Geschichte & Gedenken

Facts & Figures (314)

September 20th, 2020  |  Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken

Die erste archäo­lo­gi­sche Er­for­schung ei­ner Stät­te des NS-Ge­no­zids an den Ro­ma fand 2016/17 im ehe­ma­li­gen KZ Lety in Tsche­chi­en statt.

(Quelle)

Zentralrat für Umbenennung der Pacelliallee

September 18th, 2020  |  Published in Geschichte & Gedenken, Religion

Pius XIIPapst Pius XII. (Eugenio Pacelli) ver­sag­te an­ge­sichts der Shoah und des NS-Ge­no­zids an den Roma und Sinti. Der Zentral­rat Deut­scher Sinti und Roma un­ter­stützt die Ini­tia­ti­ve zur der Um­be­nen­nung der Pa­celli­allee in Berlin

Der Zentralrat unterstützt die Initiative der His­to­ri­ker Julien Reitzenstein und Ralf Balke, die Pa­celli­allee nach der frü­he­ren israeli­schen Mi­nis­ter­prä­si­den­tin Golda Meir zu be­nennen. Seine Unter­stützung drückt auch der Be­auf­tragte der Bundes­regie­rung, Dr. Felix Klein aus, der hervor­hob, dass Pius XII. zum Holo­caust und zum Mord an den Sinti und Roma schwieg. So­wohl Eugenio Pacelli, der spä­tere Papst Pius XII., als auch die katholi­sche Kirche in Deutschland ver­wei­ger­ten sich mit Pas­si­vität, eine hilf­reiche Stimme gegen dieses Mensch­heits­ver­brechen zu sein.

Der vergebliche Versuch eines Angehörigen der Minderheit bei Kardinal Faulhaber am 5. April 1943 in München vor­zu­spre­chen und seine darüber hinaus ge­rich­teten Schrei­ben an den Sprecher der deut­schen Bischofs­konferenz, den Breslauer Kardinal Adolf Bertram, und den Freiburger Erzbischof Conrad Gröber, zei­gen wie auch andere Quellen, dass hohe Mit­glie­der der katho­li­schen Kirche in Deutsch­land infor­miert waren über die sys­tematische Er­mor­dung tau­sender christ­licher Sinti und Roma im Ver­nichtungs­la­ger Auschwitz-Bir­kenau.

Für die systematische Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten auf­grund der Ab­stammung öffneten die Kirchen in Deutsch­land ihre bis ins 16. Jahr­hundert rei­chen­den Bücher, damit selbst „1/8 Zigeunern“ der Er­mor­dung preis­ge­ge­ben wer­den konn­ten. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (312)

September 11th, 2020  |  Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken

Die älteste Nen­nung von Ro­ma in der Wa­la­chei (1385) be­stä­tigt ei­ne frü­he­re Schen­kung von 40 Ro­ma-Un­ter­künf­ten an das Klos­ter Vo­diţa.

(Quelle/pdf)

Facts & Figures (309)

August 30th, 2020  |  Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken

Im Krim- und Russisch-Tür­ki­schen Krieg (1853–56 bzw. 1877/78) muss­ten vie­le Krim-Ro­ma emi­grie­ren. Ihre Nach­fah­ren le­ben heu­te v. a. in Bul­ga­ri­en.

(Quelle)

Facts & Figures (304)

August 6th, 2020  |  Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken

60 bis 70 % aller ab 1940 von den Fa­schis­ten in Italien in­ter­nier­ten Ro­ma und Sin­ti wa­ren min­der­jäh­rig.

