Facts & Figures (542)
Dezember 30th, 2024 | Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken
(Quelle)
Dezember 30th, 2024 | Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken
(Quelle)
Dezember 22nd, 2024 | Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Dezember 16th, 2024 | Published in Geschichte & Gedenken, Jugend & Bildung, Literatur & Bücher, Wissenschaft
Verena Meier: Sinti und Roma in Sachsen-Anhalt. Zwischen Antiziganismus und Selbstbehauptung (= QuellenNAH, Heft 9), Magdeburg 2024
Seit 2021 veröffentlicht das Landesarchiv Sachsen-Anhalt in seiner archivpädagogischen Reihe QuellenNAH sowohl gedruckt als auch digital historische Quellen, welche die vielfältige Geschichte Sachsen-Anhalts dokumentieren. Das nun vorliegende neunte Heft widmet sich der Geschichte der Sinti und Roma in Sachsen-Anhalt und präsentiert Quellen vom 17. Jahrhundert über die DDR-Zeit bis in die Gegenwart. Diese dokumentieren die Geschichte der Sinti und Roma als Teil der deutschen Geschichte. Das Landesarchiv und seine Kooperationspartner wollen damit einen dringend notwendigen Beitrag zur historischen Aufklärung und gegen Antiziganismus leisten.
Die Materialien und Quellentexte bieten vielschichtige didaktisch-methodische Zugänge zu Geschichte und Lebenswelten der Sinti und Roma und sensibilisieren für antiziganistische Vorurteilskonstrukte in Vergangenheit und Gegenwart. Zahlreiche Bezüge zu Fachlehrplänen sowie Informationen zu außerschulischen Lern- und Gedenkorten ermöglichen den Lehrkräften, dieses breite Themenspektrum in den Unterricht einzubinden.
Dezember 9th, 2024 | Published in Geschichte & Gedenken, Veranstaltungen & Ausstellungen
Genozid an Rom:nja auf dem Gebiet von Belarus, 1941–1944
Eröffnung der Wanderausstellung
Kulturhaus RomnoKher, Mannheim
11. Dezember 2024, 18 Uhr
Der Verband Deutscher Sinti und Roma – Baden-Württemberg (VDSR-BW) lädt herzlich zur Eröffnung der Wanderausstellung „Genozid an Rom:nja auf dem Gebiet von Belarus, 1941–1944“ ein. Die Veranstaltung findet am 11. Dezember 2024 um 18:00 Uhr im Kulturhaus RomnoKher statt. Die Ausstellung wird bis Ende Januar 2025 im RomnoKher zu sehen sein.
Die Ausstellung widmet sich einem oft vergessenen Kapitel der Geschichte: dem Völkermord an Rom:nja während der deutschen Besatzung in Belarus zwischen 1941 und 1944. Dieser Genozid, ein wesentlicher Bestandteil des deutschen Vernichtungskriegs im Osten, ist im kollektiven Gedächtnis sowohl der belarussischen als auch der deutschen Bevölkerung kaum verankert. Mit dieser Ausstellung soll ein Beitrag zur Bewahrung der Erinnerung geleistet werden – insbesondere aus der Perspektive der Opfer.
Die Ausstellung basiert auf Interviews mit Dutzenden von Zeitzeug:innen, die im Rahmen eines deutsch-belarussischen Projekts geführt wurden. Sie dokumentiert nicht nur das Leid der Überlebenden, sondern auch ihren Widerstand sowie die teils widersprüchlichen Reaktionen ihrer Umgebung – von Kollaboration bis hin zu Solidarität. Ergänzt wird die Ausstellung durch Informationen zu historischen Hintergründen, Überlebensstrategien, der Rolle der Partisanenverbände und der Erinnerungspolitik in Belarus und Deutschland nach 1945.
November 29th, 2024 | Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, Religion, Wissenschaft
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) will die Geschichte von Protestantismus und Antiziganismus untersuchen. Dazu hat sie ein Sonderstipendium zur wissenschaftlichen Erforschung ausgeschrieben.
