Rassismus & Menschenrechte

Podcast: Die Dis­kus­sion um die Be­nen­nung

Oktober 31st, 2024  |  Published in Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Antiziganismus, Gadje-Rassismus oder schlicht Ras­sis­mus? Die Dis­kus­sion um die Be­nen­nung der Dis­kri­mi­nie­rung und Aus­gren­zung von Sin­ti und Roma

bpb Podcast

→ Sendung downloaden (mp3)

Podcast der Bundeszentrale für politische Bildung | Gestaltung: Britta Veltzke, 2021, 34 Min. | Mit Daniel Strauß und Romeo Franz

Sintize, Sinti, Romnja und Roma werden aus­ge­grenzt und dis­kri­mi­niert – doch wie sollte diese Form von Rassis­mus an­ge­mes­sen be­nannt werden? Die De­batte um den Begriff Anti­ziga­nis­mus.

Als Bezeichnung für die Diskriminierung, die Aus­grenzung und den Rassismus, den Sin­ti­ze, Sinti, Romnja und Roma erfahren, etab­liert sich zu­nehmend der Begriff Anti­ziganis­mus. Doch ist der aus Sicht Vieler nicht der Weis­heit letzter Schluss, sondern ist von Kontro­ver­sen begleitet. Ent­gegen gehalten werden ihm Formu­lie­rungen wie „Rassismus gegen Sinti und Roma“, „Gadje-Ras­sis­mus“ oder „Anti­romais­mus“. Was aber genau wird an „Anti­ziganis­mus“ kri­tisiert? Welche Vorzüge haben andere Begriffe? Oder sind auch die wie­derum proble­ma­tisch? Ein­blicke in eine lau­fende Debatte.

Read the rest of this entry »

Gedenkorte: Serie von Vorfällen in Deutschland

Oktober 24th, 2024  |  Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte

Ein weiterer Angriff auf das Gedenken an den Völkermord an den Sinti und Roma in Deutschland: die nunmehr zerstörte Gedenktafel in der Frankfurter Kruppstraße (Bild: Förderverein Roma)Antiziganistische Schmierereien an der Ge­denk­tafel Krupp­stra­ße in Frank­furt a. M.

In der letzten Woche (Anm.: KW 41) wurde die Gedenktafel für die wäh­rend des National­sozialis­mus inter­nierten Sinti und Roma im Zwangs­lager Kruppstraße in Frank­furt anti­ziganis­tisch be­schmiert. Diese Tat ist sowohl ein Angriff auf die Erin­nerung an die Opfer des National­sozialis­mus als auch ein Angriff auf die grund­le­gen­den Werte einer Demo­kratie, wie Gleich­heit, Toleranz und Men­schen­würde. Die Frank­furter Bürger­meis­terin Dr. Nargess Eskandari-Grün­berg be­zieht Stellung: „Wir als Stadt ver­urteilen diese Ver­schande­lung von diesem so wich­tigen Ort und hoffen, dass die Ver­ant­wortli­chen gefunden werden. Es ist auch ein Ort, an dem auf­grund starken bürger­schaftli­chen Engage­ments eine Gedenktafel auf­gestellt wurde — umso wich­tiger ist die Auf­arbei­tung solcher Vor­fälle.“

Die Gedenktafel an der U-Bahn-Station Kruppstraße wurde im Jahr 1994 auf Initiative des Hessischen Landes­verbands Deutscher Sinti und Roma in der Krupp­straße an­gebracht. Sie soll die Öffent­lic­hkeit an das nahe gelegene ehe­ma­lige Zwangslager und die vor Ort be­gang­enen Verbrechen erinnern und mahnen.

Rinaldo Strauß, stellvertretender Geschäftsführer des Hessischen Landes­ver­bandes Deutscher Sinti und Roma, verurteilt die Tat: „Der Rechts­staat muss dafür Sorge tragen, dass die Ver­antwort­lichen zur Rechen­schaft gezogen werden. Dies ist er den Opfern des Völker­mordes schuldig. Meine Mutter war selbst im Lager in der Krupp­straße inter­niert und es schmerzt mich daher beson­ders, dass es noch immer Menschen gibt, die das Leid und den Schmerz der Opfer und deren Nach­fahren recht­fertigen und ver­harmlosen.“

Diese Tat reiht sich ein in eine Serie von Beschädigungen und Be­schmutzun­gen von Orten der Erinnerung mit anti­ziganistischem Motiv. Bereits im letzten Jahr wurde eine Skulptur aus Holz und Metall, die an das Zwangslager in der Krupp­straße erinnert, von Un­be­kannten um­geworfen. Erst vor zwei Wochen kam es auf dem Darmstädter Wald­friedhof zu Verwüs­tungen mehrerer Grabstellen von u. a. Gräbern Über­­lebender des Völkermords und deren Nachfahren (dROMa berich­tete). Aber nicht nur in Hessen, sondern auch in anderen Bundes­ländern kommt es immer wieder zu Vorfällen dieser Art. So wurde im Mai in Flensburg ein Mahnmal demo­liert, welches der Zwangs­um­siedlung und Deportation der Flens­burger Sinti und Roma während des National­sozialis­mus gedenkt (dROMa berich­tete). Read the rest of this entry »

