Ö1: „Wir waren niemand mehr“

November 15th, 2024  |  Published in Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV

Zur Geschichte der Roma-Siedlungen im Burgenland


Eine Radioreihe von „Betrifft: Geschichte“ (Nov. 2024) mit den Historikern Gerhard Baumgartner und Herbert Brettl, Autoren des Buches „Ein­fach weg!“. Verschwundene Ro­ma-Siedlungen im Burgenland (New Academic Press), Ge­sta­ltung: Rose­marie Burg­staller.

(1) Zwangsansiedlungen auf dem Gebiet des heutigen Burgenlands

(2) Zur Situation der Bevölkerungsgruppe der Roma in der Zwischen­kriegs­zeit

(3) Verfolgung unter dem NS-Regime und die Rolle von Tobias Portschy

(4) Das Anhaltelager Lackenbach im Bezirk Oberpullendorf

(5) Der lange Weg zur Anerkennung

Ein Schutzbrief aus dem späten 17. Jahrhundert, ausgestellt von Christof Batthyány, stellt das früheste über­lieferte Doku­ment über die An­siedlung von Roma auf dem Gebiet des heu­tigen Österreich dar. Unter Regentin Maria Theresia und Joseph II. kam es zu Zwangs­an­sied­lun­gen von Roma- und Sinti­gruppen im Burgenland. Damals erhielten einige der so­ge­nannten „Zigeuner­familien“ einen Grund­besitz und wurden zum Teil in die burgen­ländi­schen Dörfer integriert. Große „Zigeuner­sied­lungen“ an den Dorf­rändern ent­standen erst nach weiteren um­fassenden Zwangs­an­sied­lungs­maß­nah­men in der Öster­rei­chisch-un­ga­ri­schen Monar­chie Ende des 19. und Anfang des 20. Jahr­hunderts.

In der Zwischenkriegszeit existierten rund 120 burgenländische Romasiedlungen vor­wie­gend in den Bezirken Oberwart und Güssing. Die größte Siedlung be­fand sich mit 318 Per­sonen im Jahr 1936 in Holzschlag, heute Ge­mein­de Unterkohlstätten. Die Bewoh­ner arbei­teten in den Sommer­monaten zumeist als Erntehelfer für die burgen­ländi­schen Adels- und Bauern­familien. Im Winter er­hielten sie Einkünfte mit Tätig­keiten als Korb­flechter, Besenbinder und Kesselflicker.

In den 1920er und 1930er Jahre stieg die rassistische Hetze massiv an, wie Gerhard Baum­gartner und Herbert Brettl berichten: „’Das Burgenland zigeu­ner­frei!’ wurde zu einer der wesent­lichen Pro­paganda­parolen der ille­galen NSDAP lange vor 1938.“ Unter dem NS-Regime wurden rund 90 Prozent der Burgen­land-Roma und -Romnija ermordet. Nur in wenigen Ort­schaften wurden ihre Häuser nicht ab­ge­tragen oder in Brand gesteckt. Erst nach 1995 erhielten Roma und Sinti für ihre zer­störten und enteigneten Besitz­tümer teil­weise eine versuchte Ent­schädigung durch die Republik Österreich.

(Text: Sendungsinfo Ö1)

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