Während des Nationalsozialismus wurden Sinti und Roma verfolgt und ermordet. Akten und Dokumente der NS-Behörden wurden in der Bundesrepublik Deutschland von Polizeidienststellen weiterverwendet. Ein Vortrag der Kulturwissenschaftlerin Yvonne Robel.
Deutschland: Museumsprojekt zur Geschichte des Holocaust an Sinti und Roma präsentiert Zwischenergebnis. Die Ausstellung ist noch bis zum 18. August 2024 im Dokumentations- und Kulturzentrum in der Bremeneckgasse 2 in Heidelberg zu sehen. Der Eintritt ist frei.
Am Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma entsteht eine museale Sammlung mit Objekten und Zeitzeugengesprächen. Das Projekt wird von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) und dem Bundesministerium der Finanzen (BMF) in der Bildungsagenda NS-Unrecht gefördert.
Bei der Projektvorstellung mit einer Podiumsdiskussion zur Zukunft des Erinnerns war auch der Holocaust-Überlebende Christian Pfeil zu Gast. Sein Überleben glich einem Wunder. Von den dramatischen Umständen seiner Geburt im von den Nationalsozialisten besetzten Polen erzählte Christian Pfeil auf dem Podium. Ein Video zu seiner Lebensgeschichte ist in voller Länge auf einem der Bildschirme der Ausstellung zu sehen, die im Gewölbekeller des Dokumentationszentrums hängen. Seit 2022 befragt ein Expertenteam hier Zeitzeugen und sucht nach Objekten zur Geschichte von Sinti und Roma während und nach dem Holocaust, dem 500.000 Menschen zum Opfer fielen. Überlebende erfuhren häufig auch nach dem Ende der NS-Zeit Ausgrenzung und Vorurteile, so berichtet es Christian Pfeil von seiner Schulzeit. Viele von ihnen bauten sich dennoch, wie der Trierer Sänger und Gastronom, der erfolgreiche Restaurants führte, eine eigene berufliche Existenz auf.
Statt Klischees solle eine neue museale Sammlung diese Vielfalt der „Lebensrealität der Sinti und Roma“ abbilden, so der Vorsitzende des Dokumentationszentrums und Zentralrats Romani Rose. Damit lege sie „einen neuen Zugang zur Geschichte der Minderheit“. Auch Dr. Ralf Possekel, Leiter des Bereichs Förderung und Aktivitäten der EVZ, betonte die Bedeutung des Projekts, das ermögliche, bisher „unbekannte Geschichten“ zu erzählen. Ziel der Stiftung sei dabei, in der Erinnerung an „Schicksale und Erfahrungen der im Nationalsozialismus verfolgten Menschen und Gruppen“ auch „das kritische Gedächtnis Deutschlands zu stärken“. Einig waren sich alle Teilnehmenden der Diskussion, dass gerade in Zeiten wachsenden Antiziganismus und Rechtsradikalismus die NS-Vergangenheit nicht in Vergessenheit geraten dürfe.
Vera Tönsfeldt machte noch einmal deutlich, dass der nationalsozialistische Staat auf eine völlige Auslöschung von Menschen und ihrer Geschichte gezielt habe. Umso wichtiger sei es, „vergessene Gedächtnisse“ wieder sichtbar zu machen. Read the rest of this entry »
Erfolg für Erinnerungskultur und Denkmalschutz der Stadt Halle (Saale): Das Sinto-Mausoleum in Osendorf, die Ruhestätte Josef Weinlichs, wird saniert.
