnen das Bild einer viel­fältigen Minder­heit, die sehr ge­schickte Über­lebens- und An­passungs­strategien ent­wickelte, um staat­licher Re­pression zu ent­gehen und sich in der Region zu be­haup­ten. Und sie lassen eine Alltags­ebene sichtbar werden, die nur schein­bar mit den parallel ent­stande­nen populä­ren »Zigeu­ner«-Bil­dern kor­respon­diert: Der Kitsch in der Kunst oder auf der Bühne, auf Foto­postkarten oder in Schauer­geschich­ten hatte mit der Lebens­realität von Sinti oder Roma so gut wie nichts zu tun. Read the rest of this entry »

2. August wird nationaler Roma-Gedenktag

August 2nd, 2024  |  Published in Geschichte & Gedenken, Politik

Gedenktag 2. August (Bild: Roma Center e.V.)Die österreichische Bundesregierung erklärt den 2. Au­gust zum nationalen Gedenktag für die wäh­rend des Na­tio­nal­sozia­lis­mus er­mor­de­ten Roma und Sinti

In der Vergangenheit wurde den Roma unvorstell­bare Brutalität und Grau­sam­keit angetan, ins­beson­dere während des Holocausts. Um das An­denken an die Opfer zu bewahren führt die Bundes­regierung daher einen natio­nalen Gedenktag für Roma und Romnja sowie Sinti und Sintizze ein. Dieser Schritt zeigt die Ent­schlos­sen­heit, die Erinnerungs­arbeit weiter voran­zu­treiben. Der 2. August wird durch den heutigen Minis­ter­rats­be­schluss auf Basis eines Ent­schlie­ßungs­antrages des Na­tio­nalrates daher ein nationaler Gedenktag, der an die während des National­sozialis­mus er­mordeten Roma und Sinti erinnert. Das Euro­päische Parlament hatte den 2. August bereits 2015 zum Euro­päischen Ho­lo­caust-Ge­denk­tag für Roma und Sinti erklärt. Der 2. August ist von ent­schei­dender Be­deutung, um an die Opfer zu erinnern und eine Mahnung an zu­künftige Gene­ratio­nen zu senden.

„Die Republik Österreich übernimmt mit dem Beschluss der Bundes­regierung, den 2. August zum nationalen Gedenktag für den Völkermord an den Roma und Sinti zu er­klären, echte Ver­antwortung, dass das Leid, das An­gehö­rigen dieser Volksgruppen angetan wurde, öffent­lich und gemein­sam an­erkannt wird. Von 11.000 in Österreich leben­den Roma und Sinti überlebte ledig­lich ein Drittel den Holocaust. [Anm. der Red.: diese Zahl ist völlig ver­altet, tat­sächlich über­lebten den Genozid nur etwa 10%, nach ande­ren An­gaben 15%.] Ins­gesamt hat der Nazi-Terror 500.000 Roma und Romnja er­mordet. Auch nach der Befreiung vom Nazi-Regime wurde diese Opfer­gruppe nicht nur ver­gessen, sondern weiter­hin ignoriert, dis­krimi­niert und an den Rand der Gesell­schaft gedrängt. Damit muss Schluss sein. Mit dem heutigen Tag senden wir ein weiteres Signal: Leid kann nicht un­ge­schehen gemacht werden, aber wir wollen ver­hindern, dass dieses Leid ver­gessen wird“, so Vize­kanzler Werner Kogler.

Read the rest of this entry »

Kulturverein: „Gleiche unter Gleichen“

Juli 17th, 2024  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher

Buchpräsentation des Kulturvereins am 16. Dezember 2023, v. li .nach re.: Vereinsobmann Christian Klippl, Intendant Wolfgang Böck, Historiker Gerhard Baumgartner, Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (Foto: Kulturverein österreichischer Roma)Kulturverein österreichischer Roma (Hg.): GLEICHE UNTER GLEICHEN. Der Weg der po­liti­schen und sozialen An­er­ken­nung der ös­ter­rei­chi­schen Roma als Volks­grup­pe 1993, Wien 2023, 208 Sei­ten (Deutsch/Eng­lisch)

Am 16. Dezember 1993 wurden die Roma als sechste österrei­chische Volks­gruppe vom Haupt­aus­schuss des Natio­nal­rates ein­stim­mig an­er­kannt. 17 Jahre nach nach der Ver­laut­ba­rung des öster­rei­chi­schen Volks­grup­pen­ge­setzes von 1976 waren die öster­reichis­chen Roma nun endlich den anderen öster­reichi­schen Volks­gruppen gleich­gestellt. Ein histo­rischer Tag für die Roma.

Im Dezember 2023 feierte die Volksgruppe daher 30 Jahre Volks­gruppen­an­erken­nung. Aus diesem Anlass wurde vom Kulturverein öster­reichi­scher Roma eine Publi­kation (Deutsch/Englisch) erstellt, die die Hinter­gründe sowie die ein­zelnen Stadien jenes Pro­zesses zeichnet, der 1993 schließ­lich zur An­erkennung der Roma als sechste österrei­chische Volks­gruppe führte. Zur An­erkennung musste die Gruppe aber auch über ein ge­wisses Maß an Orga­nisation verfügen, denn ohne Ver­tretungs­organi­satio­nen hatte die Bundes­regierung keinen konkreten An­sprech­partner hin­sichtlich der An­ge­legen­heiten der Roma und Sinti. Mit der Gründung der Roma­vereine in Oberwart im Jahr 1989 und in Wien im Jahr 1991 wurde diese Hürde be­seitigt.

Read the rest of this entry »