DOSTA: Antiziganismus-Rekordzahl in Berlin

April 29th, 2026  |  Published in Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte

Jahresbericht 2025: Dokumentation antiziganistischer Vorfälle in Berlin (Amaro Foro)DOSTA-Bericht 2025: 293 dokumentierte Vor­fälle anti­ziga­nis­ti­scher Dis­kri­mi­nie­rung in Berlin – höchs­te je er­fass­te Fall­zahl und be­sorg­nis­erre­gen­de Ent­wick­lun­gen

Die Dokumentationsstelle Antiziganismus (DOSTA/MIA Berlin) ver­öffent­lich­te ges­tern ihren Jahres­bericht für 2025 (→Download). Ins­ge­samt wur­den im ver­gan­ge­nen Jahr 293 Vor­fälle anti­ziga­nis­ti­scher Dis­krimi­nie­rung in Berlin er­fasst – die höchste je doku­men­tierte Fall­zahl. Damit wird erneut das Niveau der bereits hohen Werte der Vor­jahre über­troffen.

„Die konstant hohen und nun nochmals gestiegenen Fallzahlen zeigen, dass Anti­ziganis­mus ein struk­turelles Problem bleibt. Gleich­zeitig wissen wir, dass viele Betrof­fene Dis­kriminie­rung nicht melden – aus Angst vor Kon­sequen­zen oder fehlen­dem Vertrauen in Institu­tio­nen“, sagt Pro­jekt­leiterin Violeta Balog.

Die meisten dokumentierten Vorfälle ereigneten sich in den Lebens­bereic­hen Alltag und öffent­li­cher Raum (66 Fälle), Bildung (60 Fälle) sowie Kontakt zu Behörden (42 Fälle). Beson­ders im Bildungs­bereich ver­zeich­net DOSTA/MIA Berlin einen Anstieg anti­ziganis­ti­schen Mobbings gegen­über Schü­ler:innen, die Rom:nja sind. Gleich­zeitig fehlt es weiter­hin an aus­reichen­der Auf­klärung über Anti­ziganis­mus sowie an unabhän­gigen Be­schwerde­struktu­ren an Schulen. Ein wieder­keh­rendes Problem stellt zudem die fort­gesetzte Nutzung rassis­tischer Fremd­bezeich­nun­gen dar, die in ver­schiede­nen Lebens­bereichen – auch im schuli­schen Kontext – zu­nehmend norma­lisiert wird und weiter­hin Teil all­täglicher Dis­kriminie­rung ist.

Im Bereich des Kontakts zu Behörden dokumentiert die Meldestelle erneut Fälle, in denen Rom:nja oder als solche gele­sene Menschen auf­grund rassis­tischer Praktiken der Zugang zu exis­tenz­sichern­den Leis­tungen verwehrt wird.

Der Bericht zeigt zudem deutlich, dass sich der gesellschaftliche und politische Rechts­ruck in den Fall­meldungen wider­spiegelt. Anti­ziganis­tische Aus­sagen und Narrative finden zu­neh­mend Eingang in öffent­liche und politische Diskurse. So sorgte im ver­gan­genen Jahr unter anderem ein anti­ziganis­tischer Kom­mentar eines CDU-Ab­geord­neten in sozialen Netz­werken für Auf­merk­samkeit, in dem er nicht nur einen Begriff mit NS-Kon­tinuität verwendet, son­dern diesen auch verteidigt und mit rassis­tischer, migra­tions­feind­licher Rhetorik ver­knüpft.

„Wir beobachten mit großer Sorge, dass antiziganistische Positionen zuneh­mend öffent­lich ge­äußert und norma­lisiert werden auch von politischen Ak­teur:in­nen. Diese Ent­wicklung spiegelt sich direkt in den Dis­krimi­nie­rungs­erfah­rungen der Betrof­fenen wider”, erklärt Balog weiter.

Darüber hinaus analysiert der Bericht die Rolle medialer Berichterstat­tung, etwa im Zu­sammen­hang mit einem Hotel in Berlin Tempelhof-Schöneberg, sowie poli­tische Debatten rund um an­gebli­chen Sozial­leistungs­miss­brauch. Diese Narrative werden nicht nur von rechts­popu­listi­schen Akteur:in­nen, sondern auch von Regie­rungs­parteien auf­ge­griffen und für restriktive Maß­nahmen instru­men­tali­siert.

Ein besonderer Fokus liegt in diesem Jahr zudem auf dem Thema Arbeits­ausbeu­tung, von der ins­besondere ost­euro­päische Arbeits­kräfte aus der Minder­heit betroffen sind. Diese werden häufig gleichzeitig als „Sozial­leistungs­betrü­ger:in­nen” oder „Armuts­migrant:in­nen” diffa­miert. Der Bericht gibt hierzu ver­tiefende Einblicke in Erschei­nungs­formen und struk­turelle Hinter­gründe dieser Aus­beu­tungs­ver­hält­nisse.

DOSTA/MIA Berlin betont die zentrale Bedeutung von Antidiskriminierungs­arbeit und Monitoring­stellen, ins­besondere in Zeiten zu­nehmen­der gesell­schaft­licher Polari­sierung. Der Bericht macht deutlich: Es braucht ver­stärkte Maß­nahmen in Bildung, Ver­waltung und Politik, um Anti­ziganis­mus wirksam ent­gegen­zu­treten und Betroffene nach­haltig zu schützen.

(Text: Amaro Foro)

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