Deutschland: Die Stadt Halle (Saale) plant die Sanierung des als Baudenkmal eingestuften Gebäudes, das um das Jahr 1915 als Mausoleum für den Sinto Josef Weinlich, errichtet wurde. Dem Objekt kommt nach Einschätzung der Landesdenkmalbehörde eine „hohe denkmalfachliche Bedeutung“ zu. Es stellt in seiner Art und Weise ein seltenes (Bau-)Denkmal der nationalen Minderheit der Sinti vor Ausgrenzung, Deportation und Vernichtung dar. Das Mausoleum ist derzeit in sehr schlechtem Zustand und droht zusammenzufallen. Die nunmehr mögliche Rekonstruktion umfasst unter anderem die Ertüchtigung der Gründung des Gebäudes, des Mauerwerkes und der Tonnendecke. Überdies sollte die Holzkonstruktion ausgetauscht, die Wiederherstellung der denkmalgerechten Dacheindeckung erfolgen und die fehlende Türanlage originalgetreu nachgebaut und ergänzt werden. Im Zuge der Sanierung sollen möglichst viele noch vorhandene Bauteile und -elemente Sanierung eingesetzt bzw. wiederverwendet werden.
Die Stadt Halle (Saale) freut sich über eine Förderung aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien in Höhe von 157.000 Euro für die Sanierung des Sinto-Mausoleums in der Karl-Meißner-Straße 42. Der Haushaltsausschuss des Bundes hat dem Antrag der Stadt Halle (Saale) auf eine Zuwendung zugestimmt.
Europa-Universität Flensburg: Die Forschungsstelle für regionale Zeitgeschichte und Public History erforscht grundständig die Geschichte der Sinti und Roma im Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit.
Laufzeit: 1.12.2023 bis 30.11.2025
Im Januar 2022 hat der Schleswig-Holsteinische Landtag einstimmig beschlossen, die Geschichte der Sinti und Roma in Schleswig-Holstein, insbesondere zu Verfolgung und Vertreibung im Nationalsozialismus, aufzuarbeiten. Im Dezember 2023 ist der Startschuss für die wissenschaftliche Untersuchung des Themas durch die Forschungsstelle für regionale Zeitgeschichte und Public History der Europa-Universität Flensburg gefallen.
Forschungsstelle
Den Zuschlag für das Projekt hatte die Forschungsstelle im Oktober 2023 erhalten. Gegenstand des Forschungsprojekts ist die Geschichte der Sinti und Roma in Schleswig-Holstein im 20. Jahrhundert, mit dem Schwerpunkt auf der NS-Zeit und deren Bewältigung nach 1945. Der Fokus des Projekts liege nach Auskunft der Forschungsstelle auf der Erschließung aller Entschädigungs- und Wiedergutmachungsverfahren, die in Schleswig-Holstein im Hinblick auf Sinti und Roma geführt wurden. Weitere Arbeitsfelder des Projektes seien die Durchführung von narrativen Interviews mit Nachkommen der Überlebenden, die Erstellung einer Auflistung regionaler Überlieferungen in Schleswig-Holstein und die Durchführung einer exemplarischen Zeitungsanalyse, um insbesondere die Kontinuitäten des Antiziganismus zu analysieren.
Abschlussbericht für November 2025 erwartet
Projektleiter ist der Direktor der Forschungsstelle für regionale Zeitgeschichte und Public History, Prof. Dr. Marc Buggeln. Am Projekt wirken darüber hinaus die wissenschaftlichen Mitarbeiter Dr. Sebastian Lotto-Kusche und Melanie Richter-Oertel sowie studentische Hilfskräfte mit. Die Forschungsstelle wird bis zum 31. Oktober 2024 einen Zwischenbericht fertigen. Der Abschlussbericht soll dann bis zum 30. November 2025 vorliegen. Die Forschungsstelle untersucht und vermittelt seit Jahrzehnten die Geschichte des Nationalsozialismus und dessen Nachgeschichte in der Region. Read the rest of this entry »
„Räudige Untat“: Bestürzung nach Anschlag auf Holocaust-Mahnmal für ermordete Sinti und Roma in Flensburg
Der Gedenkort für die vom NS-Regime deportierten Sinti und Roma aus Flensburg und Umgebung am Steinfelder Weg bei der Freien Waldorfschule Flensburg ist vergangene Woche beschädigt worden. Die rund 100 Kilogramm schwere Metallstele, auf der die Namen von 44 Deportierten aus der Region eingraviert sind, wurde gewaltsam aus der Verankerung gerissen. Das demolierte Denkmal wurde von Kindern auf dem Schulgelände entdeckt. Der Angriff dürfte sich in der Nacht zum Mittwoch zugetragen haben, vermutlich waren mehrere Täter/innen beteiligt. Polizei und Staatsschutz ermitteln. Zeuginnen und Zeugen werden gebeten, sich zu melden.