Clankriminalität – Problematik eines Begriffs

Oktober 23rd, 2024  |  Published in Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht, Wissenschaft

Hörsaal – Deutschlandfunk Nova, 19.9.2024

Vortrag des Soziologen Jens Struck: „Eindeutig uneindeutig. Analy­sen und Kontro­ver­sen des Kon­zepts Clan­kri­mi­na­lität“

Clankriminalität“ – den Begriff hat wohl jeder schon mal gehört. Aber er ist sehr proble­matisch. Der Krimi­nologe Jens Struck unter­sucht den Begriff und seine Ver­wendung. Jens Struck ist neuer­dings Akade­mi­scher Rat am Lehrstuhl für Kriminologie der Uni­ver­sität Münster. Zum Zeit­punkt seines Vor­trages am 16. Novem­ber 2023 an der Katholi­schen Aka­demie „Die Wolfsburg“ war er noch an der Deut­schen Hochschule der Polizei tätig.

Moderation: Hans-Jürgen Bartsch

(Text und Beitrag: Hörsaal – Deutsch­land­funk Nova)

Read the rest of this entry »

AKE DIKHEA? 2024: Demokratie im Fokus

Oktober 19th, 2024  |  Published in Film & Theater, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

Ake Dikhea? 20248. Internationales Roma-Filmfestival
Berlin, 21. bis 27. Oktober 2024

Im Jahr 2024 reagiert AKE DIKHEA? auf die aktu­ellen Ge­fahren für die Demo­kratie: den Wahl­erfolg von rechts­radikalen Parteien in fast allen euro­päi­schen Ländern, die gesell­schaft­liche Spaltung, die wach­sende Zu­stim­mung für men­schen­feind­liche Be­we­gungen. Wir nehmen die aktu­ellen gesell­schaft­lichen Ent­wick­lungen aus der Per­spektive der mar­gina­li­sie­rten Gruppen und vor allem ihre Beiträge zur freien und gerech­ten Gesell­schaft unter die Lupe. Denn es sind Gruppen wie Sinti* und Roma*, die durch anti­demo­krati­sche Ten­denzen am meisten betrof­fen sind – und die zugleich seit vielen Jahren und aus einer inter­sektio­nalen Per­spektive auf vorderster Front gegen Unter­drücken kämpfen, sei es gegen die weiße Vor­herr­schaft der Domi­nanz­gesell­schaft, gegen aus­beute­rische Mecha­nismen des Kapita­lismus oder gegen patriar­chale Denk­muster in eigenen Familien.

Read the rest of this entry »

Hörbuch: Was weiße Menschen nicht …

Oktober 15th, 2024  |  Published in Frauenrechte, Literatur & Bücher, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Alice Hasters: Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen (aber wissen sollten)

Wer Rassismus bekämpfen will, muss Veränderung befür­worten – und die fängt bei einem selbst an. „Darf ich mal deine Haare anfas­sen?“, „Kannst du Sonnen­brand be­kommen?“, „Wo kommst du her?“ Wer solche Fragen stellt, meint es meist nicht böse. Aber den­noch: Sie sind rassis­tisch. Warum, das wollen weiße Men­schen oft nicht hören. Alice Hasters erklärt es trotz­dem. Ein­dring­lich und ge­duldig be­schreibt sie, wie Rassismus ihren Alltag als Schwarze Frau in Deutschland prägt. Dabei wird klar: Rassismus ist nicht nur ein Problem am rechten Rand der Gesell­schaft. Und sich mit dem eigenen Rassismus zu kon­fron­tieren, ist im ersten Moment schmerz­haft, aber der einzige Weg, ihn zu über­winden.

(Text: Verlagsinfo Hanser)

Wie „Spiegel TV“ rassistische Vorurteile schürt

Oktober 11th, 2024  |  Published in Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht, Wissenschaft

Screenshot: Spiegel TV (via uebermedien.de)Studie über „Clan“-Dokus: Wie „Spiegel TV“ rassisti­sche Vor­ur­tei­le schürt

Für den Band „Kritische Analysen zur sogenannten ‘Clankriminalität’“. Phäno­me­no­lo­gische Betrach­tun­gen und Konsti­tu­tion eines sozialen Problems“ hat Fabian Gold­mann alle Beiträge aus­ge­wertet, die zwi­­schen 2014 und 2023 bei „Spiegel TV“ liefen. Durch­schnittlich waren „Clans“ alle drei Monate Thema: 42 Beiträge han­delten aus­schließ­lich oder über­wie­gend von ihnen. In 29 Fällen ging es um um arabische Groß­familien. Roma-Familien standen in zwölf Beiträ­gen im Fokus.

→Der Autor schildert die Ergebnisse seiner Aus­wer­tung in einem Gast­artikel auf ueber­me­dien.de.

Eine längere Fassung des Beitrags ist im Sammelband „Kritische Analysen zur so­ge­nann­ten ‚Clan­krimi­na­lität‘“ er­schie­nen.

