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Von Ekelhäusern und Pferdebeinen

Juli 3rd, 2011  |  Published in Medien & Presse, Politik, Rassismus & Menschenrechte

Polizeikontrolle in der Nordstadt (Fotoausschnitt: WDR)Roma in der Dortmunder Nordstadt – Chronologie einer Kampagne


Bastian Pütter leitet die Redaktion von bodo, der Straßenzeitung für Bochum, Dortmund und Umgebung. In einem Gastbeitrag für das Magazin BSZ lässt er die antiziganistische Kampagne gegen die aus Südosteuropa stammenden Roma in der Dortmunder Nordstadt Revue passieren, die sich seit einigen Monaten hochschaukelt und von Medien und Politik bereitwillig am Laufen gehalten wird: Statt sich über die Hintergründe von sexueller Ausbeutung, Sklavenarbeit und Mietwucher im „Problembezirk“ zu informieren, wird gegen eine Ethnie mobil gemacht. Die folgende Wiedergabe des Artikels erfolgt mit der dankenswerten Genehmigung des Autors:

Seit 2007 wandern Menschen aus den neuen EU-Ländern Bulgarien und Rumänien deutlich sichtbar in die Dortmunder Nordstadt ein. Schnell war der Arbeiterstrich an der Mallinckrodtstraße eine Institution: Vor aller Augen holten sich Handwerker der Umgebung Arbeitskräfte für 20 oder 30 Euro am Tag. Auf dem als Modellprojekt installierten legalen Dortmunder Straßenstrich arbeiteten bald weitgehend Roma-Frauen. Autos aus dem immer entfernteren Umland standen im Stau vor der Einfahrt zum Straßenstrich, weil sich die fehlende Erfahrung der Roma-Frauen mit Kondomen und Preisen herumgesprochen hatte.

Trotzdem interessierten sich bis 2011 weder Stadt noch Presse besonders für die Herkunft dieser Menschen, für ihre Motive herzukommen und für ihre Ausbeuter. Nachdem eine Delegation der „Ruhr Nachrichten“ mit einer Art Kriegsberichterstattung aus dem bulgarischen Plovdiv zurückgekommen war und die Nordstadt-SPD durchgesetzt hatte, dass ihr Oberbürgermeister nun den „eisernen Besen“ zu schwingen habe, kippte Ende Februar 2011 das jahrelange öffentliche Desinteresse in eine sich verselbständigende Kampagne. Dreieinhalb Monate lang immunisierte sich eine heißlaufende Täterberichterstattung völlig gegen Perspektivwechsel. Read the rest of this entry »