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Rezension: Stein ohne Namen

September 6th, 2021  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, dROMa (Magazin)

How I Became a Partisan: Die slowakische Regisseurin Vera Lacková auf Spurensuche im Wald, wo die Familie ihrers Urgroßvaters von deutschen Soldaten ermordet wurde (Foto: Media Voice)  Vera Lackovás Spurensuche „Wie ich Partisanin wurde“


In ihrem Langfilmdebüt wendet sich die slo­wa­ki­sche Rom­ni Vera Lacková einem blin­den Fleck im na­tio­na­len Ge­schichts­bild zu: dem Wi­der­stand der Ro­ma im Zwei­ten Welt­krieg.

Ende August 1944 erhoben sich slowa­kische Par­ti­sanen gegen die NS-Be­satzer und das faschis­tische Mario­net­ten­re­gime. Der Slowa­ki­sche National­aufstand wurde später zum Gründungs­mythos der Nach­kriegs­gesell­schaft – den Anteil, den auch Roma dabei spiel­ten, hat man jedoch über Jahr­zehnte tot­ge­schwie­gen: Für Widerstands­helden aus der Min­der­­heit war im nationa­len Geschichts­bild kein Platz. Kollekti­ves Erinnern bedeu­tet schließ­lich immer auch selekti­ves Ver­gessen. Denn immer gibt es auch Ver­schwie­gene, deren An­denken so lange aus der Öffent­lich­keit gedrängt wird, bis die letzte Erinnerung an sie nur noch hinter ver­schlos­senen Türen, in der Trauer ihrer Familien, wei­ter­lebt.

Urgroßvater
Mit diesen historischen Blindstellen will sich die slowakische Filmemacherin Vera Lacková nicht ab­finden und versucht, die Ge­schichte der Roma-Par­ti­sanen, wie sie es for­muliert: „zurück in die Gesell­schaft“ zu holen. In ihrem Doku­mentar­­film „Wie ich Partisanin wurde“ (→Trailer) erzählt sie in erster Linie vom Schicksal ihres eige­nen Urgroß­vaters, Ján Lacko, der sich 1944 als Rom dem bewaff­neten Aufstand an­schloss und seine gesam­te Familie bei einer Vergeltungs­aktion der deutschen Besatzer verlor. Read the rest of this entry »