Ukraine: Übergriffe auf Roma
April 24th, 2014 | Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte
Alarmierende Meldungen aus der Ukraine: Überfall auf Roma-Familien in Slawjansk
Bei politischen Konflikten, die wie in der Ostukraine an der Schwelle zum Bürgerkrieg stehen, sind es immer die Minderheiten, die besonders Gefahr laufen, zwischen die Fronten zu geraten. Schon beim Umsturz in Kiew, wo bewaffnete rechtsextreme Gruppierungen mitmischten (und heute Schlüsselfunktionen im staatlichen Sicherheitsapparat einnehmen), befürchteten viele, dass sich der nationalistische Furor in Übergriffen auf Roma oder Juden (etwa hier oder hier) entladen könnte. Und tatsächlich waren während der Phase des Machtkampfes in Kiew einige antisemitische Gewalttaten (z.B. hier) zu verzeichnen. Zudem gibt es Hinweise, dass es in diesen Tagen im Großraum Kiew auch zu einer Häufung von Übergriffen auf Roma gekommen ist. Zola Kondur von der ukrainischen Roma-NGO Chiricli berichtet, dass einige Roma-Gemeinden im Westteil des Landes sogar Straßenpatrouillen organisierten, um sich vor möglichen Angriffen auf ihre Siedlungen zu schützen.
Mittlerweile gilt die Sorge freilich vor allem den jüdischen und Roma-Communities im Osten, wo prorussische Milizen undurchsichtiger Provenienz den ukrainischen Staat offen herausfordern und noch immer eine Reihe von Amtsgebäuden besetzt halten. Die Meldungen über die jüngste Eskalation der Gewalt sind oft widersprüchlich; Vorfälle wie die angeblich bevorstehende Registrierung der jüdischen Bevölkerung in Donezk) waren offensichtlich inszeniert. Der beiderseitige Propagandakrieg ist in vollem Gang.
Dennoch mehren sich die Anzeichen, dass besonders die Gefahr für Roma in der Ostukraine zurzeit tatsächlich alarmierend zunimmt. Auch ausländische Medien (wie die New York Times oder Die Welt) berichten nun von konkreten Übergriffen gegen die Minderheit: In der ostukrainischen Stadt Slawjansk wurden demnach am vergangenen Wochenende mehrere Roma-Häuser von maskierten prorussischen Paramilitärs beschossen und geplündert; einige Roma wurden von den Bewaffneten stundenlang gefangen gehalten. „Wir haben Angst. Sie drohten uns, nannten uns Affen und Unmenschen“, zitiert die „Welt“ eines der Opfer. Sieben der rund 150 Roma-Familien, von denen viele die Stadt bereits aus Angst verlassen hätten, um bei Verwandten in der Umgebung unterzukommen, seien von den Maskierten überfallen worden. Read the rest of this entry »