Neuer Gedenkplatz
Die Gedenkstelle war erst im Herbst 2023 bei der Freien Waldorfschule Flensburg errichtet worden. Auf dem Areal der Schule waren in der NS-Zeit Sinti und Roma zwangsweise untergebracht worden, bevor sie schließlich, 1940, in die Konzentrationslager im Osten deportiert wurden. „Der Platz ist rund angelegt, drei Bänke und Heckenrosen umfassen ihn“, beschreibt Denkmals-Initiatorin Constanze Hafner die Gedenkstelle:
Es gibt eine Tafel, die dem Gedenken Ausdruck gibt, sowie zwei Skulpturen. Die eine ist in die Erde eingelassen, die andere steht auf einer Stele, auf der an drei Seiten umlaufend die 44 Namen zu lesen sind. Die Namen sind so angebracht, dass jederzeit weitere eingetragen werden können.
„Verwerflicher Akt“
Die Sinti-Vertreter/innen zeigen sich bestürzt. „Als Nachfahrin von Holocaust-Überlebenden bin ich unfassbar traurig und wütend. Ich frage mich, wann die Entwürdigungen unserer Menschen endlich aufhören“, so Kelly Laubinger, Vorsitzende der Sinti-Union Schleswig-Holstein, gegenüber der „taz“.
Der vor den Deutschen 1939 nach Ostpolen geflüchtete polnische Roma-„König“ Janusz Kwiek wurde am 14.12.1941 in einem sowjetischen Lager hingerichtet.
Der Aufstand von Sinti und Roma in Auschwitz-Birkenau – Veranstaltungsmitschnitt: Vortrag von Benjamin Ortmeyer (2021)
Am 16. Mai 1944 sollte Auschwitz-Birkenau II – das sogenannte „Zigeunerlager“ –, in dem sich zum damaligen Zeitpunkt noch etwa 6.000 Häftlinge befanden, liquidiert werden. Die inhaftierten Sinti und Roma erfuhren davon und leisteten Widerstand. Sie bewaffneten sich mit Schaufeln, Werkzeugen und dem, was sie finden konnten, und schafften es so, die Liquidierung vorerst zu verhindern. Anlässlich des 77. Gedenktages 2021 berichtet Prof. Dr. Benjamin Ortmeyer in seinem Vortrag über diesen Akt des Widerstands von Sinti und Roma in einem Vernichtungslager. Vorab sind eine Begrüßung durch Rinaldo Strauß und ein Grußwort von Jochen Partsch, Oberbürgermeister der Wissenschaftsstadt Darmstadt, zu sehen. Außerdem gibt es hier auch die Präsentation zum Vortrag.
Radio Prague Int.:Der Weg zu dieser Gedenkstätte war lang und für die Überlebenden und Nachkommen teils leidvoll: Am Dienstag ist im südböhmischen Lety der Erinnerungsort an den Völkermord an den tschechischen Roma und Sinti eingeweiht worden. In Lety stand während des Zweiten Weltkriegs ein Konzentrationslager für Roma und Sinti. Es war Teil der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik. Dass die tschechischen Roma und Sinti systematisch ermordet wurden, daran wurde zu kommunistischen Zeiten nicht erinnert. Und noch schlimmer: Ab den 1970er Jahren befand sich am Ort des früheren KZ eine Schweinemastfarm.
