Druckfrisch (2): Roma in Graphic Novels
August 27th, 2025 | Published in Literatur & Bücher, dROMa (Magazin)
Aktuelle Bücher über Roma-Bilder in den Medien
Was die Mehrheitsgesellschaft über Roma zu wissen glaubt, basiert nur selten auf eigenen Kontakterfahrungen, sondern ist in der Regel vermittelt – vermeintliches Wissen aus den Medien, voller negativer Bilder, die als Wahrheiten ausgegeben werden. Die in TV und Comics kolportierten Roma-Darstellungen behandeln nun zwei Publikationen aus Deutschland.
Teil 2: Roma in Graphic Novels
Marina Ortrud M. Hertrampf / Kirsten von Hagen (Hg.): Selbst- und Fremdbilder von Roma in Comic und Graphic Novel. Vom Holocaust bis zur Gegenwart (= Ästhetik(en) der Roma – Selbst- und Fremdrepräsentationen, Bd. 3), AVM.edition: München 2020, 277 Seiten.
Für die Darstellung von Roma in Comics hat sich die Forschung bislang kaum interessiert. Eine der ganz wenigen größeren Publikationen ist ein Sammelband, erschienen in der Roma-Reihe der „AVM.edition“ in München.
Wie alle Medien sind auch Comics seit jeher durchzogen von „Heterostereotypen“, also verzerrten Fremdinszenierungen von Roma, allerdings mit der Besonderheit, dass es sich hier größtenteils um positiv besetzte Klischees handelt. Roma treten in mehrheitsgesellschaftlichen Comics vorwiegend als anmutige Tänzerinnen, sinnliche Musiker oder unwiderstehliche Verführer auf, selbst Gauner erscheinen meist in einem wohlwollenden Licht.
Eine neue Perspektive, die solche Zuschreibungen hinterfragt, begann sich erst ab den 1990er Jahren abzuzeichnen. Seither treten vor allem in Frankreich, später auch in Ungarn oder Tschechien dokumentarische Geschichts- und Reportage-Comics hervor, die die althergebrachten Klischees über Bord kippen. Sie wenden sich stattdessen den realen Lebensumständen von Roma zu und greifen dabei häufig zu dokufiktionalen Formen. Auch viele Selbstdarstellungen von Roma bedienen sich dieser Strategie, wobei einige wichtige Werke (etwa Sofia Taikons mehrfach übersetzte Lebensgeschichte „Sofia Z-4515“) in Kooperation mit etablierten Koautoren entstanden.
In zehn Beiträgen beleuchtet der Sammelband unterschiedliche Genres und Sprachräume. Einige Schlüsselwerke der Roma-Comics thematisieren das kollektive Trauma des NS-Völkermords. Read the rest of this entry »