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Mirga-Tas in Bregenz: „Tełe Ćerhenia Jekh Jag“

Juni 6th, 2025  |  Published in Kunst & Fotografie, Veranstaltungen & Ausstellungen

Małgorzata Mirga-Tas, Tełe Ćerhenia Jekh Jag, Detailansicht 1. Obergeschoss Kunsthaus Bregenz, 2025: ""Kana werdan jawela kierdo andro drom (When the wagon is ready to go), 2025 Foto: Markus Tretter © Małgorzata Mirga-Tas, Kunsthaus Bregenz, Courtesy of the artist, Foksal Gallery Foundation, Warschau, Frith Street Gallery, London, Karma International, ZürichAusstellung im Kunsthaus Bregenz
Zu sehen bis 28.9.2025
Eröffnung: Freitag, 6. Juni, 19 Uhr

Małgorzata Mirga-Tas’ Kunst widmet sich den Lebens­welten der Rom*nja, in detail­reichen, realis­tischen Dar­stellun­gen porträ­tiert sie all­tägliche Szenen — das Rauchen einer Zigarette, das Spielen von Karten oder das Auf­hängen von Wäsche. Im Kunst­haus Bregenz zeigt sie zudem Plastiken, die eigens für diese Räume ge­schaffen wurden. Sie greifen mythische Erzählun­gen auf und sind zu­gleich Sinn­bilder der gegen­wär­tigen Conditio humana.

Internationale Bekanntheit erlangte Mirga-Tas 2022 auf der Biennale in Venedig, wo sie den Polnischen Pavillon mit groß­flächigen Textil­arbeiten aus­kleidete. Drei Bild­register zitieren Monats­dar­stellungen, die von einem berühm­ten Fresko­zyklus der italieni­schen Renaissance inspiriert sind: dem Kalender im Palazzo Schifa­noia in Ferrara. Die Tierkreis­zeichen in der Mitte des Werks werden von fast lebens­großen Porträts flankiert. Der obere, farben­prächtige Fries berichtet von der Geschichte der Rom*nja und ihrem Auszug nach Europa. Es ist eine Erzählung über Migration und noma­disches Leben, die in der Dar­stellung histori­scher Kleidung, der Tiere und weit­läufigen Landschaften lebendig wird. Das untere Register zeigt Alltags­szenen der Gegen­wart — Gemein­schaft, Weiblich­keit, Freund­schaft und Familie.

Indem die Rom*nja-Gemeinschaft ihre eigenen Erzählungen zurück­erobert, bricht sie mit den von Teilen der Gesell­schaft auf sie proji­zierten jahr­hunderte­alten Fremd­bildern. Die Technik der Stoff­collage knüpft an die Rom*nja-Hand­werks­kunst an. Doch Mirga-Tas’ textile Kunst ist weit mehr als eine Hommage an traditio­nelle Frauen­arbeit. Sie erhebt das Nähen in den Rang einer politi­schen Praxis. In einem Bild findet sich ein Selbst­porträt, das sie im Freien gemein­sam mit anderen Frauen beim Nähen zeigt. Diese Frauen­figuren sind nicht passive Ak­teur*in­nen, sondern Prota­go­nist*in­nen ihres eigenen Lebens. Arbeit erscheint in ihrer Kunst nicht als Last, sondern als Quelle von Identität und Gemein­schaft. Read the rest of this entry »