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Gibt es die „organisierten Bettelbanden“?

Juni 28th, 2016  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

"Armut bekämpfen, nicht Arme!" (Foto: BettelLobbyWien)„Konnten kriminelle Strukturen in Österreich nach­ge­wie­sen wer­den? Sind ei­gent­lich alle Bett­ler Roma?“ Das sind häu­fig ge­stell­te Fra­gen an die Bet­tel­Lobby­Wien. Hier ihre Ant­worten:

Der Begriff „organisierte Bande“ dient in erster Linie der Diffamie­rung von bet­teln­den Men­schen, die in Grup­pen oder in Fa­milien unter­wegs sind. „Orga­ni­siert“ sind sie so, wie andere Men­schen auch „orga­ni­siert“ sind: Sie ken­nen sich, kom­mu­ni­zie­ren mit­einan­der, bilden Fahr- und Wohn­gemein­schaf­ten etc. Diese nor­ma­len sozia­len Inter­aktio­nen sind in Öster­reich je­doch bereits strafbar, weil die Regelun­gen zum „Betteln als Teil einer or­ga­ni­sier­ten Gruppe“ oder zum „Orga­ni­sie­ren von Bettelei“ so weit aus­ge­legt wer­den kön­nen, dass jede soziale Inter­aktion (auch ein Sicht­kontakt) aus­reicht, um den Tat­be­stand zu er­fül­len. Es kommt da­durch zu einer großen Anzahl an Strafen auf­grund „or­ga­ni­sier­ter Bet­te­lei“, die dann wie­der als großes Problem dar­ge­stellt wer­den.

Tatsächlich kriminelle Strukturen konnten in Öster­reich bisher trotz mas­si­ven Be­mü­hun­gen der Polizei nicht nach­gewiesen wer­den. Es wur­den ver­ein­zelt Fälle von Aus­beu­tung oder Nötigung un­ter Armuts­betrof­fe­nen be­kannt, die TäterIn­nen wa­ren je­doch selbst bettel­arm. Diese wur­den zurecht verurteilt. Die reichen Bosse oder die „Mafia“, von der in diesem Zu­sam­men­hang immer die Rede ist, wa­ren sie aber auch nicht. Sämt­li­che Studien und die Er­fah­rung aus der Sozial­arbeit zeigen, dass es sich bei Bett­lerIn­nen um Men­schen han­delt, die sich für das Betteln ent­schei­den, weil ihnen momen­tan keine an­de­ren Mög­lich­kei­ten offen ste­hen. Viele sind auf der Suche nach Arbeit. Das Betteln sehen sie als Mög­lich­keit, legal zu Geld zu kom­men, in Ab­gren­zung zu tat­säch­lich il­le­ga­len Tätig­kei­ten oder der Sex­arbeit. Read the rest of this entry »