Seit einigen Jahren engagiert sich die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) im bundesweiten „Netzwerk Sinti Roma Kirchen“, einem Zusammenschluss aus kirchlichen und religiösen Gemeinschaften und bundesweiten und regionalen Strukturen von Sinti und Roma. Mit dem Zentralrat Deutscher Sinti und Roma hat die EKD eine enge Zusammenarbeit vereinbart; diese wurde im vergangenen Jahr anlässlich des 40. Jahrestags der Gründung des Zentralrates mit einer Erklärung und einem gemeinsamen Gottesdienst im Berliner Dom bekräftigt.
Darin heißt es: „Gemeinsam mit Angehörigen der Minderheit von Sinti und Roma wollen wir der Diskriminierung im Alltag von Kirche und Gesellschaft und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit insgesamt entgegenwirken. Dazu bedarf es der Auseinandersetzung mit der bis in die Gegenwart reichenden Schuldgeschichte der Kirchen und der unbedingten kritischen Überprüfung von theologischen und kirchlichen Denkmustern und Prägungen.“
Vor diesem Hintergrund hat die EKD jetzt ein Sonderstipendium ausgeschrieben, das der wissenschaftlichen Untersuchung der Geschichte von Antiziganismus und Protestantismus dienen soll. Das Projekt ist in der Kirchengeschichte angesiedelt und zielt auf die Beleuchtung bisher unterschätzter Aspekte kirchlicher und diakonischer Praxis, z. B. Seelsorge, Jugendhilfe, Gemeindealltag, aber auch Kollaborationen der Kirchen in der NS-Zeit, Umgang mit der Minderheit in der Nachkriegszeit sowohl in West- wie Ostdeutschland.
„Wir erhoffen uns von einer solchen Forschungsarbeit, die nur ein Anfang sein kann, dass wir uns unserer eigenen blinden Flecken in der Geschichte und Gegenwart unserer Kirchen bewusster werden. Read the rest of this entry »
November 28th, 2024 | Published in Geschichte & Gedenken, Jugend & Bildung, Veranstaltungen & Ausstellungen
Österreichs größte Lehrkräftefortbildung zur Holocaust Education behandelt den Genozid an den Roma und Sinti: Vermittlungsarbeit und Forschungsstand zur Verfolgungspolitik. In Kooperation mit dem Verein Roma-Service.
Wien (OTS) – Rund 500.000 europäische Roma, Romnja, Sinti und Sintizze wurden zwischen 1938 und 1945 Opfer einer rassistischen Verfolgungspolitik der Nationalsozialisten und ihrer Verbündeten. Roma und Sinti wurden diffamiert und ausgegrenzt, zur Arbeit auf Bauernhöfen, Baustellen und in der Industrie gezwungen, sie starben in Zwangsarbeits- und Konzentrationslagern und wurden in Vernichtungslagern getötet. Im Rahmen einer dreitägigen Fortbildung auf Einladung der Bildungsagentur OeAD befassten sich Lehrpersonen aus ganz Österreich mit der Geschichte und der schulischen Vermittlung des Genozids an Roma/Romnja und Sinti/Sintizze. Der OeAD setzt das Programm ERINNERN:AT im Auftrag des Bildungsministeriums um.
„Die Bildungsarbeit über den Genozid an den Roma und Sinti während der NS-Zeit ist ein wichtiger Teil der Vermittlung der österreichischen Geschichte. Mit dem OeAD-Programm ERINNERN:AT setzen wir einen wichtigen Schritt, um das Bewusstsein für die oft vergessenen Geschichten der einstigen Verfolgten zu schärfen und zugleich gegen aktuelle Diskriminierungen anzukämpfen. Es ist unsere gemeinsame Verantwortung, die Vergangenheit aufzuarbeiten und für eine gerechte Zukunft frei von Diskriminierung, Gewalt und Extremismus zu sorgen,“ so Martin Polaschek, Bundesminister für Bildung, Wissenschaft und Forschung.
„Über den Völkermord an den Roma und Sinti ist heute noch immer sehr wenig bekannt, zu selten wird dieser in Bildungskontexten thematisiert. Wir begegnen dieser Lücke im Bildungssystem und wollen ein Bewusstsein für die Geschichte des Genozids schaffen – dabei geht es auch darum, heutiger Diskriminierung von Roma und Sinti entgegenzutreten“, betont der Geschäftsführer von Österreichs Bildungsagentur OeAD, Jakob Calice.