(Text: uebermedien.de)

Anm. der dROMa-Red.: Anders als in Deutschland ist „Clan­krimina­lität“ in Österreich kein Thema. Laut dem General­direktor für öffent­liche Sicher­heit Franz Ruf gibt es diese hier­zu­lande schlicht­weg nicht, auch nicht in Wien: „Diese Stufe haben wir nicht er­reicht.“ Auch bestehen der­zeit keine Anhalts­punkte für organi­sierte Krimi­nalität. (→Quelle)

Read the rest of this entry »

Podcast: NS-Verbrecherin Eva Justin

Oktober 8th, 2024  |  Published in Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Eva Justin (Bundesarchiv, Bild 146-1986-044-08, CC))Zwischenfälle. Hörgeschichte auf Radio Z
→zur Sendung
(25:22 min) [April 2024]

Die selbsternannte Rasseforscherin Eva Justin wurde für ihren Bei­trag zum Völker­mord an Roma und Sinti durch so­ge­nann­te Rasse­gut­ach­ten nie­mals ver­ur­teilt.

An 20.000 Angehörigen der Sinti und Roma wurden während des National­sozialis­mus auf ver­breche­rische Weise so­ge­nannte Rasse­unter­suchun­gen durch­geführt. Maß­geblich beteiligt waren zwei Personen: Robert Ritter, Psychiater und – in der Sprache der Rassisten – „Zi­geuner­forscher“. Und einen großen Teil dieser Unter­suchungen über­nahm die „Rasse­forscherin“ Eva Justin. Sie trat unter ande­rem vehe­ment für Zwangs­sterilisie­rungen ein. Diese Unter­suchungen bildeten die Grund­lage für Zwangs­maß­nahmen gegen Roma und Sinti – bis hin zur Deportation in das so­ge­nannte „Zi­geuner­lager” Auschwitz-Bir­­kenau.

Für ihren Beitrag am Porajmos, dem Völkermord an Roma und Sinti, wurden Ritter und Justin nie­mals verurteilt. Nach dem Krieg wurden sie vom Stadt­gesund­heits­amt Frankfurt in leiten­der Funktion be­schäftigt, Ritter sogar als Ober­medizinal­rat. Read the rest of this entry »

Erneut EU-Kritik an Romaklassen in Tschechien

Oktober 5th, 2024  |  Published in Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

Romakinder in Tschechien (Foto: J. Dolezal/Amnesty International)Sonderklassen für Roma-Kinder an tsche­chi­schen Schu­len: Bil­dungs­mi­nis­ter will vor Ort in­ter­ve­nie­ren

Zum wiederholten Mal steht Tschechien bei der Europäi­schen Kom­mission in der Kritik wegen der Un­gleich­be­hand­lung von Kindern der Roma-Min­derheit in Schulen. Am Donners­tag hat Brüssel erneut dazu auf­gerufen, diese Praxis zu be­enden. Roma-Kinder sind in zahl­reichen tschechi­schen Schulen weiterhin in Klassen unter­gebracht, die sie von der Mehr­heit trennen. Und sie gehen auch un­ver­hältnis­mäßig häufig in Spezial­schulen für Kinder mit geistigen oder körper­lichen Be­hin­derun­gen. [...] Damit ver­stößt Tschechien gegen die EU-Richt­linie zur „An­wendung des Gleich­be­hand­lungs­grund­satzes ohne Unterschied der Rasse oder der ethnischen Herkunft“ aus dem Jahr 2000. Mehr­fach ist die Regierung in Prag seit Mitte der Nuller Jahre bereits von Brüssel des­wegen gerügt worden.

Das tschechische Bildungsministerium hat im März dieses Jahres eine Studie dazu er­stellen lassen. [...] Dem­nach sind Roma-Kinder mit 22 Pro­zent in Spezial­klassen gängiger Schulen ver­treten und mit 15 Prozent in Spezial­schulen. Dabei machen sie nur rund drei Pro­zent der Kinder hier­zu­lande aus. [...]

Lesen Sie den hier nur in kleinen Auszügen wieder­ge­ge­be­nen Ar­tikel in vol­ler Län­ge auf radio.cz.

(Text: Radio.cz, 4.10.2024)

Deutschland: Mehrere Sinti-Gräber verwüstet

September 30th, 2024  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Vandalismus auf dem Waldfriedhof in Darmstadt (Foto: Landesverband Hessen)Vandalismus auf dem Darmstädter Wald­friedhof. Anti­zi­ga­nis­ti­sches Tat­mo­tiv „sehr wahr­schein­lich“

Zwischen dem 22. und dem 23. September 2024 wurden Gräber, in denen Darm­städter Sinti und Reisende be­stattet sind, von Un­be­kannten zer­stört. Dem Verband Deut­scher Sinti und Roma – Landes­ver­band Hessen sind acht ver­wüstete Grab­stellen bekannt, darun­ter Gräber von Über­leben­den des Völkermords und deren Nach­fahren. Der Vandalis­mus war weit­rei­chend: Grab­lichter wurden zerstört, Blumen­schmuck wurde aus­einan­der­ge­ris­sen, es wurde auf Blumen herum­ge­tram­pelt, Grab­schmuck wie Engel oder Vasen wurden aus­einan­der­ge­brochen und in einem Fall ein Garten­schlauch zer­schnitten.