(Quelle)

„Völkermord ins kollektive Bewusstsein bringen“

August 4th, 2020  |  Published in Geschichte & Gedenken

Therese Weinrich, geboren am 27. August 1939 in St. Pölten, ermordet am 8. Mai 1943 in Auschwitz (Foto: DokuZ Archiv)Israelitische Kultusgemeinde Wien: „Völ­ker­mord an Ro­ma und Sin­ti ins kol­lek­ti­ve Be­wusst­sein brin­gen. Nur so er­fül­len wir den Auf­trag, der sich aus der For­mel ‚Nie wie­der!‘ ab­lei­tet.“

„Mehr als 500.000 Sinti und Roma wurden wäh­rend der national­so­zia­lis­ti­schen Herr­schaft er­mor­det“, er­innert Oskar Deutsch, Prä­si­dent der Isra­eli­ti­schen Kul­tus­ge­mein­de Wien und der Israe­li­ti­schen Reli­gions­gesell­schaft in Österreich an­läss­lich des Gedenktags am 2. Au­gust. „Bis heu­te wird dieser Genozid nicht nur verharmlost, viel zu we­nig ist er im kol­lek­ti­ven Be­wusst­sein der euro­päi­schen Gesell­schaf­ten ver­ankert.“

Allein heute vor 76 Jahren, am 2. August 1944 wur­den 4.300 Roma und Sinti in den Gas­kammern in Auschwitz er­mor­det. „Sie wur­den von den National­sozialisten aus einem ein­zigen Grund ver­folgt und ermordet: Sie wa­ren eine Volks­gruppe, die als minder­wertig betrach­tet wurde. Die Lehre daraus ist klar: Nie wieder dür­fen wir zu­las­sen, dass sich Men­schen über an­dere stellen. Jedes mensch­liche Leben ist le­bens- und schützens­wert“, so Deutsch.

Der Genozid, „Porajmos“ auf Romani ge­nannt, der im Juli 1938 mit Ein­füh­rung der Zwangsarbeit für die da­mals rund 12.000 österrei­chi­schen Roma und Sinti be­gann, wurde erst viele Jahr­zehnte nach Ende der Shoah als solcher an­erkannt. Oskar Deutsch: „Es ist un­ser aller Pflicht, nicht nur im Namen der Sinti und Roma, son­dern im Namen von Demokra­tie, Rechts­staatlich­keit und der Menschenwürde, je­den Tag gegen Anti­ziganis­mus auf­zu­stehen. Read the rest of this entry »

Sobotka: Botschaft zur Erinnerung an den NS-Genozid

August 2nd, 2020  |  Published in Geschichte & Gedenken, Politik

Auschwitz II-Birkenau: Blick vom Wachturm zum südlichen Ende des „Zigeunerlagers“ (Foto: Piotr Daczyński - Daczor/Wikimedia, CC))Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka: Genozid an Roma und Sinti darf nicht in Ver­ges­sen­heit ge­ra­ten. Bot­schaft zur Er­in­ne­rung an na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Mas­sen­mord vor 76 Jahren

Der 2. August ist der Gedenktag, der an den „Porajmos“, den natio­nal­sozia­lis­ti­schen Massen­mord an den euro­päi­schen Roma und Sinti, erinnert. In der so­genann­ten „Zigeuner­nacht“ vom 2. auf den 3. Au­gust 1944 wur­den alle Häft­linge, die zu diesem Zeit­punkt noch in dem als „Zigeuner­ager“ bezeich­neten Lager­ab­schnitt des KZ Auschwitz am Leben wa­ren, in den Gaskammern er­mordet.

„Der Genozid an den europäischen Roma und Sinti darf nicht in Ver­ges­sen­heit ge­raten“, sagt Natio­nal­rats­prä­si­dent Wolfgang Sobotka in einer Bot­schaft zum heuti­gen Gedenktag. „Der An­fang war, dass der national­sozialis­ti­sche Verbrecher­staat Sinti und Roma als so­ge­nannte ‚Asoziale‘ und ‚Fremdrassige‘ aus­grenz­te. Am Ende fie­len eine halbe Million Sinti und Roma dem national­sozialis­ti­schen Rassen­wahn zum Opfer.“ „Heute ist die Kultur der Roma und Sinti ein in­tegraler Bestandteil der öster­reichi­schen Identität“, er­klärt National­rats­präsi­dent So­botka ab­schlie­ßend.