November 18th, 2024 | Published in Geschichte & Gedenken, Radijo/TV Erba (Tschibtscha)
Radijo Erba & TV Erba
Tschibtscha | 18.11.2024 | 7:38 min
Gedenkveranstaltung für die Roma und Sinti in Lackenbach
Uso gondolipeskero than ande Lackenbach suboton le Romenge taj Sintijenge, save le nacijonalsocijalistendar murdarde ule gondolim ulo. Ando bersch 1938 dschivnahi ando Burgenland valami ofto eseri Roma, tschak poar schel Roma ada brigaschno keripe le nacijonalsocijalistendar prik dschivde. But lendar ando bersch 1938 sar agun phenahi ando „Zigeunerlager“ Lackenbach ledschim ule taj mujsinipeskeri buti iste kernahi. Odotar esertscha Roma ando mindenfelitike logertscha ledschim taj murdarde ule. Sajt o bersch deschuenja oftarvar desch taj schtar del le opferenge la flogoskera grupnatar jek.gondolipeskero than ando gav Lackenbach.
Bei dem Mahnmal in Lackenbach (Bezirk Oberpullendorf) ist am Samstag der von den Nationalsozialisten ermordeten Roma und Sinti gedacht worden. 1938 lebten im Burgenland rund 8.000 Roma, nur ein paar Hundert überlebten den Rassenwahn der Nationalsozialisten. Die meisten wurden ab 1938 in das sogenannte „Zigeunerlager“ in Lackenbach verschleppt und mussten Zwangsarbeit verrichten. Von dort aus wurden tausende Roma in verschiedene Konzentrationslager deportiert und ermordet. Seit 1984 gibt es für die Opfer der Volksgruppe ein Mahnmal im Ort.
(Beitrag: TV Erba)
November 15th, 2024 | Published in Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV
Eine Radioreihe von „Betrifft: Geschichte“ (Nov. 2024) mit den Historikern Gerhard Baumgartner und Herbert Brettl, Autoren des Buches „Einfach weg!“. Verschwundene Roma-Siedlungen im Burgenland (New Academic Press), Gestaltung: Rosemarie Burgstaller.
(1) Zwangsansiedlungen auf dem Gebiet des heutigen Burgenlands
(2) Zur Situation der Bevölkerungsgruppe der Roma in der Zwischenkriegszeit
(3) Verfolgung unter dem NS-Regime und die Rolle von Tobias Portschy
(4) Das Anhaltelager Lackenbach im Bezirk Oberpullendorf
(5) Der lange Weg zur Anerkennung
Oktober 24th, 2024 | Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte
Antiziganistische Schmierereien an der Gedenktafel Kruppstraße in Frankfurt a. M.
In der letzten Woche (Anm.: KW 41) wurde die Gedenktafel für die während des Nationalsozialismus internierten Sinti und Roma im Zwangslager Kruppstraße in Frankfurt antiziganistisch beschmiert. Diese Tat ist sowohl ein Angriff auf die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus als auch ein Angriff auf die grundlegenden Werte einer Demokratie, wie Gleichheit, Toleranz und Menschenwürde. Die Frankfurter Bürgermeisterin Dr. Nargess Eskandari-Grünberg bezieht Stellung: „Wir als Stadt verurteilen diese Verschandelung von diesem so wichtigen Ort und hoffen, dass die Verantwortlichen gefunden werden. Es ist auch ein Ort, an dem aufgrund starken bürgerschaftlichen Engagements eine Gedenktafel aufgestellt wurde — umso wichtiger ist die Aufarbeitung solcher Vorfälle.“
Die Gedenktafel an der U-Bahn-Station Kruppstraße wurde im Jahr 1994 auf Initiative des Hessischen Landesverbands Deutscher Sinti und Roma in der Kruppstraße angebracht. Sie soll die Öffentlichkeit an das nahe gelegene ehemalige Zwangslager und die vor Ort begangenen Verbrechen erinnern und mahnen.