Merano Bamberger, ein Enkel von Bestatte­ten, die den Völker­mord überlebt haben, be­schreibt seine Reaktion und die Reaktio­nen weiterer An­ge­höriger: „Für uns An­gehörige sind diese Grab­schändungen nur schwer zu ertragen. Wir sind in großer Trauer über diese Schä­digun­gen der Gräber. Dieser Angriff auf die Totenruhe ist für uns sehr schwe­rwiegend. Da dieser Vorfall von Vandalismus nicht der erste Vorfall ist, fordern wir als An­ge­hörige und Nutzungs­berech­tig­ten eine Video­über­wachung der Grabstellen.“

Rinaldo Strauß, stellvertretender Geschäftsführer des hessischen Landes­verbandes Deutscher Sinti und Roma bilan­ziert: „Bislang ist nicht geklärt, ob dieser Vandalismus anti­ziganis­tisch be­gründet ist. Wir halten dies jedoch für sehr wahr­scheinlich, denn es wurden aus­schließ­lich Grabstellen von Sinti oder Reisenden, die teil­weise öffent­lich be­kannt sind, be­schädigt und ge­schändet. Die Ver­rohung unserer Gesell­schaft macht selbst vor der Totenruhe nicht halt.“

Nach weiterer Prüfung wird die Melde- und Infor­mations­stelle Anti­ziganis­mus Hessen (MIA Hessen), ein Projekt des hessischen Landes­ver­bandes Deutscher Sinti und Roma, diesen Vorfall als anti­ziganis­tischen Fall auf­nehmen. MIA Hessen ordnet Vandalismus von Gräbern, in denen Über­lebende des National­sozialis­mus be­stattet sind als NS-be­zoge­nen Antiziganismus ein. Read the rest of this entry »

Wie lässt sich Rassismus messen?

September 24th, 2024  |  Published in Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

detektor.fm/brand eins Podcast, 6.9.2024, 21:30 min

Ulrich Wagner ist Sozialpsychologe und beschäftigt sich mit Ein­stellun­gen gegen­über Minder­heiten und wie man sie messen kann. Das ist keine leichte Aufgabe, denn Ein­stel­lungen und Vorurteile, die zu­dem noch unter­schied­lich bewusst sind, lassen sich schwerer quanti­fizie­ren als simple Messwerte.

(Text und Beitrag: detektor.fm/Brand eins)

Ausstellung „Cruising Utopia“ in Berlin

September 14th, 2024  |  Published in Kunst & Fotografie, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

Ausstellung Kai DikhasCruising Utopia: Scenes from the Roma-Queer Imagination

Béla Váradi, Joy Charpentier, Mersud Selman

20.9.2024 bis 11.1.2025 (frei­er Ein­tritt) | Stif­tung Kai Dikhas/Kunst­raum Dikhas Dur, Prin­zen­str. 84.2, 10969 Berlin | Er­öff­nung: 19.9.2024, 19 Uhr

Die Ausstellung „Cruising Utopia. Scenes from the Ro­ma-Queer Ima­gi­nation“ er­kundet künst­leri­sche Werke von Roma-Künst­ler*in­nen aus LGBTQIA+-Com­mu­nitys. Die Künst­ler*innen ver­binden Er­inne­run­gen, ihre Sub­jekti­vitä­ten und Dis­krimi­nie­rungs­er­fahrun­gen sowie die Er­fahrung von kollek­tivem Protest, indem sie die Macht der Vor­stellungs­kraft nutzen. Zeugnisse von Erlebtem ge­winnen dann an Legiti­mität, wenn das ge­schilderte Ereignis als bedeut­sam an­gesehen wird. Historisch gesehen wurden die Erzäh­lun­gen von Ro­ma-Queer-Per­so­nen zum Schweigen ge­bracht, aus­gelöscht oder in die Enge getrieben, als unwichtig, wenn nicht gar als pervers an­gesehen und nur in Archiven als Auf­zeichnun­gen medizini­scher Ver­derbtheit oder als Kriminal­akten auf­bewahrt. Daraus folgt, dass die (Neu-)Auf­zeichnung – oder das Neu-Erzählen – dieser Geschichten einen Akt des Engage­ments und der Vali­dierung darstellt. Die von Roma-Queer-Künst­ler*in­nen pro­duzierten Werke sind Brücken oder Media­tionen, die es tra­ditionell rassi­fizierten Subjekten, die (ge­zwun­gener­maßen) in Un­sicht­bar­keit leben, er­möglichen, eine zentrale Position ein­zu­nehmen. So zeigt die Ausstellung, wie Zeugnisse und Imagi­na­tionen von Ro­ma-Queer-Per­so­nen eine „kathar­tische Würde“ und Sicht­barkeit für an den Rand der Gesell­schaft verbannten Gemein­schaften her­stellen können.

