Ungarn: Stadt dreht Roma das Wasser ab
August 8th, 2013 | Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte
Trotz großer Hitze hat die Verwaltung von Ózd (Nordungarn) einer Roma-Siedlung das Wasser abgestellt. Angeblicher Grund: zu hohe Kosten durch Wasserverschwendung. Dabei soll die Gemeinde von der Schweizer Regierung rund 5 Millionen Euro erhalten haben, um die auf Wasser aus öffentlichen Brunnen angewiesene Siedlung mit Zugang zu Trinkwasser auszustatten. Opposition und Menschenrechtsgruppen sind empört. Zeit.de schreibt in einem Artikel vom 5.8.2013:
In der Roma-Siedlung haben die Bewohner kein fließendes Wasser in den Wohnräumen. Sie versorgen sich deshalb an den Hydranten und Brunnen auf der Straße. Dort gab es auf Anordnung der Stadt an diesem Wochenende meist gar kein Wasser, teils nur in sehr dünnem Strahl. (…) Das Wasser abzudrehen, sei nicht nur unmenschlich, sondern auch rechtswidrig und gefährlich für die Gesundheit im ganzen Ort, sagte ein Vertreter des linksliberalen Oppositionsbündnisses Együtt-PM (…). Együtt-PM verwies auch darauf, dass Ózd von der Schweizer Regierung 1,5 Milliarden Forint (ca. 5 Mio. Euro) geschenkt bekommen habe, um die Wasserversorgung im Roma-Viertel auszubauen.
In Ungarn werden heute Donnerstag mehr als 40 Grad im Schatten erwartet. Nach einer Intervention des Innenministers sollen die Roma nun wieder Wasser bekommen. Aufgrund eines Schreibens der Regierung hat die Gemeinde gestern angekündigt, die Wasserzufuhr bis zum Abend wieder zu gestatten. Der Bürgermeister Pal Fürjes erklärte, ein Großteil der Hydranten würde wieder geöffnet werden. Innenminister Sandor Pinter hatte in seinem Schreiben dazu aufgefordert, die Fidesz-geführte Gemeinde möge ihren Beschluss der Sperre der Wasserzufuhr im Hinblick auf die Hitzewelle suspendieren. Damit reagierte der Minister auf Kritik der Opposition und von Menschenrechtsgruppen. Die NZZ schreibt:
Ob die Öffnung der Hydranten endgültig ist oder nur vorübergehend während der Hitzewelle, war zunächst unklar. Pinter hatte dem Rathauschef geschrieben, er möge den Beschluss zur Schliessung der Wasserzufuhr «in Anbetracht der Durchschnittstemperatur suspendieren». In der betroffenen bitterarmen Roma-Siedlung haben die Menschen kein fliessendes Wasser in ihren Wohnungen; sie versorgen sich deshalb ausschliesslich an öffentlichen Brunnen.
(dROMa-Red.)