Druckfrisch (1): Tatort und Talkshows
August 11th, 2025 | Published in Film & Theater, Literatur & Bücher, Medien & Presse, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft, dROMa (Magazin)
Aktuelle Bücher über Roma-Bilder in den Medien
Was die Mehrheitsgesellschaft über Roma zu wissen glaubt, basiert nur selten auf eigenen Kontakterfahrungen, sondern ist in der Regel vermittelt – vermeintliches Wissen aus den Medien, voller negativer Bilder, die als Wahrheiten ausgegeben werden. Die in TV und Comics kolportierten Roma-Darstellungen behandeln nun zwei Publikationen aus Deutschland.
Teil 1: Tatort und Talkshows
Katharina Peters: Das deutsche Fernsehen und der Fall ,Rassismus‘. Mediale Inszenierungen von Sinti und Roma im Tatort und in politischen Talkshows (= Edition DISS, Bd. 46), Unrast Verlag: Münster 2021, 164 Seiten.
Wie diese medialen Inszenierungen von Roma in populären Formaten des deutschen Fernsehens funktionieren, untersucht ein schmaler Band der „Edition DISS“. Katharina Peters knüpft sich darin diverse Polit-Talkshows und acht „Tatort“-Folgen vor: von „Armer Nanosh“ (1989) und „Kleine Diebe“ (2000) über den Wien-Krimi „Die schlafende Schöne“ (2005), „Brandmal“ (2008) „Mein Revier“ (2012) und „Angezählt“ (2013) bis zu „Mia san jetz da, woʼs weh tut“ (2016) und „Klingelingeling“ (2016).
Und sie gelangt zum immer gleichen Fazit: Die vorwiegend stereotype Inszenierung transportiert rassistisch aufgeladene Bilder, die einen Gegensatz von „Eigenem“ und „Fremdem“ etablieren. Dagegen bleiben auch die wenigen vorsichtigen Versuche, innerhalb der Krimierzählung auch Rassismus zu thematisieren, letzten Endes machtlos.
Fiktionale und nicht-fiktionale Formate, „Tatort“ und Talkshows, spielen einander wechselseitig in die Hände, um ihre Roma-Bilder zu konstruieren. „Die fiktional produzierten Ressentiments [werden] im realen politischen Diskurs aufgegriffen und vice versa.“ (S. 12) Mit Bezug auf reale Ereignisse und tagespolitische Debatten skizziert Peters, wie sich so auch der Fokus der Roma-Darstellungen verschiebt: Read the rest of this entry »