Mittels der Performances von Joy Charpentier und Mersud Selman erkundet die Aus­stellung Ro­ma-Queer-Nar­ra­ti­ve. Indem nicht-nor­mative Erzäh­lungen ver­körpert und Stimmen und Körper insze­niert werden, suchen die Künst­ler*in­nen den Erzählungen Legit­imität zu ver­leihen. Zusammen mit den leben­digen Bildern der Fotografien von Béla Váradi er­mögli­chen sie uns, von individuellen oder auto­biogra­fischen Bezügen zu kollektiven Bio­grafien und Erinnerungen über­zugehen. Read the rest of this entry »

Counterstrategies to the Antigypsy Gaze

September 7th, 2024  |  Published in Film & Theater, Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Radmila Mladenova (Hrsg.): Counterstrategies to the Antigypsy Gaze (=Antiziganismusforschung interdisziplinär: Schriftenreihe der Forschungsstelle Antiziganismus, Bd. 5), Heidelberg 2024Radmila Mladenova (Hrsg.): Counter­stra­te­gies to the Anti­gypsy Gaze (=Anti­zi­ga­nis­mus­for­schung inter­dis­zip­li­när: Schrif­ten­rei­he der For­schungs­stel­le Anti­zi­ga­nis­mus, Bd. 5), Hei­del­berg 2024.

In der Schriftenreihe Antiziganismus inter­diszipli­när der For­schungs­stelle Anti­ziganis­mus ist jüngst der von Rad­mila Mla­denova heraus­ge­ge­bene Sammel­band „Counter­stra­tegies to the Anti­gypsy Gaze“ er­schienen. Der Band befasst sich damit, wie sich Anti­ziganismus im Film be­gegnen lässt.

Ziel ist es, den Fokus weg von der Antiziganismus­kritik zu ver­lagern und die Diskussion über die künst­le­rischen Gegen­strate­gien zum Anti­ziganismus zu eröffnen, die die Not­wendigkeit inter­textueller, trans­kultureller und trans­medialer Ansätze bei der Analyse hervor­hebt. Die Beiträge stellen die Anwend­bar­keit der For­schungs­er­geb­nisse in den Vorder­grund und bieten eine breite Palette an Bei­spielen, die für Filme­macher und Fach­leute aus der Film­industrie nützlich sein könnten. Der Band doku­men­tiert die Fallstudien des inter­natio­nalen Work­shops „Artistic Alter­na­tives to the Antigypsy Gaze“, der 2021 in Heidel­berg stattfand.

Das Buch erscheint in hybrider Form, ist also sowohl als Soft­cover über den Buch­handel als auch kos­ten­los zum Download im Internet ver­fügbar.

(Text: Zentralrat)

Siehe auch:
Visuelle Dimensionen des Antiziganismus (2021)
The ‘White’ Mask and the ‘Gypsy’ Mask in Film

Tagungsband „Antiziganismus und Film“
Von, mit oder über Sinti und Roma? Überlegungen zum The­men­feld Anti­zi­ga­nis­mus und Film

Pressemonitoring: Newsletter des Zentralrats

August 27th, 2024  |  Published in Einrichtungen, Internet & Blogothek, Medien & Presse, Politik, Rassismus & Menschenrechte

Neues Presse- und Politikmonitoring zu Sinti und Roma: Wöchent­licher News­let­ter des Zentral­rats Deut­scher Sinti und Roma Neues Presse- und Politikmonitoring zu Sinti und Roma: Wö­chent­licher News­let­ter des Zentral­rats Deut­scher Sinti und Roma

Seit April 2024 setzt der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma ein sys­tema­tisches Presse- und Politik­mo­nito­ring-Pro­jekt um. Ge­fördert wird dieses vom Be­auf­tragten der Bundes­regierung gegen Anti­ziganis­mus und für das Leben der Sinti und Roma. Ziel ist, durch dieses Monitoring Selbst­organi­sationen, zivil­ge­sell­schaft­liche Organi­sationen, wissen­schaftliche Ein­richtungen und mit der Thematik befasste Institu­tionen wöchent­lich über aktuelle Ent­wicklun­gen in Politik und Gesellschaft und über rele­vante Inhalte in der Medien­bericht­er­stat­tung zu infor­mieren. Daher stellt der Zentralrat einen wöchent­lichen Newsletter per E-Mail zur Verfügung. Dieser enthält eine Sammlung rele­vanter Bericht­erstattung sowie politischer Vorgänge zu Themen der Minder­heit der Sinti* und Roma* sowie dem Themen­bereich Anti­­ziganismus.

Sie können sich hier für den Newsletter an­melden.

(Text: Zentralrat)

Podcast: Was ist Antiziganismus?

