Dezember 18th, 2014 |
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Politik, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Radio-Feature des DLF von Ruth Jung
(Erstausstrahlung: 19.11.2013)
>>Beitrag anhören (mp3)
Es waren schockierende Bilder. Gewaltsam räumten Polizisten im Sommer 2010 die Unterkünfte von Roma-Familien in Frankreich. „Ein Vorgehen wie zur Zeit des Vichy-Regimes“, empörte sich damals EU-Kommissarin Viviane Reding. Die angekündigten Sanktionen indessen blieben aus.
Seither hat sich an der Lage der Roma wenig geändert. Und noch immer zählen sie zu den Vergessenen der Geschichte. Dass es noch bis 1946 Konzentrationslager eigens für „Tsiganes“ gab, erwähnt kein Geschichtsbuch. In Montreuil-Bellay, wo das größte Lager war, erstritten Überlebende und ein couragierter Lokalhistoriker die Anerkennung als Gedenkstätte – eingeweiht im August 2010. Denn mittlerweile lässt sich ein Aufbruch ausmachen: Zunehmend selbstbewusster werden französische Roma, sie wollen Diskriminierung und Misere nicht länger hinnehmen.
Dieses Feature war nominiert für den Deutsch-Französischen Journalistenpreis.
Das umfangreiche Manuskript der Sendung finden Sie auf deutschlandfunk.de (unten).
(Text: DLF)
Dezember 18th, 2014 |
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Geschichte & Gedenken, Interview, Literatur & Bücher, Sport
taz.de: Er war Sinto, Profiboxer, Frauenschwarm und NS-Opfer. Stephanie Bart hat einen Roman über Johann „Rukelie“ Trollmann geschrieben – und zeigt, wie er populär werden konnte.
taz: Frau Bart, Ihr Roman handelt von Johann „Rukelie“ Trollmann, einem Profiboxer, der sehr populär war, der 1933 Deutscher Meister wurde und den die Nazis im KZ ermordeten. Wie wurde ein Sinto-Boxer zum Star?
Stephanie Bart: Seine besondere Qualität war, dass er ein charismatischer Mensch war. Der kam in den Ring, winkte kurz mit der Hand – und alle fanden es toll und waren entzückt. Wenn unsereins kurz mit der Hand winkte, würde man daran nichts Tolles finden. Außerdem sah er gut aus, das hilft natürlich auch.
Er galt als eleganter Boxer.
Ja, wobei bemerkenswert ist, dass solche Boxer wie er, die sehr technisch geboxt haben, in der Boxsportgeschichte zwar oft erfolgreich waren, aber nicht geliebt wurden. Das Publikum will harte Kämpfe, will Blut sehen. Trollmann aber hat technisch geboxt, und die Leute fanden ihn trotzdem gut. Er hat es also verstanden, einen unpopulären Stil populär zu machen.
Warum war dieser einzigartige Boxer, als den Sie ihn beschreiben, über Jahrzehnte vergessen?
Weil das nationalsozialistische Unrecht an Sinti und Roma nach 1945 bruchlos fortgeführt wurde. Read the rest of this entry »