Rinaldo Strauß, stellvertretender Geschäftsführer des Hessischen Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma, verurteilt die Tat: „Der Rechtsstaat muss dafür Sorge tragen, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Dies ist er den Opfern des Völkermordes schuldig. Meine Mutter war selbst im Lager in der Kruppstraße interniert und es schmerzt mich daher besonders, dass es noch immer Menschen gibt, die das Leid und den Schmerz der Opfer und deren Nachfahren rechtfertigen und verharmlosen.“
Diese Tat reiht sich ein in eine Serie von Beschädigungen und Beschmutzungen von Orten der Erinnerung mit antiziganistischem Motiv. Bereits im letzten Jahr wurde eine Skulptur aus Holz und Metall, die an das Zwangslager in der Kruppstraße erinnert, von Unbekannten umgeworfen. Erst vor zwei Wochen kam es auf dem Darmstädter Waldfriedhof zu Verwüstungen mehrerer Grabstellen von u. a. Gräbern Überlebender des Völkermords und deren Nachfahren (dROMa berichtete). Aber nicht nur in Hessen, sondern auch in anderen Bundesländern kommt es immer wieder zu Vorfällen dieser Art. So wurde im Mai in Flensburg ein Mahnmal demoliert, welches der Zwangsumsiedlung und Deportation der Flensburger Sinti und Roma während des Nationalsozialismus gedenkt (dROMa berichtete). Read the rest of this entry »
Oktober 21st, 2024 | Published in Geschichte & Gedenken, Interview, Radio, Podcast & TV, Veranstaltungen & Ausstellungen
Radio Stimme auf Orange 94.0
Sendung vom 16.2.2022 (CC BY-NC)
Am 8. November 2021 fand im Republikanischen Club in Wien eine Diskussion mit dem Titel „Ererbte Biografien im Land der Täter:innen. Eine Diskussion über die Realitäten der zweiten und dritten Generation nach der Shoah und dem Porajmos“ statt – Porajmos bezeichnet dabei die systematische Ermordung von Rom*nja und Sinti*zze durch die Nationalsozialist*innen. Bei der Veranstaltung diskutierten Anna Goldenberg, Samuel Mago und Peter Schwarz, moderiert von der Historikerin Sarah Knoll. Diese spannende Diskussion senden wir erneut in bearbeiteter Version. Die Teilnehmer*innen berichten aus ihren Familiengeschichten und bringen in ihrer Diskussion diverse Facetten des Themengebiets um das Erinnern und Gedenken zusammen. Erstausgestrahlt wurde die Aufzeichnung von Teilen der Diskussion von der VON UNTEN-Redaktion auf Radio Helsinki.
Oktober 8th, 2024 | Published in Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Zwischenfälle. Hörgeschichte auf Radio Z
→zur Sendung (25:22 min) [April 2024]
Die selbsternannte Rasseforscherin Eva Justin wurde für ihren Beitrag zum Völkermord an Roma und Sinti durch sogenannte Rassegutachten niemals verurteilt.
An 20.000 Angehörigen der Sinti und Roma wurden während des Nationalsozialismus auf verbrecherische Weise sogenannte Rasseuntersuchungen durchgeführt. Maßgeblich beteiligt waren zwei Personen: Robert Ritter, Psychiater und – in der Sprache der Rassisten – „Zigeunerforscher“. Und einen großen Teil dieser Untersuchungen übernahm die „Rasseforscherin“ Eva Justin. Sie trat unter anderem vehement für Zwangssterilisierungen ein. Diese Untersuchungen bildeten die Grundlage für Zwangsmaßnahmen gegen Roma und Sinti – bis hin zur Deportation in das sogenannte „Zigeunerlager” Auschwitz-Birkenau.
Für ihren Beitrag am Porajmos, dem Völkermord an Roma und Sinti, wurden Ritter und Justin niemals verurteilt. Nach dem Krieg wurden sie vom Stadtgesundheitsamt Frankfurt in leitender Funktion beschäftigt, Ritter sogar als Obermedizinalrat. Read the rest of this entry »
September 29th, 2024 | Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken
(Quelle)
September 28th, 2024 | Published in Geschichte & Gedenken, Politik, Veranstaltungen & Ausstellungen
Kundgebung am 28. Sept. 2024 um 18:00 Uhr, Potsdamer Platz in Berlin
Wir rufen Euch alle auf zum gemeinsamen Protest für den vollständigen Erhalt unseres Denkmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas!
