Archive for März, 2012

„Wir sind gegen das Wort Zigeuner“

März 31st, 2012  |  Published in Fundstücke, Rassismus & Menschenrechte

Wir sind gegen das Wort Zigeuner

Foto: Reinhard Loidl, aus dem Facebook-Auftritt von Harri Stojka; via Sibiuaner.

Unicef-Studie: Alptraum Abschiebung

März 31st, 2012  |  Published in Dokumente & Berichte, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

UNICEF-Studie Stilles LeidVerena Knaus u.a.: Stilles Leid. Zur psychosozialen Gesundheit abgeschobener und rückgeführter Kinder. Unicef Kosovo in Zusammenarbeit mit Kosovo Health Foundation, März 2012, 58 S. (PDF-Download)

Unicef, 28.3.2012: Während der Balkankriege suchten in den 90er Jahren Zigtausende Menschen Zuflucht in Deutschland, unter ihnen etwa 50.000 Angehörige der ethnischen Minderheiten Roma, Ashkali und „Ägypter“ aus dem Kosovo. Etwa 12.000 von ihnen sollen nun zurück in den Kosovo. Wenn nötig, unter Zwang. Unter ihnen sind bis zu 6.000 Kinder und Jugendliche, die meisten hier geboren, eingebunden in die Schule, in ihren Freundeskreis. Am 28. März stellten wir in Berlin eine Studie vor, für die ein Team aus Psychologen, Ärzten und Sozialwissenschaftlern rückgeführte Jungen und Mädchen im Kosovo befragt hat (UNICEF-Studie „Stilles Leid“). Sie wurden in ein Land gebracht, in dem die meisten nie zu Hause waren, in dem sie am Rand der Gesellschaft stehen. Die Ergebnisse aus Gesprächen mit 164 Kindern gehen unter die Haut: Read the rest of this entry »

„Stimmen der Roma“ in München

März 30th, 2012  |  Published in Kunst & Fotografie, Veranstaltungen & Ausstellungen

Stimmen der RomaVeranstaltungsreihe „Stimmen der Roma“
19.4. bis 22.5.2012 in München

Kunst – Film – Literatur – Musik – Debatte

Noch vor einigen Jahren definierte der Literaturnobelpreisträger Günther Grass die Roma als ein Volk ohne Simme, in einem Europa, das ihnen weitgehend ihre gesellschaftlichen Rechte vorenthält. Ausgrenzung, Diskriminierung und Benachteiligung sind europaweit noch immer prägende Fakten für viele europäische Roma. Die Veranstaltungsreihe „Stimmen der Roma“ vom 19.4. bis 22.5.2012 ermöglicht in Vorträgen und Gesprächen gesellschaftlich-politische Diskussionen und präsentiert ein breites Spektrum an zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern, denen es gelungen ist, sich von diffusen Fremdbildern und Zuschreibungen zu befreien und so zu einem neuen selbstbewussten Stil zu finden. (Text: Tschechisches Zentrum)

Nähere Informationen zum Projekt „Stimmen der Roma“ finden Sie auf dem neuen Blog des Projektes (oder auch auf Twitter: @romastimmen). Das vollständige Programm zum Herunterladen finden Sie hier (PDF 444,41 KB).

♫ Roma-Chic aus Chile: Kali Mutsa ♫

März 29th, 2012  |  Published in Musik

Das also passiert, wenn man Pop, Balkan und Bollywood, Romamusik und Romani-Versatzstücke in Chile zu einem Musikprojekt verrührt: Kali Mutsa („schwarze Katze“), das musikalische Alter Ego der Schauspielerin Celine Reymond,  die man in Chile bislang vorwiegend als Seifenoper-Star kannte, hat Sprachunterricht bei einem serbischen Rom genommen und platzt mit hemmungslos unauthentischem Roma-Chic in die chilenische Popszene. Und das Ganze klingt gar nicht mal übel.

Links: Kali Mutsa, MySpace

Roma-Journalisten ausgesperrt

März 28th, 2012  |  Published in Politik, Radio & TV, Rassismus & Menschenrechte

Sosinet-Reporterin vor dem Parlament in Budapest (Foto: sosine.hu)Ungarn: Akkreditierte Roma-Journalisten aus dem Parlament ausgeschlossen. Journalistenverband spricht von schwerem Angriff auf die Pressefreiheit.

Pusztaranger, 26.3.2012: Am 14. März 2012 wurde dem Maler István Szentandrássy der Kossuth-Preis verliehen, die höchste staatliche Auszeichnung für Kunst und Kultur in Ungarn. Szentandrássy ist Rom, er stellte bereits im Roma-Pavillon der Biennale Venedig aus.