[…] Lety war eines von zwei Konzentrationslagern für Roma und Sinti auf dem Boden des damaligen „Protektorats Böhmen und Mähren“. Das andere befand sich in Hodonín u Kunštátu in Südmähren. Das KZ in Lety wurde bereits 1940 als Arbeitslager eingerichtet und stand wie das spätere Lager in Hodonín unter Leitung der tschechischen Gendarmerie. Obwohl beide Einrichtungen maximal für mehrere Hundert Menschen Platz boten, wurden hier über 1.300 Roma und Sinti eingepfercht. 330 von ihnen starben an den unmenschlichen Bedingungen, weitere 500 wurden ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert und dort ermordet.
Von den insgesamt 6.500 tschechischen Roma und Sinti überlebten nur etwa zehn Prozent die Zeit des Nationalsozialismus. Read the rest of this entry »
Podcast: Das besondere Leben des Pfarrers Arnold Fortuin (1901–1970) mit Franz Josef Schäfer
PolL – der Podcast für lebenslanges Lernen, Sept. 2021
In dieser Folge sprechen wir mit dem Historiker Franz Josef Schäfer über eine ganz besondere Gestalt aus der saarländischen Geschichte – Arnold Fortuin. Dieser prägte in der Zeit vor und während des Zweiten Weltkrieges maßgeblich die Geschicke der saarländischen Sinti und Roma – und war auch verantwortlich für die sogenannte „Zigeuner-Wallfahrt“, die sich in der Nachkriegszeit etablierte. Als Nationalseelsorger war er aber auch verantwortlich für das Wohl aller deutschen Sinti und Roma – und hinterließ durch seine Arbeit bis heute einen bleibenden Eindruck.
Fast vergessen: Podcast der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung, September 2023
In Hessen leben aktuell zwischen 7.000 bis 10.000 Sinti und Roma. Sie sind die größte in Deutschland anerkannte nationale Minderheit. Ihre Geschichte ist geprägt von Vorurteilen, Hass und Hetze. Die Verfolgung gipfelte in der Ermordung einer halben Million Sinti und Roma während des Nazi-Regimes. Die Ausgrenzung und Abwertung der Volksgruppe nahm jedoch schon vor 600 Jahren ihren Lauf. Über die vergessene Geschichte der Sinti und Roma erzählt in dieser Folge Rinaldo Strauß, stellvertretender Geschäftsführer des Hessischen Landesverbandes der Sinti und Roma. Neben seinen Erfahrungen als Sinto, erzählt er auch über seinen Wunsch nach mehr Aufklärung über Antiziganismus.
Eveline Diener: Das Bayerische Landeskriminalamt und seine „Zigeunerpolizei“. Kontinuitäten und Diskontinuitäten der bayerischen „Zigeunerermittlung“ im 20. Jahrhundert (=Schriftenreihe der Deutschen Gesellschaft für Polizeigeschichte e. V., Band 25), Verlag für Polizeiwissenschaft: Frankfurt am Main 2021 (560 S.)