(Text: Pressedienst der Parlamentsdirektion)

Enzyklopädie dokumentiert Roma-Genozid

Juli 30th, 2020  |  Published in Geschichte & Gedenken, Wissenschaft

Die Forschungsleiterin Karola Fings 2019 in Bukarest (Foto. Romarchive)Deutschland: Enzyklopädie soll NS-Völ­ker­mord an den Sinti und Roma Euro­pas do­ku­men­tie­ren. Aus­wär­ti­ges Amt fördert groß­an­ge­leg­tes Pro­jekt an der For­schungs­stelle Antizi­ga­nis­mus mit rund 1,2 Mil­li­o­nen Euro

Das historische Wissen zum nationalsozialistischen Völkermord an den Sinti und Roma Euro­pas soll in einer groß­angeleg­ten En­zyk­lo­pädie zu­sam­men­geführt und für die Forschung sowie die breite Öffent­lich­keit bereit­gestellt wer­den. An­gesiedelt ist das inter­natio­nale Projekt an der For­schungs­stelle Anti­ziganis­mus der Universität Heidelberg. Die Er­geb­nisse werden zu­nächst online prä­sen­tiert. Darauf auf­bauend er­stellen die beteilig­ten Wissen­schaft­lerin­nen und Wissen­schaftler aus dem In- und Aus­land ein mehr­bändi­ges Handbuch in gedruck­ter Fassung. Erst­mals soll dabei die europäi­sche Dimension des Genozids in den Blick ge­nom­men werden. Die fünf­jähri­gen Forschungs­arbei­ten un­ter Leitung der Historikerin Dr. Karola Fings, die jetzt ge­star­tet wurden, werden vom Aus­wärtigen Amt mit rund 1,2 Millio­nen Euro gefördert.

„Als Forschungsgegenstand war der nationalsozialistische Völkermord an den Sinti und Roma lan­ge Zeit rand­ständig. Zwar sind in den ver­gan­genen zwan­zig Jahren wich­tige Spezial­studien erschie­nen, das Wissen zu diesem Thema ist aller­dings weiter­hin stark fragmentiert“, er­läu­tert Dr. Fings, aus­gewie­sene Expertin in diesem Forschungs­feld, die nach lang­jähriger stell­vert­re­ten­der Leitung des NS-Do­kumen­tations­zentrums der Stadt Köln an die Heidelberger For­schungs­stelle ge­wechselt ist. Ziel ist es, die bis­heri­gen Forschungs­ergebnis­se zu Ursachen, Struktu­ren und Verlauf zu­sam­men­zu­führen und zu vertiefen. „Wir wol­len dabei die Perspektive er­wei­tern und auch die europäi­schen Di­mensio­nen des Völker­mordes be­rücksich­tigen“, betont der wissen­schaft­li­che Geschäfts­führer der For­schungs­stelle, Dr. Frank Reuter.

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Facts & Figures (300)

Juli 19th, 2020  |  Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken

Am 19. Juli 1942 er­mor­de­ten slo­we­ni­sche Par­ti­sa­nen in Ka­ni­ža­ri­ca ca. 60 Ro­ma. Das Mas­sen­grab wur­de nie ge­fun­den.

(Quelle)

Romani Rose über das Berliner Denkmal

Juli 18th, 2020  |  Published in Geschichte & Gedenken, Interview, Radio, Podcast & TV

Sinti-und-Roma-Denkmal in Berlin (Foto: Marko Priske)Deutschland: Berliner S-Bahn-Bau­plä­ne ge­fähr­den Denk­mal für er­mor­det­e Sinti und Roma – Ra­dio Corax sprach da­rü­ber mit Ro­ma­ni Rose

Radio Corax (Halle), Sendung vom 13.7.2020
16:28 min, 16 MB, →Anhören (mp3)