Unser Denkmal ist durch den geplanten Bau einer S-Bahnlinie massiv bedroht. Dieses Denkmal hat für uns eine große Bedeutung: Es erinnert an den Völkermord an Roma und Sinti in ganz Europa. Für viele von uns Nachkommen der Verfolgten ist es ein Ort der Trauer um unsere Toten ohne Gräber. Es ist ein Ort der Anerkennung dieses Verbrechens und hat eine zentrale Funktion in der Erinnerungskultur, besonders angesichts des wieder erstarkenden Rassismus in Deutschland.
Dank des unermüdlichen Engagements unserer Selbstorganisationen und solidarischer Zivilgesellschaft wurde 2012 unser Denkmal endlich nach Jahrzehnten der Leugnung des Völkermords und Verweigerung des Gedenkens eingeweiht. Nun bedrohen massive Eingriffe die Integrität des Denkmals und damit die Erinnerung an den an Rom:nja und Sinti:zze begangenen Völkermord. Die Beeinträchtigung des Denkmals und der Umgang mit uns kommt einer Rücknahme der hart erkämpften politischen Anerkennung unseres Leids gleich!
Die politisch Verantwortlichen auf Berliner und Bundesebene müssen ihrer erinnerungspolitischen Zusage und Verpflichtung nachkommen. Es ist nicht hinnehmbar, dass nur zehn Jahre nach seiner Errichtung dieses lang erkämpfte Denkmal nun geschädigt werden soll. Wir fordern sie nachdrücklich auf, eine der bestehenden alternativen Trassenführungen zu wählen, um die Unversehrtheit des Mahnmals zu wahren. Read the rest of this entry »
September 22nd, 2024 | Published in Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV
Podcast Alle Zeit der Welt, 19.9.2024
Heute möchten wir auf die jüngste Folge des Geschichtspodcasts „Alle Zeit der Welt“ hinweisen – eine Folge, an deren Zustandekommen wir wohl nicht ganz unbeteiligt sind:
Seit Jahrhunderten sehen sich die Roma in Europa Diskriminierung, Unterdrückung und Leid ausgesetzt. Aber woher stammen Sinti und Roma? Heute richten wir unser Augenmerk auf Theorien über ihren Weg nach Europa und ein besonders düsteres Kapitel nach ihrer Ankunft: die Versklavung der Roma-Gemeinschaften in Teilen Osteuropas, eine Praxis, die bis weit ins 19. Jahrhundert hinein andauerte.
(Text und Sendung: Alle Zeit der Welt)
September 20th, 2024 | Published in Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV
Zwischenfälle. Hörgeschichte auf Radio Z
→zur Sendung (22:06 min) [2022]
Erst Jahrzehnte nach dem Völkermord an Sinti und Roma durch Nazideutschland erkämpften Aktivist*innen die offizielle Anerkennung der Verbrechen und Entschädigung für die Opfer. Diesem Kampf widmete die Heidelbergerin Ilona Lagrene (1950–2023) ihr Leben.
Bis in die 80er Jahre hinein wurden sie diskriminierend „Zigeuner“ genannt. Erst seit 1997 sind sie in Deutschland als nationale Minderheit unter der Bezeichnung Roma und Sinti anerkannt. Die Geschichte ihrer Diskriminierung ist 1000 Jahre alt. Der Antiziganismus folgte dem gleichen Muster und den gleichen Wellen wie der Antisemitismus. Wie die Juden wurden auch die Angehörigen der Sinti und Roma Opfer der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik. Eine der vielen verbrecherischen Kontinuitäten nach 1945 war: Die Verfolgten wurden nicht etwa entschädigt, sondern weiter kriminalisiert und benachteiligt. In den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts begann ein jahrzehntelanger Kampf um Anerkennung. Einer der wichtigen Aktivist*innen in diesem Kampf ist die Sintezza Ilona Lagrene.
September 8th, 2024 | Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Wissenschaft
Eberhard Stegerer: Die Kriminalpolizei im „Dritten Reich“: Dr. Bernhard Wehner – ein politisch unabhängiger Experte des Reichskriminalpolizeiamtes? Publikationen im Kontext der Nachkriegsnarrative und -kontinuitäten in der Kriminalpolizei der Bundesrepublik Deutschland, Cvillier Verlag: Göttingen 2023 (348 S.)
