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Anti-Roma-Krawalle in Serbien

April 9th, 2012  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Welt-Roma-Tag auf Serbisch: Gestern Sonntag, an dem Tag, an dem weltweit der Roma-Tag begangen wurde, kam es in Belgrad im südlichen Vorort Resnik zu romafeindlichen Ausschreitungen. 14 Personen – zwölf Polizeibeamte und zwei Bewohner des Vororts – wurden Medienberichten zufolge bei Zusammenstößen zwischen Polizei und serbischen Demonstranten verletzt, 15 Teilnehmer der gewaltsamen Proteste wurden verhaftet. Mehrere Bewohner Resniks hatten gegen die Aufstellung von Wohncontainern protestiert, in denen im Zuge einer Umsiedlungsaktion vorübergehend etwa 20 Roma-Familien untergebracht werden sollen, die bisher in einer Behelfssiedlung im Stadtteil Novi Beograd gelebt haben. Im Zuge der Proteste kam es zu Gewalt, die Polizei wurde mit Steinen und Flaschen beworfen.

Seit April 2009 wurden von Amnesty International in Belgrad 15 Zwangsräumungen von Roma-Siedlungen dokumentiert (Stand: Feb. 2012). Alle 15 registrierten Räumungsaktionen führten laut Amnesty dazu, dass Menschen obdachlos geworden sind. Neue Aktionen sind für diesen Frühling angekündigt; eine ist bereits am 7. März 2012 im sog. Block 72 erfolgt. Allein in den letzten 12 Monaten ist es Amnesty zufolge zu mindestens acht Zwangsräumungen gekommen. Über die jüngsten Räumungspläne, von denen rund 1500 Roma in Belgrad bedroht sind (und die der Auslöser der gestrigen Ausschreitungen in Resnik sein könnten), schreibt Amnesty Folgendes:

Etwa 1.500 Roma droht ab dem 19. März die Vertreibung aus ihren Wohnungen in Belvil, einer informellen Siedlung in der serbischen Hauptstadt Belgrad. Die Roma haben bislang keine Informationen über eine Ansiedlung an einen anderen Ort erhalten. Ihnen droht daher eine unangemessene Unterbringung oder die Obdachlosigkeit. Die Pläne zur Räumung der informellen Siedlung wurden erstmalig im März 2010 von den Behörden der Stadt Belgrad bekannt gegeben. Die Stadtverwaltung erklärte, die Mehrheit der Unterkünfte der BewohnerInnen von Belvil würde geräumt werden, um Platz für Zufahrtsstraßen zu einer neuen Brücke über den Fluss Sava zu schaffen. Die Behörden versäumten es, aussagekräftige und umfassende Konsultationen mit den Betroffenen durchzuführen und legten auch kein Vorhaben zur Umsiedlung der Roma vor. Read the rest of this entry »