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Polizeiversagen: „Spur ins Zigeunermilieu“

April 13th, 2012  |  Published in Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte

Neonaziterror in Deutschland; Fahndungsfoto der Zwickauer ZelleIm Mordfall der Polizistin Michèle Kiesewetter hatte die Polizei jahrelang Sinti und Roma unter Verdacht. Bei den Rechten wurde nicht ermittelt. Heute weiß man, dass die Täter die Neonazi-Terroristen des NSU waren. Auf eine Entschuldigung warten Sinti und Roma jedoch bis heute. Dabei standen auch sie auf der Attentatsliste der Terrorzelle.

Wolf Schmidt/taz, 12.4.2012: Anfang des Jahres, beim Gipfel der Bundesregierung gegen Rechtsextremismus, hatte Romani Rose es noch einmal versucht. Er schilderte, wie Sinti und Roma nach dem Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter öffentlich gebrandmarkt worden seien. Zeitungen spekulierten damals über Verbindungen zu einem „Clan der Sinti“ oder einer „Roma-Sippe“. (…) „Es hat bis heute kein Wort der Entschuldigung oder Richtigstellung gegenüber unserer Minderheit gegeben“, sagt Romani Rose, der seit 30 Jahren Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma ist.

Gleich mehrere Medien hatten in den Monaten nach dem Mord an Kiesewetter am 25. April 2007 auf der Heilbronner Theresienwiese über eine angeblich heiße Spur berichtet: Sie führe ins „Zigeunermilieu“, zitierte der Stern einen anonymen Ermittler damals. Um dann den Verdacht mit eigenen Sätzen zum Vorwurf gegen eine ganze Minderheit zu steigern, die Tat mit ihrem Schweigen zu decken. (…)

Wie man heute weiß, hatten ganz andere vor fünf Jahren in Chemnitz ein Wohnmobil (…) angemietet, um damit nach Heilbronn zu fahren und die Polizistin Michèle Kiesewetter zu ermorden: die Neonazis vom Nationalsozialistischen Untergrund (NSU). (…)

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