Das Romaportal sosinet.hu wollte von der Preisverleihung im Parlament berichten: „Es ist uns wichtig, positive Beispiele zu zeigen, wir sind sehr stolz auf ihn.“ Obwohl sich das Team von Sosinet im Voraus ordnungsgemäß akkreditiert hatte, wurde ihm nach einstündigem Warten und etlichen Telefonaten von einem Mitarbeiter der Presseabteilung des Parlaments der Zutritt mit der Begründung verwehrt, ein Organ diesen Namens existiere nicht. Ein Mitarbeiter des Staatssekretariats für Kommunikation im Ministerium für öffentliche Verwaltung und Justiz sagte den Journalisten später, die Führung habe es sich in letzter Minute anders überlegt, und dagegen sei nichts zu machen.

Sosinet.hu gibt es seit drei Jahren, es wird vom Unabhängigen Medienzentrum (Független Médiaközpont) herausgegeben und ist bei der Medienbehörde unter der Nummer 2223 registriert. Der Ungarische Journalistenverband (MÚOSZ) protestierte gegen diese Diskriminierung und sprach von einem schweren Angriff auf die Pressefreiheit. Read the rest of this entry »

Newo Ziro | Neue Zeit (Trailer)

März 27th, 2012  |  Published in Film & Theater, Musik

Newo Ziro | Neue Zeit
Dokumentarfilm von Robert Krieg & Monika Nolte
83 min., Deutschland 2012

(Mehr über den Film über drei Generationen einer Sinti-Familie in Deutschland erfahren Sie hier.)

Zentrum für Musiktalente in Ungarn

März 26th, 2012  |  Published in Jugend & Bildung, Medien & Presse, Musik

Unterricht im Snétberger-Zentrum für Musiktalente (Foto: Snétberger-Zentrum)Der erste Jahr­gang des Snétberger-Zentrums für Musiktalente beendet sein Programm mit einem Spendenkonzert. Die rund 60 Schüler kommen größenteils aus Roma-Familien.

Ines Gruber/Budapester Zeitung: Versteckt in einem kleinen, malerischen Tal nördlich des Balaton liegt das Zentrum für Musiktalente (Snétberger Zenei Tehetség Központ), welches vom bekannten ungarischen Jazzmusiker Ferenc Snétberger mitbegründet wurde. Hier trifft der interessierte Besucher auf Kinder aus sozial schwachen Schichten und allen Altersklassen, die das Talent für Musik vereint. (…) Ein plötzlicher Einfall oder eine Eingebung sei das Zentrum für Musiktalente nicht gewesen, erklärt Snétberger. Er erzählt, dass er über dieses Thema seit Langem nachdenke. Etwas Ähnliches kenne er schon in Berlin. In Neukölln werde Sinti und Roma die Möglichkeit geboten, ihr musikalisches Talent zu entwickeln. Sein Manager Zol­tán Mészáros habe von dem Projekt in der deutschen Hauptstadt natürlich gewusst und hätte auch schon einen perfekten Ort für ein Zent­rum in Ungarn vor Augen gehabt. (…) Dem Konzept folgte eine dreijährige Planungsphase, in der viele Anträge geschrieben wurden. (…) Die größte finanzielle Unterstützung habe die Schule aus Norwegen erhalten, wodurch der Bau der Gebäude gesichert gewesen sei. Außerdem bekäme die Schule Zuwendungen von einigen in- und ausländischen Stif­tungen und dem ungarischen Staat.

Momentan arbeiten und leben rund 100 Menschen im Zentrum, davon etwa 60 bis 65 Kinder. Der Musiker erzählt, dass dieses Jahr 30 bis 40 neue Nachwuchstalente aufgenommen worden seien. Die Auf­nahmegespräche fänden im Februar in ganz Ungarn statt, jedes Jahr stapelten sich Un­mengen an Be­wer­bungen, al­ler­dings könne die Schule derzeit nicht mehr als insgesamt 65 Kinder unterrichten, sagt Snét­berger. Read the rest of this entry »

Newo Ziro | Neue Zeit

März 24th, 2012  |  Published in Film & Theater, Musik

Newo ZiroDokumentarfilm
Buch & Regie: Robert Krieg & Monika Nolte
83 min., Deutschland, 2012

Vier Lebensläufe aus drei Generationen stehen exemplarisch für das Dilemma, in dem sich deutsche Sinti befinden: wie können sie ihre kulturelle Identität bewahren, ohne sich gleichzeitig vor der Mehrheitsgesellschaft abzuschirmen? Schaffen sie mit der selbstbewussten Öffnung zur Außenwelt ihre eigene Identität ab, oder ist das die einzige Chance, dass sie anerkannter Teil der Mehrheitsgesellschaft wird? Der Film (Website) gewährt tiefe Einblicke in eine Kultur, die landläufig diskriminiert und verachtet wird:

Sascha Reinhardt, Gründer und Leiter des Sinti- und Roma-Musikfestivals „Djangos Erben“ in Koblenz, sagt: „Es lohnt sich für unsere Jugendlichen nicht, sich in der Schule anzustrengen – sie werden sowieso keinen Job bekommen. Auch wenn sie gut sind, bleiben sie ausgegrenzt. Dann sollen sie doch lieber unsere traditionellen Lebensweisen fortsetzen.“ Anders sieht das sein Onkel Bawo Reinhardt, der als Kleinkind Ausschwitz nur knapp überlebt hat: Er ist auch noch mit 70 Jahren bereit, etwas dazu zu lernen. Er will etwas für die Bildung „seiner Leute“ tun, um sie aus der Spirale der Armut und Marginalisierung zu befreien. Seine Enkelin Sibel ist Klassenbeste, nächstes Jahr wird sie Abitur machen. Sie hat zwei schwarze Gürtel in Kung Fu. Sie ist eine Kämpfernatur, sie will sich nicht nur auf die schützende Gemeinschaft ihrer Großfamilie verlassen. Read the rest of this entry »

Der Holocaust an den tschechischen Roma

März 21st, 2012  |  Published in Geschichte & Gedenken, Radio & TV

Nur einer von zehn Burgenland-Roma überlebte die Verfolgung durch die Nationalsozialisten. Kaum eine andere Opfergruppe des Holocaust wurde mit solcher Konsequenz verfolgt und ermordet. Ähnlich erging es der Volksgruppe der Roma in Böhmen und Mähren; auch dort kamen 90 Prozent der ursprünglichen Bevölkerung während der deutschen Besatzungszeit ums Leben. Der Historiker und Journalist Marco Zimmermann hat dazu einen Beitrag für Radio Prag gestaltet, den wir mit der freundlichen Genehmigung des Verfassers und der Redaktion hier wiedergeben:

Radio Prag: „Porajmos“ – Der Holocaust an den Roma im Protektorat Böhmen und Mähren


Steinbruch in Lety 1940 (Foto: Radio Prag)Radio Prag, 17.3.2012, Marco Zimmermann

Download des Radiobeitrags: MP3

Für die Nationalsozialisten war es klar: Die Roma waren arbeitsscheue Asoziale. Sie konnten ohne richterlichen Beschluss in „Schutzhaft“ genommen werden und durften auf unbegrenzte Zeit in Konzentrationslager eingewiesen werden. Im Protektorat Böhmen und Mähren wurden diese Maßnahmen besonders drastisch umgesetzt. Nach dem Krieg kehrten nur 583 tschechische Roma aus den Konzentrationslagern der Nazis zurück. Michal Schuster ist Historiker am Museum für die Kultur der Roma in Brno:

„Wir können festhalten, dass 90 Prozent der ursprünglichen Roma-Bevölkerung in Böhmen und Mähren während des Zweiten Weltkriegs massakriert wurde. Und der prozentuelle Anteil von Betroffenen einer einzelnen Volksgruppe ist einer der höchsten in ganz Europa.“

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„Österreichische Roma-Strategie“

März 20th, 2012  |  Published in Internet & Blogothek, Politik

Bundeskanzleramt„Österreichische Roma-Strategie“ präsentiert sich auf eigener Website


Wien (OTS) – Die Europäische Union hat sich die Verbesserung der sozialen und wirtschaftlichen Lage der Roma zum Ziel gesetzt. Um die gesellschaftliche Einbindung der Angehörigen dieser Minderheit erfolgreich vorantreiben zu können, hat auch Österreich einen Bericht vorgelegt und eine Dialogplattform eingerichtet. Dieser Maßnahmenkatalog und nähere Informationen über die weiteren Aktivitäten sind ab jetzt auf der Website www.bundeskanzleramt.at/site/7656/default.aspx zu finden.

Österreich hat bereits zu Beginn des Jahres seinen Bericht „Roma in Österreich – EU-Rahmen für nationale Strategien zur Integration der Roma bis 2020 – Politische und rechtliche Maßnahmen“ an die Europäische Kommission übermittelt. Die Initiative geht auf einschlägige Schlussfolgerungen und Beschlüsse des Europäischen Rates im Vorjahr zurück. Darin sind Ziele und Kriterien festgehalten, die dazu beitragen sollen, die soziale und wirtschaftliche Lage der Roma wirksam – und das heißt auch: nachhaltig – zu verbessern. Schwerpunkte liegen dabei in den Bereichen Bildung, Beschäftigung, Wohnraum und Gesundheit sowie in der Ermöglichung eines gleichberechtigten Zugangs zu guten Dienstleistungen.

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