August 26th, 2024  |  Published in Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Gespräch mit Rinaldo Strauß, Feb. 2023
Extreme Zeiten, Podcast des Demokratiezentrums Hessen

Obwohl die Angehörigen der Sinti und Roma seit über 600 Jahren in Deutschland leben, sind sie häufig Opfer von Vor­urteilen und Dis­kriminie­rung – auch in Hessen. Viele sprechen aus Angst nicht offen über ihre Zu­ge­hörig­keit, denn die ver­meint­li­chen Zu­schrei­bungen, sie seien Kriminelle und eine Gefahr, halten sich hart­näckig in der Öffent­lich­keit. Dabei gibt es viele be­rühmte Sinti und Roma. [..] Mit der sog. Macht­ergreifung der National­sozia­listen im Januar 1933 wurden auch die An­gehöri­gen der Sinti und Roma syste­matisch verfolgt und getötet. Doch trotz An­erkennung ihres Leids sind sie laut einer Studie der Agentur der Euro­päischen Union für Grundrechte von 2009 bis heute einer der am stärksten dis­kriminier­ten Gruppen Europas. Doch wie gestaltet sich heute die Lebens­realität für die vielen Sinti und Roma in Hessen? Diese Fragen hat Angela Fitsch im Interview mit Rinaldo Strauß, dem Vor­sitzenden des hessischen Landes­ver­bands Deutscher Sinti und Roma, be­sprochen. Er berichtet von seinen eigenen Dis­kri­minie­rungs­erfah­run­gen und von seiner Bildungs­arbeit an Schulen.

(Text und Beitrag: Extreme Zeiten)

Krone.at: Entscheid des Presserats

August 13th, 2024  |  Published in Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Krone.at: Titelansicht des Artikels vom 7. März 2024 (Screenshot)Am 7. März 2024 erschien auf Krone.at ein Arti­kel von Mario Ruhmanseder: „Roma-Durchreiseplatz: Ag­gres­si­ve Volks­grup­pen mu­tie­ren zu Dauer­cam­pern“, be­bil­dert mit einer Drohnen­auf­nahme von eini­gen Wohn­wägen auf dem Durch­gangs­platz in Pichling (Linz). Wir haben den Öster­rei­chi­schen Presserat ein­ge­schal­tet (und waren offen­bar nicht die Ein­zigen, die an dieser ras­sis­ti­schen Stim­mungs­mache An­stoß nah­men). Nun hat sich das zu­stän­dige Gremium des Presse­rats mit dem Fall be­fasst und ist zu fol­gen­der Be­urtei­lung ge­langt – der Ent­scheid er­geht als Schrei­ben an die Chef­redak­tion von krone.at:

Der Senat 2 des Presserats befasste sich aufgrund mehrerer Mitteilungen mit dem Beitrag „Aggressive Volksgruppen mu­tieren zu Dauer­campern“, er­schienen am 07.03.2024 auf „krone.at“. [...] Mehrere Leserin­nen und Leser, darunter auch ein Ver­treter des Vereins Roma-Service, wandten sich wegen des Beitrags an den Presserat und kriti­sierten ihn als dis­kriminie­rend gegen­über Roma und Sinti. Der Artikel bediene mehre­re anti­ziganis­tische Stereo­type und ver­unglimpfe eine ganze Ethnie, etwa durch die Be­zeich­nung als „aggressive Volks­gruppen“ in der Über­schrift sowie den Zusatz „Roma-Durch­reise­platz“.

Der Senat hält es für angemessen, Ihnen die Kritik der Leserinnen und Leser auf diesem Weg zur Kenntnis zu bringen. Aus medien­ethischer Sicht sind sowohl Pauschal­ver­un­glimpfun­gen als auch Dis­krimi­nie­run­gen aus ethnischen Gründen generell un­zulässig (Punkte 7.1 und 7.2 des Ehren­kodex für die öster­reichische Presse). Nach Auf­fassung des Senats weist ins­beson­dere die Formu­lierung „aggres­sive Volks­gruppen“ ein pau­schalie­ren­des Element auf und ist geeignet, Ressen­ti­ments bzw. Vorurteile gegen­über Roma und Sinti zu schüren (vgl. u.a. die Ent­scheidun­gen 2014/023, 2016/209 und 2018/199). Aller­dings berück­sichtigt der Senat, dass der vor­lie­gende Beitrag im Nach­hinein ab­ge­ändert und der Begriff „aggressiv“ aus der Über­schrift ent­fernt wurde; mittler­weile ist bloß noch von „Volks­gruppen“ die Rede. Read the rest of this entry »

Städtebau, Verdrängung, Geschlecht (2024)

August 4th, 2024  |  Published in Frauenrechte, Hochschulschriften, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Universität WienIrina Radu (2024): Städtebau, räumliche Verdrängung und Geschlecht. Das Bei­spiel der Roma im post­sozia­lis­ti­schen Rumänien

Masterarbeit, Universität Wien (Fakultät für Sozial­wissen­schaften), 118 S.

