„Ausblenden des Leids“: Kritik an Gedenkrede
Mai 6th, 2025 | Published in Geschichte & Gedenken, Politik
Offener Brief: Romani Rose kritisiert Auslassung der Sinti und Roma in Gedenkrede
Zentralrat deutscher Sinti und Roma: In einem offenen Brief an Bundeskanzler Olaf Scholz hat Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats, seine tiefe Empörung darüber zum Ausvdruck gebracht, dass in der Gedenkansprache zum 80. Jahrestag der Befreiung des Konvzentrationslagers Neuengamme (mehr hier) zwar der sechs Millionen jüdischen Opfer der Shoah gedacht wurde, die 500.000 ermordeten Sinti und Roma jedoch unerwähnt blieben. Der Brief im Wortlaut:
Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Scholz,
ich möchte Ihnen meine Empörung und Fassungslosigkeit zum Ausdruck bringen, dass Sie, Herr Bundeskanzler, zum 80. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Neuengamme in Ihrer Ansprache zu Recht an die „sechs Millionen Frauen, Männer und Kinder jüdischen Glaubens“ erinnerten und gedachten, „die der Shoah zum Opfer fielen“, das Leid und die Ermordung der 500.000 Sinti und Roma, die im NS-besetzten Europa ermordet wurden, aber ignorierten. Es gibt in Deutschland keine Familie unserer Minderheit, die nicht von diesem schrecklichen Verbrechen betroffen war. Orte wie Auschwitz, Majdanek, Treblinka, Bergen-Belsen oder Neuengamme sind für unsere Minderheit zu den größten Friedhöfen geworden. Bundeskanzler Helmut Schmidt hat 1982 dieses Verbrechen an unserer Minderheit völkerrechtlich anerkannt.
Ich schäme mich vor den Nachkommen der Opfer des Holocausts unserer Minderheit und den wenigen Überlebenden, dass ich es trotz einer fast fünfzigjährigen politischen Arbeit in diesem Land nicht erreicht habe, dass auch dieser Völkermord an unserer Minderheit zum Bestandteil des nationalen Erinnerns und des Gedenkens wurde.