Die spezifisch genozidale Ausprägung der nationalsozialistischen Verfolgung der „Zigeuner“ fand in der Geschichtswissenschaft und in der medialen Öffentlichkeit erst vergleichsweise spät Beachtung. Dem spielte zu, dass eine entrechtende „Zigeunerpolitik“ und „Zigeunerverfolgung“ lange Zeit als normal angesehen wurde. Diese Problematik wird am Beispiel der für die „Zigeuner“- bzw. „Landfahrerermittlung“ zuständigen Stelle des 1946 gegründeten Bayerischen Landeskriminalamts (BLKA) untersucht. Hier werden Kontinuitäten sowie Diskontinuitäten in „Zigeunerpolitik“ bzw. „Zigeunerverfolgung“ auf der Zeitschiene „Kaiserreich“, „Weimarer Republik“, „Nationalsozialismus“ und „Nachkriegszeit“ aufgezeigt. Dafür werden zwei Forschungsschwerpunkte zusammengeführt: Die Untersuchung der einschlägigen Vorgeschichte – angefangen vom Kaiserreich bis zum Nationalsozialismus – und schließlich die Untersuchung der personellen, inhaltlichen und organisatorischen Ausgestaltung der „Zigeuner“- bzw. „Landfahrerstelle“ des Bayerischen Landeskriminalamts der Nachkriegszeit. Hierbei liegt der Fokus auf Prägungen und Laufbahnen der dort tätigen Beschäftigten, auf gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen und Einflussfaktoren sowie schließlich auf langfristig geprägten Strukturen und Mentalitäten in „Zigeunerpolitik“ und „Zigeunerermittlung“. Somit leistet die Arbeit eine Forschungsbereicherung auf dem bisher noch wenig untersuchten Gebiet der „Zigeuner“- bzw. „Landfahrerermittlung“.
O erschti themeskero-Romengero-kongreso ando bersch deschuenja eftavar desch taj jekto bersch ande London o kesdipe le Romengere-polgarengere tschatschipeskere micinipestar sina. Sajt oja cajt, ando 8to april upro cilo them akcijonakere divesa del, kaj i situacija la flogoskera grupnatar upre sikadi ol. Ada bersch, papal but mulatintschage andi cili Europa taj te andi Austrija del. I Romengeri flogoskeri Utschi Ischkola ando kulturakero kher Loipersdorf use jek mulatintschago le anaveha – „Die unbekannten österreichischen Opfer des Roma-Genozids im so genannten Zigeunerlager Litzmannstadt 1941–1942“ akartscha.
Anlässlich des Internationalen Rom*nja-Tages 2024 fand im Kultursaal Loipersdorf eine Tagung unter dem Titel „Die unbekannten österreichischen Opfer des Roma-Genozids im so genannten Zigeunerlager Litzmannstadt 1941-1942“ statt.
Andreas Lehner, Mag. Feri Janoska, Vorsitzender Roma Volkshochschule Burgenland Bgm. Jürgen Zimara, Loipersdorf-Kitzladen Gerhard Baumgartner: Deportation Wiener Roma und Sinti nach Lackenbach 1941 Herbert Brettl: Einlieferungen nach Lackenbach in Vorbereitung der Deportation 1941/42 Ludwig Laher: Die Insassen des Lagers Weyer und ihre Deportation nach Lackenbach 1941 Emmerich Gärtner-Horvath: Familiäre Überlieferungen einer burgenländischen Romafamilie zur Deportation 1941 Dr. Werner Koroschitz: Die Deportation von Kärntner Sinti-Familien nach Lackenbach 1941 Moderation: Frank Reuter (Universität Heidelberg)Read the rest of this entry »
Denkmal für die vergessenen Roma-NS-Opfer in Loipersdorf und Kitzladen
Gondolipeskero than le pobisterde Roma NS-opferenge ande Loipersdorf taj Kitzladen: Uso gondolipe le Romenge andar Loipersdorf taj Kitzladen, save anglo 1938 dschi 1945 opfertscha le nacijonalsocijalismusistar ule. Angle 1938 dschivnahi andi gemajndi Kitzladen 48 Roma, save ando berscha 1939 dschi 1942 ando mindenfelitike logertscha ledschim ule taj schoha buter pal ale. Ande Loipersdorf anglo 1938, 115 Roma atschnahi, save ando bersch 1939 dschi 1942/43 ando mindenfelitike logertscha ledschim ule taj odoj pumaro ileto naschade. Ande Linz/Donau taj St. Margarethen (Burgenland) meg poar familiji dschin.
