„Die Pandemie ist ein Brandbeschleuniger“
August 30th, 2021 | Published in Dokumente & Berichte, Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte
Berlin: Amaro Foro veröffentlicht die Dokumentation antiziganistischer Vorfälle 2019 und 2020
2019 machte ein antiziganistischer Vorfall in Hameln bundesweit Schlagzeilen: Eine Frau, die sich bei einem Wohnungsunternehmen mehrmals um eine Wohnung beworben hatte, bekam ein Schreiben zugeschickt, in dem stand: »Leichter Zigeuner-Einschlag. Besser nichts anbieten.« Das Schreiben war offenbar für den internen Gebrauch bestimmt und nur versehentlich verschickt worden. Damit war der Betroffenen auch klar, warum ihre Bewerbungen seit Jahren erfolglos waren – eine eindeutige antiziganistische Diskriminierung. Nach den Erkenntnissen der Dokumentationsstelle Antiziganismus (DOSTA) ist dieser Vorfall durchaus repräsentativ für die Erfahrungen, die Menschen mit tatsächlichem oder zugeschriebenem Roma-Hintergrund auch heute noch in Deutschland machen. DOSTA erfasst seit 2014 systematisch antiziganistische und diskriminierende Vorfälle, die sich in Berlin ereignen. Über die Jahre wurden Hunderte Vorfälle dokumentiert, es ist aber von einer deutlich höheren Dunkelziffer auszugehen.
„Menschen mit selbst- oder fremdzugeschriebenem Roma-Hintergrund sind in Deutschland von vielfältigen Ausschlüssen und Stigmatisierungen betroffen, auf struktureller und individueller Ebene. Auf diese ohnehin äußerst prekäre Situation hat die Corona-Pandemie wie ein Brandbeschleuniger gewirkt und zu öffentlichen Diffamierungen ebenso wie existenzbedrohlichen Lebenslagen geführt“, erklärt Georgi Ivanov, Vorstandsmitglied von Amaro Foro.
In den Jahren 2019 und 2020 waren einige Themen besonders dominant: In deutschen Behörden, besonders in Jobcentern, sind Menschen mit selbst- oder fremdzugeschriebenem Roma-Hintergrund einer systematischen und strukturellen Kriminalisierung ausgesetzt, die häufig zur rechtswidrigen Verweigerung von Leistungen führt. Read the rest of this entry »