Die Verbrechensbekämpfung gehörte nicht zu den zentralen Politikfeldern des nationalsozialistischen Regimes, trotzdem zählte die Kriminalpolizei „zum Kern und Machtzentrum“ dieses völkischen Maßnahmenstaates. Die Kontrolle der Kriminalität und die Verfolgung von sogenannten ‚Berufsverbrechern‘ und sozialen Randgruppen waren wesentliche Elemente nationalsozialistischer Gesellschaftspolitik. Eine von Himmler 1937 zentralisierte, im Reichskriminalpolizeiamt (RKPA) verreichlichte und 1939 in das Reichssicherheitshauptamt (RSHA) integrierte Kriminalpolizei wurde ein wirkungsvolles Werkzeug des NS-Staates und vollzog Maßnahmen zur ,Vorbeugenden Verbrechensbekämpfung‘ zum Schutz der nationalsozialistischen ‚Volksgemeinschaft‘, vor allem auch zum Schutz ihrer vermeintlichen biologischen Substanz. In diesem Rahmen wurden sowohl im Deutschen Reich als auch in den von der Deutschen Wehrmacht okkupierten Gebieten rund 110.000 Menschen von der Kriminalpolizei als ‚Verbrecher‘ oder ‚Asoziale‘ in Konzentrationslager deportiert, wo mehrere Zehntausend den Tod fanden. Zudem verschleppte die Kriminalpolizei weit über 40.000 Sinti und Roma, die fast alle in der Folge umkamen. Die Deportationen wären ohne die Kriminalpolizei nicht möglich gewesen, sie wurde damit auch in den Einsatzgruppen der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) und des Sicherheitsdienstes (SD) zum Vollstrecker der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik. Read the rest of this entry »
August 31st, 2024 | Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Interview, Radio, Podcast & TV
Der Völkermord an den Sinti und Roma. Spuren der NS-Zeit
Planet Schule/SWR, 23.4.2024
Jedes Jahr, am 2. August gedenken Sinti und Roma in Auschwitz ihrer ermordeten Angehörigen. Der Film zeichnet die wichtigsten Stationen einiger Leidenswege nach, fünf Überlebende berichten über ihr Schicksal: Hildegard Franz, deren Mann und drei Kinder in Auschwitz ermordet wurden; Mano und Hugo Höllenreiner, die gerade mal zehn Jahre alt waren, als sie deportiert wurden und die in Auschwitz erfahren mussten, welche Folgen die Experimente des Lagerarztes Josef Mengele hatten; Lily van Angeren, die als Lagerschreiberin die Namen aller Toten registrieren musste. Und Josef „Muscha“ Müller, der in einer Pflegefamilie aufwuchs und nicht ahnte, dass seine leiblichen Eltern Sinti waren. Er hat überlebt, weil seine Pflegeeltern ihn monatelang in einer Gartenlaube versteckt hielten und so dem Zugriff der Behörden entzogen.
August 22nd, 2024 | Published in Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Wissenschaft
Bastian Fleermann: Ausgrenzung und Faszination. Sinti und Roma in Düsseldorf und im nördlichen Rheinland vom Spätmittelalter bis zum Ersten Weltkrieg, C. W. Leske Verlag: Düsseldorf 2024 (216 Seiten).
Faszination, Koexistenz und Ausgrenzung: Nicht immer, aber sehr oft trafen die Sinti und die Roma auf Argwohn und Verachtung. Erstmals spürt eine Überblicksstudie dieser Minderheit und dem Umgang mit ihr in einem umgrenzten Raum über mehrere Jahrhunderte hinweg nach – und kommt zu erstaunlichen Ergebnissen.