Im Berliner Tiergarten befindet sich das Denk­mal für die im Natio­nal­sozialis­mus er­morde­ten Sinti und Roma Euro­pas. Bis zu 500.000 Men­schen wurden im Roma-Holo­caust der Natio­nal­sozialis­ten er­mor­det. Ihrer soll durch das Denkmal des israeli­schen Künst­lers Dani Karavan ge­dacht wer­den. Zu diesem ge­hört ein schwar­zes Dreieck in­mitten einer runden Wasser­fläche; auf die­sem schwarzen Dreieck sind Blumen zu se­hen. Zudem gibt es eine Video­instal­la­tion, die auch über den Massen­mord an Sinti und Roma infor­miert. Seit 2012 be­findet sich dieses Denkmal an zentra­ler Stelle – nach langen Aus­einander­set­zun­gen. Nun ist es wieder in sei­ner Existenz bedroht. Read the rest of this entry »

Burgenland: Rudolf Siderits ando vakeripe

Juli 15th, 2020  |  Published in Geschichte & Gedenken, Interview, Radijo/TV Erba (Tschibtscha)

Radijo ErbaRadijo Erba & TV Erba

Rudolf Siderits ando vakeripe le Emmerich Gärtner-Hor­vathiha
O Rudolf Siderits 1948 ande St. Michael ande Burgenland up­ro them alo. Pri isch­kola­keri cajt Schtegate ki­se­tintscha. An­de les­keri isch­kola­keri klas te Roma­ne tschave sina, save te paj­tasch­tscha lestar ule. Ando vake­ripe le Emme­rich Gärt­ner-Hor­vathi­ha phu­kal ov pedar kerip­tscha le Ro­mendar, saven­ca ov pe meg mindig igen sora­le donde be­scharel.

Rudolf Siderits im Gespräch mit Emme­rich Gärt­ner-Hor­vath
Herr Rudolf Siderits ist 1948 in St. Michael im Burgenland ge­bo­ren. Seine Schulzeit ver­brach­te er in Stegersbach. In sei­ner Schul­kasse wa­ren auch Roma-Kinder, un­ter denen er auch Freun­de hatte. Im Ge­spräch mit Emmerich Gärtner-Horvath er­zählt er über Ge­scheh­nisse mit Roma, die ihn jetzt noch im­mer sehr be­schäftigen.

„… und es mit meinem Körper schützen“

Juli 8th, 2020  |  Published in Geschichte & Gedenken, Kunst & Fotografie

Dani Karavan, 2014 (Foto: AtelierKaravan)Dani Karavan (89), Schöpfer des von einem Bau­vor­ha­ben der Deutschen Bahn be­droh­ten Denkmals für die im Natio­nal­sozia­lis­mus er­mor­de­ten Sinti und Ro­ma Eu­ro­pas in Berlin:

Das Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma Europas in seiner ge­samten Aus­deh­nung darf nicht an­getastet wer­den! Eine Straß­en­bahn­linie kann man ver­legen, aber kein Kunstwerk. Ins­be­son­dere im tat­säch­li­chen Kon­text ras­sis­ti­scher Ma­ni­fes­ta­tio­nen wäre jede Beschä­digung des Denkmals eine Ver­letzung der Sinti/Roma. Wenn je­mand es wagt, einen Teil des künst­le­ri­schen Ensembles des Denk­mals an­zu­rühren, werde ich per­sönlich kommen und es mit meinem Körper schüt­zen, den An­greifer ver­klagen und einen inter­natio­na­len Skandal aus­lösen. Read the rest of this entry »

„Unser Denkmal ist unantastbar!“

Juni 28th, 2020  |  Published in Geschichte & Gedenken

Sinti-und-Roma-Denkmal in Berlin (Foto: Marko Priske)Pressemitteilung des Aktions­bünd­nis­ses „Unser Denk­mal ist un­an­tast­bar!“, 26. Juni 2020:

Unser Denkmal darf nicht angefasst werden. Es ist das ein­zige, was wir ha­ben. Wer das Denk­mal an­fasst, tötet un­sere Men­schen ein zwei­tes Mal. Das ist eine gro­ße Schan­de, dass die Deutsche Bahn ver­ges­sen hat, dass die Reichs­bahn un­se­re Men­schen in die Gas­kam­mern ge­fahren hat. Eine gro­ße Schande wäre das, wenn un­ser Denk­mal an­ge­fasst wird.

