Magyars Signale (Teil 2)
Mai 31st, 2026 | Published in Einrichtungen, Politik
Fünf Abgeordnete im Parlament: Ungarns Neustart und die Roma
→Teil 1: „Außergewöhnlicher Moment“
Die neue Regierung in Ungarn ist angelobt. Fünf Roma-Mandatarinnen und -Mandatare gehören nun der Nationalversammlung (Országgyűlés) an: vier aus Péter Magyars Regierungspartei TISZA und einer aus Viktor Orbáns Fidesz. Ein weiterer Roma-Vertreter der Fidesz-Fraktion verzichtete auf sein Mandat. Über die Nationalitätenliste entsendet die Volksgruppe zudem einen nicht stimmberechtigten Sprecher. Für ein reguläres Minderheitenmandat hat es auch diesmal nicht gereicht. Wir stellen Sie Ihnen die Politiker vor.
Die ungarischen Parlamentswahlen im April 2026 brachten eine historische Zäsur. Magyars TISZA stellt in der neuen Nationalversammlung 141 der 199 Abgeordneten. Diese wurden am 9. Mai in Budapest angelobt. Der Fraktion der siegreichen TISZA-Partei gehören nun folgende Politikerinnen und Politiker mit Roma-Hintergrund an:
Die TISZA-Fraktion
Krisztián Kőszegi (TISZA) aus dem südungarischen Komitat Baranya ist Lehrer für Geschichte und Geografie. Er leitet ein Bildungszentrum und den Verein „Freedrom“ und arbeitet mit Kindern aus benachteiligten Verhältnissen, zudem engagiert er sich in Communityprojekten. Als Kernpunkte seines Programms nennt er laut Romea.cz: „Bildung, die Entwicklung von Gemeinschaften und die Schaffung von Bedingungen, damit junge Menschen ihre Regionen nicht verlassen müssen“. In der Eröffnungssitzung am 9. Mai wurde er zum stellvertretenden Parlamentspräsidenten gewählt.
Erika Jójártová aus Solt verbrachte die die letzten zehn Jahre als Krankenpflegerin und medizinische Assistentin im Ausland. Auch sie kandidierte für TISZA. Als zentrale Themen ihrer politischen Agenda nennt sie laut Romea.cz „eine stärkere Anerkennung des nichtärztlichen Pflegepersonals, die häusliche Altenpflege und die Unterstützung von Kindern aus benachteiligten Verhältnissen“.
István Gyöngyösi (TISZA) aus Mezőgyán arbeitet im Finanzsektor und absolviert parallel einen Masterstudiengang in Sozialpädagogik. Er stammt aus einem sozial benachteiligten Umfeld, studierte Sportmanagement, lebte in den USA und gründete ein eigenes Unternehmen. In seinem Programm betont er „die Erneuerung öffentlicher Dienstleistungen, die Schaffung von Arbeitsplätzen und das Bestreben, junge Menschen in den Regionen zu halten“.
Mihály Balogh (TISZA) ist Vorsitzender der regionalen Roma-Selbstverwaltung in Tiszalök und zugleich Vertreter in der Nationalen Roma-Selbstverwaltung (ORÖ). Er ist Unternehmer und arbeitet als Bauleiter in der Baufirma seiner Familie. Zu seiner Schwerpunktsetzung zählen „die Stärkung der Beschäftigungsmöglichkeiten vor Ort, die Verbesserung der Gesundheitsversorgung und der Ausbau der lokalen Infrastruktur“.
Zwei Fidesz-Kandidaten
Derzeit einziger Rom in den Reihen der Fidesz-Fraktion ist Béla Radics. Er war als Direktkandidat im Budapester Wahlkreis Zugló angetreten und gescheitert. Dank der Umreihung der Kandidaten kam Radics über die nationale Liste überraschend dennoch zum Zug. Seine Karriere begann in der Fidesz-Jugendorganisation Fidelitas und als Kommunalpolitiker in Budapest. Nach seinem BWL-Studium und einer kurzen unternehmerischen Laufbahn wechselte er vollständig in die Politik. Vor den Wahlen 2026 geriet der 30-Jährige ins Zentrum eines Finanzskandals rund um Unregelmäßigkeiten bei einer von ihm geleiteten Stiftung.
Der einflussreiche Roma-Vertreter Attila Sztojka (Fidesz) schied aus dem Parlament, dem er seit 2022 angehörte, aus. 2021 war er zum Regierungsbeauftragten bzw. 2024 zum Staatssekretär für Roma-Angelegenheiten ernannt worden. Seine Fidesz-nahe Liste CiKöSz dominierte zuletzt auch die Wahlen der Roma-Selbstverwaltung (ORÖ). Bei den aktuellen Wahlen konnte Sztojka seinen Sitz – dank einem sicheren 15. Listenplatz – zwar behaupten, allerdings trat er sein Mandat nach der Fidesz-Niederlage nicht an. Laut Medienberichten musste er es „aufgrund der Entscheidung des ehemaligen Ministerpräsidenten“ abtreten.
Vertreter ohne Stimmrecht
Über die separaten Nationalitätenlisten, die das ungarische Wahlrecht für die dreizehn anerkannten Minderheiten vorsieht, wurde diesmal kein einziges Mandat vergeben – auch nicht für die numerisch starke Roma-Volksgruppe. Der Fidesz-nahe Politiker István Aba-Horváth übernahm stattdessen nur die Funktion des Roma-Minderheitensprechers. Dieses Amt sieht kein eigenes Stimmrecht vor. In der vorangegangenen Legislaturperiode 2022 bis 2026, wurde die Roma-Minderheit von keinem offiziellen Volksgruppen-Sprecher im Parlament vertreten. Der Grund dafür war, dass sich die Selbstverwaltung der Roma (ORÖ) im Vorfeld der Wahl 2022 aufgrund schwerer interner Streitigkeiten nicht rechtzeitig auf eine gemeinsame Wahlliste und einen Kandidaten einigen konnte.
Ende des 2. Teils – Fortsetzung folgt
Siehe auch:
Magyars Signale (Teil 1) – „Außergewöhnlicher Moment“: Ungarns Neustart und die Roma
(Text: Roman Urbaner / dROMa)