Zum Gedenken an die Romnja und Roma – Frauen, Männer und Kinder – aus Loipersdorf und Kitzladen, die von 1938 bis 1945 Opfer des Nationalsozialismus wurden. Vor 1938 waren in der Gemeinde Kitzladen 48 Roma ansässig, die in den Jahren 1939 bis 1942 in verschiedene Konzentrationslager gebracht wurden und nicht wieder zurückgekehrt sind. In Loipersdorf waren vor 1938 115 Roma wohnhaft, die in den Jahren 1939 bis 1942/43 in verschiedene Konzentrationslagern abtransportiert wurden und dort ums Leben kamen. Read the rest of this entry »
Franz Josef Schäfer: Arnold Fortuin. Die Verfolgung der Sinti und Roma im Saarland, Saarbrücken 2022 [→Blattlaus-Verlag]
Der Illinger Historiker Franz Josef Schäfer legt erstmalig die Geschichte der saarländischen Sinti und Roma vor, einer weitgehend vergessenen NS-Opfergruppe.
Pfarrer Arnold Fortuin war der erste Seelsorger der deutschen Sinti und Roma. Bereits seit den Zwanzigerjahren des 20. Jh. betreute der damalige Saarbrücker Kaplan an der Michaelskirche in Saarbrücken St. Johann die Außenseiter und erteilte ihnen Unterricht. In der NS-Zeit gab er ihnen Trost. Nach dem Krieg war er ihr Anwalt und Berater in Entschädigungsfragen. Seit 1955 findet alljährlich eine Wallfahrt von Sinti und Roma statt zur Illinger Bergkapelle.
Die Monografie würdigt ausgiebig zum ersten Mal den Menschen und Seelsorger Fortuin, der viele Jahre nach seinem Tod mit dem Bau des Fortuin-Hauses in Berlin sowie der Benennung einer Straße und einer Schule in Illingen eine späte Anerkennung gefunden hat. Neben einem historischen Abriss der Minderheit stellt der Autor ihren Verfolgungsweg auf quellenkundlicher Basis dar am Beispiel ausgewählter Familien. Wie die Bevölkerungsgruppe in belletristischen Werken saarländischer Autorinnen und Autoren gesehen wurde, ist ebenfalls vorzufinden.
Das Buch von Franz Josef Schäfer, thematisiert in der ausführlichen Darstellung der Vita des katholischen Geistlichen den Widerspruch von individueller menschlicher Hilfe und politischer Ignoranz der Amtskirche. Schäfer betrachtet einerseits Fortuins Loyalität gegenüber dem Dienstherrn und schildert andererseits, akribisch recherchiert und mit großer Empathie, das persönliche Aufbegehren des Priesters, sein ungebrochenes Engagement für die Minderheit, sein Eintreten gegen die Unterlassungen und Ignoranz der Mehrheit. Der Autor bewahrt sich dennoch die notwendige Distanz. Der Zivilcourage Fortuins, die riskante Unterstützung der Roma und Sinti in der NS-Zeit und der kontinuierliche Einsatz für die Rechte der Roma und Sinti nach 1945, steht pointiert die Kritik an den Äußerungen des Kirchenmannes gegenüber, nämlich der Kolportage des üblichen Klischees, den verbrämten Generalisierungen, die seit Jahrhunderten Grundlage der Diskriminierung sind. Read the rest of this entry »
Rechnitz. Das Massaker beim Schlachthaus im März 1945
Ando 24. merc 1945 valami 1000 ungrike dschidovtscha andar o logeri Köszeg (Ungriko) la srastunaha pedar i granica Burg transportirim ule. 200 iste mujsnipeskeri buti kerde taj o nasvale murscha usi srastunakeri vora Rohoncate pal ande ule. Oja kirati upro dis Batthyány Rohoncate jek NSDAP kameradschaftiskero mulatintschago kerdo ulo. Ceugn phenen, hot o NSDAP thaneskero grupnengero schero Franz Podezin deschuduj orenge jek telefonato uschtidija, kaj akor paloda 15 murscha puschkenca bevofnim ule. Adala murscha dromeske pumen kerde usar i dis uso Kreuzstadl, kaj o khine dschidovtscha otscha ande ule. Paloda kada o murscha 180 manuschen murdarde, papal andi dis pal ale, bajder te mulatinel. Phukajiptscha phenen, hot 18 dschidovtschengo o ileto muklo ulo, kaj odole le mulen schaj ande handle. Paloda on pasche le schlachthausistar murdarde ule.
