Der Verein Ketani (Linz)
November 3rd, 2013 | Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Jugend & Bildung
Vom Kampf um Anerkennung zur Kultur-, Bildungs- und Sozialarbeit von und für Sinti und Roma in Oberösterreich
In der Geschichte vieler oberösterreichischer Gemeinden klafft ein markantes Loch. An dessen Stelle hatten sich über Jahrhunderte die Großfamilien der Sinti befunden, die einen Teil des Jahres auf Reisen waren und sich vor allem während der kalten Monate in verschiedenen Landgemeinden aufhielten. Nicht wenige Sinti-Kinder gingen – wie es noch Fotos aus den 1930er-Jahren zeigen – dort zur Schule, viele Sinti besaßen auch ihr Heimatrecht in diesen Gemeinden. Ihr „plötzliches Verschwinden“ in den Jahren 1940/41 gehörte zu den großen „Geheimnissen“, denen die Mehrheitsbevölkerung nach 1945 nicht näher nachging und die auch nicht Eingang fanden in Ortschroniken und Heimatbücher. „Der Hitler hatte sie geholt“, hieß es dann, worüber zwar nicht alle froh waren, aber auch niemand besondere Trauer oder gar Interesse an einer Aufklärung ihres Schicksals zeigte.
Dass diese Leerstellen in der regionalen und lokalen Erinnerung Oberösterreichs in den letzten zehn Jahren stark an Aufmerksamkeit gewannen, welche in zahlreiche Rechercheprojekte, Dokumentationen sowie verschiedene Formen eines dezentralen Gedenkens mündete, ist zum überwiegenden Teil auf die Initiative und Unterstützung eines Vereins zurückzuführen, der sich aus den Reihen der oberösterreichischen Sinti selbst entwickelte.
Entschädigungsfragen und die Gründung des Vereins Ketani
Am Beginn standen Ende der 1970er-Jahre die Bemühungen der Tochter einer von den Nationalsozialisten verfolgten Sintiza, Staatsbürgerschaft und Anerkennung als NS-Opfer für ihre Mutter zu erreichen. 1991 konnte schließlich ein Erfolg verzeichnet werden – Rosa Winter erhielt die Staatsbürgerschaft und eine Opferrente. Dieser Erfolg führte dazu, dass sich weitere Sinti und Roma an ihre Tochter Gitta Martl (mehr hier) wandten, ob sie ihnen bei ihren Bemühungen um Anerkennung helfen könnte. Daraus entstand 1998 in Linz der Verein Ketani für Sinti und Roma. Read the rest of this entry »