→Zum Download der UB Wien (pdf)

Abstract: Die vorliegende Masterarbeit untersucht die mit dem Über­gang zum Kapitalismus in Ru­mänien ein­setzen­de Ver­drängung der Roma aus ihren Wohnungen und deren Folgen ins­beson­dere für Ge­schlech­ter­ver­hält­nisse. Im Gegen­satz zur staats­sozialis­ti­schen Periode Rumäniens vor 1989, deren Ideologie auf Ver­staat­lichung und Gleichheit abzielte, sich gegen Klassen- und Kultur­unter­schiede wandte und Elends­viertel ebenso wie Prunk­bauten ab­lehnte, führten die polit­ökono­mische und gesell­schaftli­che Trans­formation und ins­beson­dere die Priva­tisie­rung und Kom­mo­difi­zie­rung von Wohnraum und Land im Post­sozialis­mus zu er­heb­licher Un­gleich­heit von Lebens­bedin­gungen und zur Ver­drängung und räum­lichen Segregation vieler Be­dürftiger, vor allem Roma. Die räumliche Verdrän­gung hatte vieler­orts die Errichtung von infor­mellen Roma-Sied­lungen in räumlich und sozial margina­lisierten Gebieten zur Folge, die mit der Wieder­be­lebung traditio­neller Roma-Ge­mein­schaften einher­ging. Damit verband sich zugleich die – im öffentlichen wie im akade­mischen Diskurs bisher kaum reflek­tierte – Re­traditio­na­li­sie­rung von Ge­schlechter­ver­hältnis­sen in der Roma-Com­mu­nity, die für Roma-Frauen vor allem ver­stärkte patriarchale Rollen­zu­schrei­bungen, erhöhte soziale Kontrolle, zusätz­liche Care-Arbeit und räum­liche Isolation be­deutete.

Hochschulschrift (Masterarbeit); Betreuerin: Gabriele Michalitsch

u:theses ist das Hochschulschriften-Repositorium der Universität Wien.

UB Wien: utheses.univie.ac.at/detail/70120

WDR 5 Podcast: Antiziganismus

Juli 18th, 2024  |  Published in Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

WDR 5 | Neugier genügt – Das Feature, 4.6.2024

Viele Sinti und Roma in Deutschland erfahren starke grup­pen­be­zo­gene und indivi­duelle Dis­krimi­nie­rung – sobald sie sich outen. Um Be­nach­teili­gun­gen aus dem Weg zu gehen, ver­schwei­gen viele ihre Wurzeln, be­rich­tet Larissa Schmitz.

(Beitrag und Text: WDR 5)

MIA-Jahresbericht: Vorfälle fast verdoppelt

Juni 28th, 2024  |  Published in Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte

MIA-Jahresbericht 2023: Romani Rose, MIA-Vereinsvorsitzender Silas Kropf und der Antiziganismusbeauftragte des Bundes, Dr. Mehmet Daimagüler, bei der Vorstellung des Jahresberichts. Bildrechte: ZentralratDie deutsche Melde- und Informa­tions­stel­le An­ti­zi­ga­nis­mus (MIA) ver­öf­fent­licht ihren zwei­ten Jah­res­be­richt zu anti­ziga­nis­ti­schen Vor­fäl­len in Deutsch­land. Die Vor­fall­zahl hat sich im Ver­gleich zum Vor­jahr bei­na­he ver­doppelt.

Am 17. Juni 2024 wurde der Jahresbericht der Melde- und Infor­mations­stelle Anti­ziganis­mus MIA zu anti­ziganis­ti­schen Vorfällen in Deutschland aus dem Jahr 2023 auf der Bundes­presse­kon­fe­renz in Berlin vor­gestellt. Für 2023 hat MIA ins­gesamt 1.233 anti­ziganistische Vorfälle erfasst. Dies ist eine deutliche Stei­gerung im Vergleich zum Vorjahr (621 Vorfälle). Die höheren Zahlen stehen im Zu­sam­men­hang mit dem Rechtsruck in Deut­schland und sind auch durch den wach­senden Bekannt­heits­grad von MIA zu erklären. Es ist nach wie vor von einem großen Dunkelfeld anti­ziganis­tischer Vorfälle aus­zu­gehen, das erst in den kom­menden Jahren schritt­weise erhellt werden kann.

Reem Alabali-Radovan, Beauftragte der deutschen Bundes­regierung für Antirassismus, wür­digte das Engage­ment: „Was MIA in den letzten Jahren aufgebaut hat, ist be­ein­druckend. Hier wird deutlich, wie wichtig solche Melde­stellen für die Commu­nitys sind. Sie sind es, die die Situation der Betrof­fenen am besten kennen und wissen, was ge­braucht wird. Wichtig ist mir auch: Wenn wir über Zahlen und Daten des 2. Jahres­berichts der Melde­stelle sprechen, dürfen wir nicht vergessen, dass hinter jeder dieser Zahlen ein Mensch steht, der Gewalt, der Hass, der Unrecht erlebt hat.“

Bei den Vorfällen stechen drei Aspekte ins Auge: Die erste, alarmie­rende Erkenntnis ist die ein­deutige Zunahme extremer Gewalt. Nach einem Vorfall im Jahr 2022 hat MIA im aktuellen Bericht 10 Fälle extremer Gewalt doku­mentiert. Read the rest of this entry »

Gerechtigkeit für bleivergiftete Roma

Juni 12th, 2024  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

offener briefZahlreiche Roma-Organisationen, die „Gesell­schaft für be­droh­te Völ­ker“ (GfbV) und in­ter­na­tio­na­le Men­schen­rechts-An­wältin­nen und -An­wälte ha­ben einen offe­nen Brief an UN-Ge­ne­ral­sekre­tär Guterres ge­schrie­ben. Darin for­dern sie Ent­schädi­gung für die Roma, die 1999 in den blei­ver­seuch­ten La­gern der UN im Kosovo ver­gif­tet wur­den oder ihre An­ge­hö­ri­gen ver­loren.