Zilli Schmidt, geb. 1924, Überlebende des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau

Mit Bestürzung und Entsetzen haben wir erfah­ren, dass das natio­nale Denkmal für die im Natio­nal­sozialis­mus er­mor­deten Sinti und Roma Europas in Berlin durch den ge­plan­ten Bau der S21 massiv be­ein­träch­tigt und be­schädigt wer­den könnte. Für uns als Nach­fahren der Opfer des deutschen Völker­mordes an den Ange­hö­rigen unserer Minder­heiten ist dieses Denkmal ein un­ersetz­li­cher Ort, um den wir lan­ge kämpfen mussten.

Das Denkmal nahe dem Reichstagsgebäude ist ein sehr spätes Be­kennt­nis der Bun­des­republik Deutschland zur Ver­ant­wor­tung für den Massen­mord an bis zu 500.000 Sinti und Roma in Europa, ein Aus­druck der An­erkennung des zu­gefüg­ten Unrechts. Für die deutschen und für die euro­päi­schen Sinti und Roma ist dieser Ort der Trauer und des Gedenkens un­antast­bar, umso mehr, als unsere wäh­rend des Zweiten Welt­krieges von Deutschen und ihren Helfern ermor­deten Men­schen kein Grab haben: Frauen, Männer und Kinder wur­den, weil sie Sinti oder Roma waren, in Gruben er­schossen und ver­scharrt oder in den Gas­kammern erstickt und an­schlie­ßend in Krematorien ver­brannt. Ihre Asche wurde in der Um­ge­bung verstreut. Für viele deut­sche Sinti ist das Denkmal ein symboli­sches Grabmal: mulno – ein un­ver­letz­licher Ort, der dem An­denken und der Ehre unserer Toten ge­widmet ist.

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Facts & Figures (294)

Juni 27th, 2020  |  Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken

Am 1./2.10.1928 zog ein Lynch­mob zur Ro­­ma­­sied­­lung von Pobedim (Slo­wa­kei) und er­mor­de­te 6 Ro­ma. Kei­ner der Tä­ter muss­te mehr als 1,5 Jah­re Haft ab­sit­zen.

(Quelle)

Denkmal: Zentralrat widerspricht Bahn

Juni 15th, 2020  |  Published in Geschichte & Gedenken

Die Glasplatten des Roma-Holocaust-Denkmals in Berlin (Foto: Wikimedia)Zentralrat widerspricht der Deutschen Bahn: Ge­den­ken und Denk­mal für die er­mor­de­ten Sinti und Roma Euro­pas mas­siv be­ein­träch­tigt

„Das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermorde­ten Sinti und Roma Euro­pas wird durch den ge­plan­ten Bau der S21 massiv be­ein­trächtigt. Das Denk­mal be­steht nicht nur aus dem schwar­zen Becken, son­dern umfasst selbst­ver­ständ­lich das ge­sam­te von Dani Karavan gestal­tete Ensemble, die Glaswände mit der Chro­no­logie und dem Zitat von Bun­des­prä­si­dent Roman Herzog und Bun­des­kanz­ler Helmut Schmidt eben­so wie die in den Boden ein­ge­las­se­nen Stein­platten, die die Namen der Kon­zentra­tions- und Ver­nich­tungs­lager tra­gen. Die geplan­te Baustelle wird weit über die Hälfte des Ge­län­des um­fas­sen. Eine sol­che um­fas­sen­de Be­ein­trächti­gung des Ge­denkens ist für die Über­lebenden und ihre Familien, war und ist für den Zentral­rat un­vor­stell­bar“, so der Vor­sit­zende des Zentral­rates Deut­scher Sinti und Roma, Romani Rose. Rose wider­spricht damit deut­lich der Ein­schät­zung der Bahn, dass das Denkmal nicht an­getastet werde, wie der Be­voll­mäch­tigte der Bahn, Alexander Kaczmarek, er­klärte.