Am 24. März 1945 wurden an die 1000 ungarische Jüdinnen und Juden vom Lager Köszeg (Ungarn) mit der Eisenbahn über die Grenze in den kleinen Ort Burg transportiert. 200 für den Arbeitseinsatz zu kranke Männer wurden zum Bahnhof Rechnitz zurückgebracht. Am Abend desselben Tages fand im Schloss Batthyány in Rechnitz ein NSDAP-Kameradschaftsfest statt. Laut Zeugenaussagen erhielt der dort anwesende NSDAP-Ortsgruppenleiter Franz Podezin gegen Mitternacht einen Anruf, woraufhin er 15 Männer bewaffnen ließ. Diese Gruppe machte sich vom Schloss aus auf den Weg zum Kreuzstadl, wohin in der Zwischenzeit die völlig erschöpften Juden gebracht worden waren. Nachdem die Männer dort 180 Menschen ermordet hatten, kehrten sie ins Schloss zurück, um weiter zu feiern. Read the rest of this entry »
NS-Völkermord an den Sinti und Roma in Europa: Präsentation einer Online-Enzyklopädie am 5. März in Berlin
Unter nationalsozialistischer Herrschaft wurden Hunderttausende Sinti und Roma in Deutschland und anderen europäischen Ländern verfolgt und ermordet. Ziel des NS-Staats und seiner Rassenideologie war die europaweite Vernichtung der Minderheit. Das vorgestellte internationale Pionierprojekt führt das verstreute Wissen über den nationalsozialistischen Genozid in seiner europäischen Dimension in einer großangelegten Enzyklopädie zusammen. An dem vom Auswärtigen Amt geförderten Vorhaben arbeiten derzeit mehr als 80 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland. Mit dem Launch wird die auf Deutsch und Englisch angelegte Enzyklopädie, die in Kooperation mit dem Center für digitale Systeme an der Freien Universität Berlin entsteht, erstmals online zugänglich. Sie wird bis Ende 2025 auf rund 1.000 Fachbeiträge anwachsen und einen Meilenstein für die Forschung und Bildungsarbeit zum NS-Völkermord an den Sinti und Roma in Europa darstellen.
Ab April: Ausstellung „Man will uns ans Leben“ – Bomben gegen Minderheiten 1993–1996
24.4.–25.8.2024: Volkskundemuseum Wien
20.9.–24.11.2024: kärnten.museum, Klagenfurt
7.2.–8.3.2025: Offenes Haus Oberwart
Die Ausstellung der Initiative Minderheiten hat das Ziel, historisches Wissen zu den größten innenpolitischen Gewalttaten der Zweiten Republik zu vermitteln, aber auch das politisch-gesellschaftliche Klima der 1990er Jahre und seine Folgen für die direkt betroffenen Minderheitencommunitys aufzuzeigen.
Vor 30 Jahren, am 3. Dezember 1993, explodierten in der ORF-Minderheitenredaktion in Wien und in der Pfarre Hartbergin der Steiermark zwei Briefbomben und verletzten die Moderatorin Silvana Meixner und den „Flüchtlingspfarrer“ August Janisch schwer. Bis zum 6. Dezember 1993 wurden weitere acht Briefbomben verschickt, eine davon zerfetzte die linke Hand des damaligen Wiener Bürgermeisters Helmut Zilk. Im August 1994 explodierte eine vor der zweisprachigen Rennerschule in Klagenfurt deponierte Rohrbombe beim Entschärfungsversuch und riss dem Polizisten Theodor Kelz beide Hände ab. Der folgenschwerste Anschlag fand im Februar 1995 in Oberwart statt, bei dem vier Roma-Angehörige – Josef Simon, Karl Horvath, Erwin Horvath und Peter Sarközi – durch eine Sprengfalle getötet wurden.