RAN, 24.4.2024: Nach dem Kosovokrieg 1999 wurden die Roma aus dem Kosovo syste­matisch ver­trieben. Viele flohen in die an­grenzen­den Gebiete. Wer konnte, floh in den Westen. Ein kleiner Teil der ver­trie­benen Roma wurde in Lagern unter­ge­bracht, die die Übergangs­ver­wal­tung der UN im Kosovo (UNMIK) in Nord-Mitrovica ein­richtete. Diese Lager be­fanden sich in direkter Nähe zu einer Blei­schmelz­anlage, die seit den 1970er Jahren die Gegend ver­giftete. Die Erde, das Wasser und die Luft waren hoch­gradig mit Schwer­metallen belastet. Schnell ent­wickel­ten viele Bewoh­nerin­nen und Bewohner der Lager, ins­beson­dere die Kinder, Symp­tome einer Bleiv­ergiftung. Es kam zu Fehl­geburten, Kinder wurden mit Hirn­schäden geboren, Men­schen starben.

Bereits im Jahr 2000 hat ein Arzt hohe Menschen an Blei im Blut von Bewoh­nern und Be­wohnerin­nen festgestellt und die sofor­tige Evakuierung em­pfohlen. Ein deutscher Arzt hat die seines Wissens nach höchste Kon­zentra­tio­nen von Blei in den Haaren der Bewoh­ner/in­nen gefunden, die jemals ge­messen wurden. Dennoch wurden die Lager erst zwischen 2010 und 2013 auf­gelöst. Die meisten ehe­mali­gen Be­woh­ner/in­nen leben bis heute in desaströ­sen Zuständen und mit ruinierter Gesundheit im Ko­sovo, manche in an­deren Ländern.

Roma-Organisationen und andere Menschenrechtler/innen haben viele Jahre darum gekämpft, dass die Men­schen Hilfe be­kommen, um­gesiedelt werden, Ent­schädigung be­kommen. Die amerika­nische Men­schen­rechts-An­wäl­tin Dianne Post vertritt seit 2005 knapp 200 der geschä­digten Roma und hat in ihrem Auftrag geklagt. Read the rest of this entry »

Gedenkort in Schleswig-Holstein beschädigt

Juni 2nd, 2024  |  Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte

Demoliertes Holocaust-Denkmal in Deutschland: Flensburg im Mai 2024 (Foto: Verband Deutscher Sinti und Roma – Landesverband Schleswig-Holstein)Räudige Untat“: Bestürzung nach An­schlag auf Holo­caust-Mahn­mal für er­mor­dete Sinti und Roma in Flens­burg

Der Gedenkort für die vom NS-Regime deportier­ten Sinti und Roma aus Flensburg und Um­gebung am Steinfelder Weg bei der Freien Waldorf­schule Flensburg ist ver­gan­gene Woche be­schädigt worden. Die rund 100 Kilo­gramm schwere Metall­stele, auf der die Namen von 44 Depor­tierten aus der Region ein­graviert sind, wurde gewalt­sam aus der Ver­ankerung ge­rissen. Das demo­lierte Denkmal wurde von Kindern auf dem Schul­gelände ent­deckt. Der Angriff dürfte sich in der Nacht zum Mitt­woch zu­getragen haben, ver­mutlich waren mehrere Täter/in­nen beteiligt. Polizei und Staatsschutz ermitteln. Zeugin­nen und Zeugen werden gebeten, sich zu melden.

Neuer Gedenkplatz

Die Gedenkstelle war erst im Herbst 2023 bei der Freien Waldorf­schule Flensburg er­richtet worden. Auf dem Areal der Schule waren in der NS-Zeit Sinti und Roma zwangs­weise unter­gebracht worden, bevor sie schließ­lich, 1940, in die Konzentrationslager im Osten deportiert wurden. „Der Platz ist rund an­gelegt, drei Bänke und Hecken­rosen um­fassen ihn“, be­schreibt Denk­mals-Ini­tia­to­rin Constanze Hafner die Gedenk­stelle:

Es gibt eine Tafel, die dem Gedenken Aus­druck gibt, sowie zwei Skulpturen. Die eine ist in die Erde ein­ge­lassen, die andere steht auf einer Stele, auf der an drei Seiten um­laufend die 44 Namen zu lesen sind. Die Namen sind so an­ge­bracht, dass jederzeit weitere ein­getra­gen werden können.

„Verwerflicher Akt“

Die Sinti-Vertreter/innen zeigen sich bestürzt. „Als Nachfahrin von Holocaust-Über­lebenden bin ich un­fassbar traurig und wütend. Ich frage mich, wann die Ent­würdi­gun­gen unserer Menschen endlich auf­hören“, so Kelly Laubinger, Vor­sitzen­de der Sinti-Union Schles­wig-Hol­stein, gegen­über der „taz“.

Read the rest of this entry »