Spurensuche zur Verfolgungsgeschichte
Juli 19th, 2014 | Published in Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Wissenschaft
Spurensuche zur Verfolgungsgeschichte der Sinti und Roma in Duisburg. Eine Handreichung für die politische Bildung
Erarbeitet von Martin Dietzsch, Bente Giesselmann und Iris Tonks, herausgegeben vom Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS), 2014
Veröffentlicht als kostenlose Online-Publikation im Juni 2014 (90 S., PDF-Datei)
Vorwort:
„Das Vergangene ist nicht tot, es ist nicht einmal vergangen.“
Die Ereignisse, um die es hier geht, liegen viele Jahrzehnte zurück. Es gibt nur noch sehr wenige überlebende Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die aus eigenem Erleben darüber berichten könnten. Die Tatorte sind nach wie vor im Stadtbild vorhanden. Sie sind stumm, denn sie sprechen nicht für sich. Doch sie können wieder zum Sprechen gebracht werden. Erst seit wenigen Jahren dringt allmählich in das öffentliche Bewusstsein, dass das Schicksal der vom Naziregime verfolgten Sinti und Roma erforscht und gewürdigt werden muss. An den Sinti und Roma wurde ein systematischer, durch Rassenhass begründeter Völkermord verübt. Diese Tatsache wurde in der Nachkriegszeit jahrzehntelang verleugnet. Eine systematische wissenschaftliche Aufarbeitung der Geschichte hat erst nach der Jahrtausendwende begonnen. Die Erinnerungskultur im Bereich der politischen Bildung und der Gedenkstättenarbeit öffnete sich erst sehr verspätet auch den bisher „vergessenen“ Opfergruppen – das sind neben den Sinti und Roma beispielsweise die Behinderten und die psychisch Kranken, die Homosexuellen, die als „asozial“ Stigmatisierten, und die Angehörigen der Religionsgemeinschaft „Zeugen Jehovas“.
Diese Broschüre möchte einen kleinen Beitrag dazu leisten, und dazu anregen, in diese Richtung weiterzuarbeiten. Anhand des exemplarischen Beispiels der Stadt Duisburg möchten wir aufzeigen, welche Spuren des Völkermords auch heute noch auffindbar sind und Anregungen dazu geben, wie man das Geschehen im Rahmen der politischen Bildung mit Jugendlichen plastisch werden lassen kann. Zwar sind die Gegebenheiten und die Quellenlage in jeder Stadt verschieden. Doch wird man vieles aus dieser Broschüre auch auf andere Städte in NRW übertragen können und gegebenenfalls zur Grundlage eigener Recherchen machen können.
Unsere Broschüre beginnt mit einer Chronologie zur Verfolgung der Duisburger Sinti und Roma während der Nazi-Zeit und einer kurzen Überblicksdarstellung zur NS-Verfolgung. Die nächsten Kapitel erläutern, was man unter Antiziganismus versteht und welche weiteren Begriffe in diesem Zusammenhang eine Rolle spielen. Im Kapitel Spurensuche in Duisburg zeigen wir auf, welche Spuren der Verfolgung der Duisburger Sinti und Roma wieder sichtbar gemacht werden können und wie man sie findet und wir geben Anregungen zur Weiterarbeit. Beispiele für Ideen für den Unterricht finden sich im nächsten Artikel. Abgerundet wird unsere Broschüre schließlich durch eine kurze Bibliografie mit Büchern und Online-Quellen.
Die vollständige Online-Broschüre können Sie hier als PDF-Datei herunterladen (90 Seiten Umfang, ca. 14 MB)
Zusätzlich stellt DISS zwei Texte mit Bezug auf Duisburg als PDF-Dateien wieder zur Verfügung, die leider vergriffen sind:
- Das Kapitel Lagerplatz Koloniestraße: „Alles totenstill und leer!” Von Manfred Tietz und Michael Zimmermann aus dem leider schon lange nicht mehr lieferbaren Band Tatort Duisburg 1933-1945 (Band 2). Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus, hrsg. von Rudolf Tappe und Manfred Tietz für die Geschichtskommission der VVN, Bund der Antifaschisten /Kreis Duisburg-Essen Klartext Verlag, Essen 1993. Wir bedanken uns sehr herzlich beim Klartext-Verlag für die Erlaubnis und bei Manfred Tietz und der VVN-BdA Duisburg für die Zustimmung und Unterstützung.
- Außerdem präsentiert das DISS einen Text, der das Schicksal der Duisburgerin Christine Lehmann schildert. Er stammt aus dem Buch: Romani Rose (Hg.), Der nationalsozialistische Völkermord an den Sinti und Roma, Heidelberg: Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma 1995. Wir bedanken uns herzlich beim Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma für die Genehmigung.