Die Terrorwelle der selbst ernannten Bajuwarischen Befreiungsarmee, die sich explizit gegen ethnische Minderheiten und ihre Unterstützer*innen richtete, dauerte bis 1997 an. Insgesamt 25 Briefbomben und drei Sprengfallen hatten 13 zum Teil Schwerverletzte und vier Tote zur Folge.
Die Bombenserie stellte einerseits den traurigen Höhepunkt eines historisch gewachsenen, tendenziell minderheitenfeindlichen Klimas in Österreich dar. Read the rest of this entry »
Oberwart: Wir gedenken des Rohrbombenattentats vom 4. Feber 1995
Ando scharto feberi deschenja enjavar desch taj pantschto bersch o lek bibastaleder atentato andi dujti republik kerdo ulo. Schtar dschene la flogoskera grupnatar le Romendar o Peter Sarközi, Josef Simon, Karl taj Erwin Horvath jeka bombatar murdarde ule. Upri bomba jek tablina upre sina, le pisinipeha „Roma zurück nach Indien“. Uso probalinipe aja tablina bejg te lel, i bomba eksplodirintscha, savi jek falato jek rasistischi motivirti serijatar le atenteteristar Franz Fuchs sina. Te ada bersch ando 4. feberi i Romapastoral uso gondolipeskero mulatintschago Erbate uso gondolipeskero than akartscha le schtar Romenge save odoj duach aja bibastali bomba pumaro ileto iste mukle, te gondolinel.
Anlässlich des Jahrestags des Rohrbombenattentats vom 4. Februar 1995, bei dem vier Volksgruppenangehörige der Roma ermordet wurden, lud die Romapastoral am Sonntag in Oberwart bei der Gedenkstätte „Am Anger“ zum jährlichen Gedenken ein.
Am 4. Februar 1995 wurde eines der schlimmsten rassistischen Verbrechen in der Zweiten Republik begangen. Vier Angehörige der Roma, Peter Sarközi, Josef Simon, Karl und Erwin Horvath, wurden in Oberwart durch eine Rohrbombe getötet. Auf der Bombe war ein Schild mit der Aufschrift „Roma zurück nach Indien“ angebracht. Bei dem Versuch, dieses Schild zu entfernen, explodierte die Sprengfalle, Read the rest of this entry »
Wie sich Erinnerung an NS-Verbrechen verändern lässt
Angle vakeraschi/Vortrag: Dr. Stefan Benedik, Historiker und Kurator, Haus der Geschichte Österreich | Moderacija/Moderation: Walter Reiss | Diskusijonaleri karika/Diskussionsrunde: Emmerich Gärtner-Horvath, Manuela Horvath, Andreas Lehner
Sar pe o palgondolipe le NS-murdaripestar te parul mukel: Dugi cajt sikatscha pe andi Austrija na jek latscho kipo: Upre odola agune thana, kaj agun o Roma dschivnahi taj tradim taj murdarde ule. Akan del gava, kaj gondolipeskere thana odole dschenenge kerde ule taj upro NS-akero murdaripe pal gondolinel.
Lange Zeit zeigte sich in Österreich ein widersprüchliches Bild: An jenen Orten, an denen keine Roma und Romnja sichtbar leben, standen teils schon lange Denkmäler, die an ihre Verfolgung in der NS-Herrschaft erinnerten. Gerade dort, wo aber Angehörige das Gedenken besonders eingefordert haben, stießen Gedenk-Initiativen auf erbitterten Widerstand. Read the rest of this entry »
Bis 1994, als Romani als eine der 20 Sprachen auf Gedenktafeln inkludiert wurde, fand sich auf dem Areal in Auschwitz kein Gedenkzeichen für Roma.