Schon in der Mitte des 15. Jahrhunderts gewährte ein Schutzbrief einer Roma-Gruppe in Düsseldorf und im Herzogtum Berg freies Geleit. Seit dieser Zeit lebten Roma, Sinti und andere Völker, von der Mehrheitsgesellschaft zunächst als »Czygeiner« bezeichnet, im nördlichen Rheinland. Die hier erstmals zusammengetragenen Quellen belegen neben Anfeindungen und Ausgrenzungen auch Phasen friedlicher Koexistenz und Zusammenarbeit. Sie zeichnen das Bild einer vielfältigen Minderheit, die sehr geschickte Überlebens- und Anpassungsstrategien entwickelte, um staatlicher Repression zu entgehen und sich in der Region zu behaupten. Und sie lassen eine Alltagsebene sichtbar werden, die nur scheinbar mit den parallel entstandenen populären »Zigeuner«-Bildern korrespondiert: Der Kitsch in der Kunst oder auf der Bühne, auf Fotopostkarten oder in Schauergeschichten hatte mit der Lebensrealität von Sinti oder Roma so gut wie nichts zu tun. Read the rest of this entry »
August 2nd, 2024 | Published in Geschichte & Gedenken, Politik
Die österreichische Bundesregierung erklärt den 2. August zum nationalen Gedenktag für die während des Nationalsozialismus ermordeten Roma und Sinti
In der Vergangenheit wurde den Roma unvorstellbare Brutalität und Grausamkeit angetan, insbesondere während des Holocausts. Um das Andenken an die Opfer zu bewahren führt die Bundesregierung daher einen nationalen Gedenktag für Roma und Romnja sowie Sinti und Sintizze ein. Dieser Schritt zeigt die Entschlossenheit, die Erinnerungsarbeit weiter voranzutreiben. Der 2. August wird durch den heutigen Ministerratsbeschluss auf Basis eines Entschließungsantrages des Nationalrates daher ein nationaler Gedenktag, der an die während des Nationalsozialismus ermordeten Roma und Sinti erinnert. Das Europäische Parlament hatte den 2. August bereits 2015 zum Europäischen Holocaust-Gedenktag für Roma und Sinti erklärt. Der 2. August ist von entscheidender Bedeutung, um an die Opfer zu erinnern und eine Mahnung an zukünftige Generationen zu senden.
„Die Republik Österreich übernimmt mit dem Beschluss der Bundesregierung, den 2. August zum nationalen Gedenktag für den Völkermord an den Roma und Sinti zu erklären, echte Verantwortung, dass das Leid, das Angehörigen dieser Volksgruppen angetan wurde, öffentlich und gemeinsam anerkannt wird. Von 11.000 in Österreich lebenden Roma und Sinti überlebte lediglich ein Drittel den Holocaust. [Anm. der Red.: diese Zahl ist völlig veraltet, tatsächlich überlebten den Genozid nur etwa 10%, nach anderen Angaben 15%.] Insgesamt hat der Nazi-Terror 500.000 Roma und Romnja ermordet. Auch nach der Befreiung vom Nazi-Regime wurde diese Opfergruppe nicht nur vergessen, sondern weiterhin ignoriert, diskriminiert und an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Damit muss Schluss sein. Mit dem heutigen Tag senden wir ein weiteres Signal: Leid kann nicht ungeschehen gemacht werden, aber wir wollen verhindern, dass dieses Leid vergessen wird“, so Vizekanzler Werner Kogler.
Juli 17th, 2024 | Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher
Kulturverein österreichischer Roma (Hg.): GLEICHE UNTER GLEICHEN. Der Weg der politischen und sozialen Anerkennung der österreichischen Roma als Volksgruppe 1993, Wien 2023, 208 Seiten (Deutsch/Englisch)
Am 16. Dezember 1993 wurden die Roma als sechste österreichische Volksgruppe vom Hauptausschuss des Nationalrates einstimmig anerkannt. 17 Jahre nach nach der Verlautbarung des österreichischen Volksgruppengesetzes von 1976 waren die österreichischen Roma nun endlich den anderen österreichischen Volksgruppen gleichgestellt. Ein historischer Tag für die Roma.
Im Dezember 2023 feierte die Volksgruppe daher 30 Jahre Volksgruppenanerkennung. Aus diesem Anlass wurde vom Kulturverein österreichischer Roma eine Publikation (Deutsch/Englisch) erstellt, die die Hintergründe sowie die einzelnen Stadien jenes Prozesses zeichnet, der 1993 schließlich zur Anerkennung der Roma als sechste österreichische Volksgruppe führte. Zur Anerkennung musste die Gruppe aber auch über ein gewisses Maß an Organisation verfügen, denn ohne Vertretungsorganisationen hatte die Bundesregierung keinen konkreten Ansprechpartner hinsichtlich der Angelegenheiten der Roma und Sinti. Mit der Gründung der Romavereine in Oberwart im Jahr 1989 und in Wien im Jahr 1991 wurde diese Hürde beseitigt.