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Kundgebung: Schützt das Denkmal

Juni 13th, 2020  |  Published in Geschichte & Gedenken, Veranstaltungen & Ausstellungen

Sinti-und-Roma-Denkmal in Berlin (Foto: Marko Priske)Schützt das Denkmal für die er­mor­de­ten Sinti und Roma

Treffpunkt: Sa., den 13. Juni 2020 um 15 Uhr, Scheide­mann­straße vor dem Reichs­tags­ge­bäude
Schlusskundgebung
: Deutsche Bahn AG Konzern­zentra­le, Pots­da­mer Platz
Live-Stream zur Veranstaltung

Unser zentraler Gedenkort, Grabmal der Un­be­gra­be­nen – das Mahn­mal/Denk­mal für die ermor­deten Sinti und Sinteze und Roma und Romnja Europas im Zentrum Berlins ist be­droht. Bedroht aus­gerech­net von jenen, die beson­ders in Ver­ant­wor­tung für die jetzi­ge Gesell­schaft und zukünf­tige Genera­tio­nen handeln müss­ten: dem Deutschen Bundestag und der Deutschen Bahn! Nach de­ren ge­mein­sa­men Plänen soll unser Mahnmal für ein Bau­vorhaben – für eine S-Bahn – tem­po­rär ent­fernt oder teil­weise ge­sperrt werden. Die Deut­sche Bahn nennt die­ses Bauvorhaben „eines der wich­tigs­ten Zukunfts­pro­jekte“ für Berlin.[1]

Nach fast drei Dekaden Kampf der Bürger/innen­rechts­bewegung von Sinti und Sin­teze und Roma und Romnja und ihrer Ver­bünde­ten und nach mehr als zwei Jahr­zehn­ten Planung und Bau wurde 2012 das vom jüdi­schen Künstler Dani Karavan ent­worfe­ne Mahn­mal/Denk­mal der Sinti und Sinteze und Roma und Romnja in Berlin-Tiergarten ge­gen­über des Reichstags­ge­bäu­des ein­geweiht. Erst seit 2012 haben wir Sinti und Sinteze und Roma und Romnja einen Ort des Ge­denkens und der Erin­ne­rung an all jene, die nicht zurück­ge­kom­men sind, die den deut­schen Faschisten und ihren Ver­bündeten zum Opfer ge­fallen sind. Erst seit acht Jahren gibt es mit dem Mahn­mal/Denk­mal ein sicht­bares Ein­ge­ständ­nis von Schuld, Ver­antwor­tung und der Mahnung.

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Facts & Figures (291)

Juni 11th, 2020  |  Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken

Ab Febr. 1938 ver­brach­te das fa­schis­ti­sche Re­gi­me Ita­li­ens na­he­zu al­le Ro­ma aus Istrien in die Ver­ban­nung nach Sar­di­ni­en.

(Quelle)

Ein „Wald“ für die Gedenkstätte Lety

Juni 10th, 2020  |  Published in Geschichte & Gedenken

Schweinefarm auf dem KZ-Gelände von Lety (Foto: Romea.cz)Tschechien: Symbolischer Wald siegt im Wett­be­werb für Roma-Ge­denk­stätte in Lety

Der architektonische Wettbewerb für die Ge­denk­stätte an Stelle des ehe­ma­li­gen Roma-Kon­zentra­tions­lagers im süd­böhm­ischen Lety kennt sei­nen Sieger. Von 41 Entwürfen aus 12 Län­dern hat die Jury das ge­mein­same Kon­zept des Ateliers Terra Florida und des Ateliers Světlík aus­ge­wählt. Die Gedenkstätte soll nach ihrer Vor­stel­lung die Form eines sym­boli­schen Waldes tra­gen. Ver­tre­ter des Museums für Roma-Kultur ha­ben das Projekt am Diens­tag in Prag vor­gestellt. Die ge­plante Anlage soll 2023 er­öffnet wer­den.

