Archive for Februar 5th, 2011

Petition gegen steirisches Bettelverbot

Februar 5th, 2011  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte

Pfarrer Pucher (Foto: A. Salzmann/MO-SOS Mitmensch)Offener Brief des Grazer „Obdachlosenpfarrers“ Wolfgang Pucher zur eilends lancierten Petition gegen ein absolutes Bettelverbot in der Steiermark (unterschreiben können Sie hier):

Vor 15 Jahren sind Roma aus der Slowakei in die Steiermark gekommen, um in ihrer verzweifelten wirtschaftlichen Situation bei uns Hilfe zu suchen. Sie sitzen seither still vor Supermärkten, auf öffentlichen Plätzen und vor Kirchen und halten ihre Becher den Vorübergehenden hin. Sie tun niemandem etwas und nehmen auch keinem etwas weg, sondern sie appellieren schweigend an die Hilfsbereitschaft der Menschen. In Graz hat die VinzenzGemeinschaft für sie ein Quartier – das VinziNest für die Männer und VinziSchutz für die Frauen – geöffnet, damit sie nicht in öffentlichen WCs schlafen müssen. Sehr bald hat deren Anwesenheit gewisse Personen gestört, weil sie den Anblick von Armen nicht ertragen können oder wollen. Zur Rechtfertigung ihrer ablehnenden Haltung behaupten sie, es handle sich um eine mafiöse Organisation. Der Einzelne müsse sein Geld ohnehin an einen Boss abliefern. Sowohl die Polizei, als auch jüngst eine Gruppe von Wissenschaftlern haben diese Behauptung stichhaltig widerlegt. Jeder bringt das, was er bekommt, zur Gänze seiner Familie nach Hause.

Ohne jeden Grund haben sich nun Politiker entschlossen, ein totales Bettelverbot für In- und Ausländer zum Gesetz zu machen. Am 9. Februar 2011 wird ein Unterausschuss des Landtages einen Gesetzesentwurf beschließen. Read the rest of this entry »

Ulli Gladik: Quo vadis, Europa?

Februar 5th, 2011  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte

Barackensiedlung in Sofia (Foto: Ulli Gladik)Betteln ist für viele Menschen die einzige Möglichkeit sich selbst zu helfen. In der Steiermark plant man ein Bettelverbot, das Arme kriminalisiert und aus dem öffentlichen Raum verdrängt. Die Filmemacherin Ulli Gladik, Mitarbeiterein der BettelLobbyWien, schreibt in der Straßenzeitung Megaphon über das drohende Bettelverbot:

In EUropa gilt die Personenfreizügigkeit. Doch nicht in Frankreich und Italien. Nicht für die, die arm sind und verdächtigt werden, der Romaminderheit anzugehören. Sie werden abgeschoben. Man legt sogar Kataster an. Listen, auf denen sie verzeichnet werden. In der Slowakei, Tschechien und Bulgarien baut man Mauern, um den Armen den Zugang zu den Städten zu erschweren. In Ungarn ziehen schwarz gekleidete Paramilitärs mordend und brandschatzend durch ihre Siedlungen. In Wien werden sie von bis zu zehn Polizisten abgeführt und müssen 700 Euro Strafe zahlen, wenn sie betteln. In vielen Wiener Schaufenstern hängen jetzt sogar Plakate, die davor warnen, ihnen Geld zu geben. Wegen der Hintermänner heißt es, die sich Paläste bauen, Mercedes fahren und ihnen das Geld abnehmen. Hintermänner, die niemand getroffen hat, die aber so gerne bemüht werden, um BettlerInnen pauschal zu kriminalisieren. Um immer wieder neue Bettelgesetze zu rechtfertigen, vor einer Öffentlichkeit, die eigentlich gerne hilft, weil die meisten Menschen sich vorstellen können, wie es ist, arm zu sein. So wie die GrazerInnen auch Natasha Kirilova, der „Heldin“ meines Filmes, geholfen haben. Sie hat zwei Jahre lang in Graz gebettelt. Viele kennen sie. Sie saß vor der Stadtpfarrkirche. Von morgens bis abends. Obwohl sie es hasste zu betteln. Doch es gab keine andere Möglichkeit. Keine Arbeit und die Transferleistungen in Bulgarien sind so gering, dass niemand davon leben kann. Die Familie wäre um ein Haar obdachlos geworden. Doch sie hat es geschafft. Das Haus ist abbezahlt, die Kinder besuchen die Schule und die Hoffnung lebt, doch wieder mal Arbeit zu finden. Hätte Natasha Kirilova nicht in Graz betteln können, wären sie und ihre Familie jetzt auch in einem der Slums rund um Sofia gelandet. Von hier aus kann kein Kind mehr die Schule besuchen, kann niemand mehr einer geregelten Arbeit nachgehen. Hier regieren Hunger, Kälte, Krankheit und Tod.

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