Sachsen: 19 Verletzte nach Brandanschlag
Januar 10th, 2018 | Published in Rassismus & Menschenrechte | 2 Comments
In den späten Abendstunden des 29. Dezember wurde in Plauen (Sachsen) ein Brandanschlag auf ein Haus verübt, in dem vorwiegend Roma-Familien aus der Slowakei und Rumänien wohnen. Augenzeugen berichten von rassistischen Kommentaren und „Sieg-Heil“-Rufen von Anwohnern. Die Feuerwehr soll beim Einsatz attackiert worden sein.
Das Feuer, das im Keller gelegt wurde, zerstörte das fünfstöckige Wohnhaus, in dem sich 40 Personen aufhielten, so stark, dass es in der nächsten Zeit nicht bewohnbar ist. 19 Bewohner wurden bei dem Anschlag verletzt, darunter auch acht Kinder. Zwei Frauen (29 bzw. 39) und zwei Kinder (2 bzw. 8 Jahre) schwebten vorübergehend sogar in Lebensgefahr. Dies berichtet das Onlinemagazin Belltower.news. Trotz der Schwere des Vorfalls „wurde der Fall bisher nicht überregional beachtet“.
Der mutmaßliche Täter, ein 25-jähriger Deutscher, wurde kurz nach der Tat festgenommen. Laut Staatsanwaltschaft schweigt der Mann bisher zur Tat. Bis Oktober 2017 soll er selbst in dem Haus gewohnt haben, sei dann aber die Miete schuldig geblieben und schließlich ausgezogen. Noch unklar ist, ob daher ein Streit mit dem Vermieter hinter der Tat stehen könnte. „Gegen ihn wird wegen versuchten Mordes in mehreren Fällen, schwerer Brandstiftung und schwerer Körperverletzung ermittelt“, heißt es auf Belltower.news.
Die Bewohner sind momentan in Notunterkünften untergebracht. Sie „werden über Spenden, Kleiderkammern und die Plauener Tafel mit dem Nötigsten versorgt. Viele flohen barfuß und leicht bekleidet aus dem brennenden Haus. Für die größeren Familien wird nun dringend Wohnraum gesucht.“
Über die Szenen vor dem brennenden Gebäude schreibt Belltower.news:
Augenzeugen berichten von rassistischen Kommentaren und „Sieg Heil“-Rufen von Anwohner_innen. Außerdem sollen Feuerwehrleute beim Einsatz attackiert worden sein. (…) Alarmierend für die Situation im Stadtteil ist ein Bericht in der „Freien Presse“ über zwei 18 und 19 Jahre alte Schüler, die auf dem Rückweg vom Kino an dem brennenden Haus vorbeikamen und spontan Hilfe leisteten (…). Die Schüler berichten u.a., im zweiten Stock hätten Männer Kinder an den Handgelenken aus den Fenstern gehalten. Eines fing einer der Schüler auf. (…) Bei dem Versuch eines Mannes, ein zweites Kind an den Knöcheln zu fassen und herunterzuheben, habe es sich überschlagen. Ein drittes Kind habe ein halb verbranntes Gesicht gehabt, beschreibt der Schüler (…), der den kleinen Jungen bei den Rettungssanitätern ablieferte, die inzwischen vor Ort waren. Auch einem älteren Mann und seinem Hund halfen die Schüler auf die Straße.
Weiter berichten die Jugendlichen: Menschen auf der anderen Straßenseite hätten nicht nur tatenlos zugesehen, sondern gefragt, warum sie den Leuten helfen würden. Man solle sie doch verbrennen lassen. Ein Mann habe „Sieg Heil“ gerufen und sei dann in eins der Häuser, um hinter dem Fenster weiter zuzusehen. Anwohner haben laut einem BILD-Bericht sogar Feuerwehrleute angegriffen, die den Brand löschen und den Menschen helfen wollten. Die Staatsanwaltschaft bestätigt, dass gegen zwei Personen wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, Beleidigung und Körperverletzung ermittelt werde.
Das Haus und dessen Mieter sind bislang nie durch ungewöhnliche Konflikte im Viertel aufgefallen. Nach dem Angriff kam es allerdings offenbar zu Plünderungsversuchen durch Nachbarn:
Als wenige Tage nach der Tat die ehemals im Haus lebenden Familien versuchen, Unverbranntes aus ihren ehemaligen Wohnungen zu bergen, erwischen sie deutsche Nachbarn, die gerade versuchen, Fernseher und Bekleidung zu stehlen.
(dROMa)
Januar 14th, 2018 at 21:31 (#)
[...] RT @dROMaBlog Sachsen: 19 Verletzte (darunter 8 Kinder) nach #Brandanschlag auf 5-stöckiges Haus mit #Roma-Familien in #Plauen. Berichte über „Sieg Heil“-Rufe von Anrainern; Angriffe auf Feuerwehr. http://www.roma-service.at/dromablog/?p=43282 [...]
Februar 9th, 2018 at 16:05 (#)
[...] dem Brandanschlag auf ein Roma-Wohnhaus in Plauen (Sachsen) brannte nun auch das Ersatzquartier. Diesmal starben zwei Menschen. [...]