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SS-Runen auf Trollmann-Gedenkstein

Mai 15th, 2020  |  Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, Sport

Der beschmierte "Stolperstein" für Rukeli Trollmann in Hamburg am 12.5.2020 (Foto: Zentralrat)Deutschland: Stolperstein von Johann „Rukeli“ Troll­mann mit SS-Ru­nen be­schmiert

Im Hamburger Schanzenviertel wurde am Dienstag, den 12. Mai, ein Stolperstein, der an die Ver­folgung und Ermor­dung des Sinto Jo­hann „Rukeli“ Troll­mann er­innert, von un­bekann­ten Tätern mit SS-Runen be­schmiert. An­wohner, die die Be­schädigung ent­deckten, ha­ben die NS-Symbole um­gehend ent­fernt und den Gedenkstein ge­reinigt. Der Landes­verein der Sinti in Hamburg e.V. er­stat­tet Anzeige bei der Ham­bur­ger Polizei.

Der Gedenkstein vor dem Flora-Theater erinnert an den be­rühm­ten Sinto-Boxer Johann „Rukeli“ Trollmann, der 1933 dort sei­nen letz­ten Sieg als Profi­boxer er­kämpfte. 1942 wur­de Trollmann in Hannover ver­haftet und ins Kon­zentra­tions­lager Neuengamme ver­schleppt. Nach­dem er von einem SS-Auf­seher als der Boxer Troll­mann er­kannt wor­den war, muss­te er abend­lich ge­gen Männer der SS kämpfen. Im Sommer 1944 wur­de Trollmann im Außenlager Wittenberge von einem Kapo er­schlagen.

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NS-Zeit: Wissenslücken bei Wiener Schülern

Mai 10th, 2020  |  Published in Geschichte & Gedenken, Jugend & Bildung, Wissenschaft

Schulexkursion nach Mauthausen (Foto: AHS Friesg., 2019)Wiener Studie zeigt: Schülerinnen und Schüler der 9. Schul­stu­fe ha­ben ek­la­tan­te Wis­sens­lü­cken zu NS-Zeit und Ho­lo­caust. Bil­dungs­mi­nis­te­ri­um stellt Ver­bes­serungen in Lehr­kräf­te­aus­bil­dung und -fort­bil­dung in Aus­sicht.

Eine repräsentative Befragung von Schülerinnen und Schülern, die das Zentrum für Politische Bildung im Auftrag der Arbeiterkammer an Wiener Schulen durchgeführt hat, förderte eklatante Wissenslücken zur Zeit der NS-Herrschaft zutage. Das berichtet das Magazin Profil, dem die noch nicht publizierten Studienergebnisse bereits im Detail vorliegen, in seiner aktuellen Ausgabe. Befragt wurden 1.185 Schülerinnen und Schülern der 9. Schulstufe an AHS, Berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) und Polytechnischen Schulen (PTS). 81 Prozent von ihnen konnten mit dem Begriff „Antisemitismus“ nichts anfangen, und nur ein Drittel weiß, wie die Nazi-Partei hieß (wobei auch das Parteikürzel NSDAP als korrekt gewertet wurde). Auch in Gymnasien lag der Anteil der richtigen Antworten hier nur bei 48 Prozent (BHS: 37 Prozent, an den BMS: 20 und an den PTS: 12 Prozent).

Noch größere Wissenslücken zeigten die Jugendlichen bezüglich des Novemberpogroms 1938. Profil schreibt: „Von den AHS-Schülern konnten laut Studie nur 20,3 Prozent eine ausreichende Definition des Pogroms anführen; in 33 Prozent der Fälle war die Definition unzureichend, knapp die Hälfte hatte gar keine Antwort parat. Read the rest of this entry »