Burgenland: Diskriminierendes Polizeischreiben
Mai 8th, 2026 | Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Gleichbehandlungsanwaltschaft kritisiert diskriminierendes Polizeischreiben: Das Schreiben bedient historische antiziganistische Stereotype. Behörden tragen eine besondere historische Verantwortung.
Wien (OTS) — Ein Schreiben der Polizeibehörde Neusiedl warnt die dort ansässige Bevölkerung vor Rom:nja und Sinti:zze. Aus Sicht der Gleichbehandlungsanwaltschaft ist ein solches Schreiben vor dem Hintergrund des geltenden Diskriminierungsschutzes und der historischen Verantwortung von Behörden inadäquat. Im Schreiben der Polizei wird der lokalen Bevölkerung unter anderem empfohlen, keine Dienstleistungen von Rom:nja in Anspruch zu nehmen, deren selbständige Tätigkeit pauschal als unseriös diskreditiert wird. Darüber hinaus werden Sicherheitsempfehlungen getätigt, die Rom:nja und Sinti:zze als zu Kriminalität neigende Personengruppe darstellen. Die Beratungserfahrung der Gleichbehandlungsanwaltschaft zeigt, dass viele Rom:nja und Sinti:zze Diskriminierungserfahrungen machen, die mit diesem Vorurteil zusammenhängen.
Die EU-Antirassismusrichtlinie bietet umfassenden Diskriminierungsschutz. Zudem verbietet das Gleichbehandlungsgesetz Rassismus in der Arbeitswelt. Geregelt ist darin auch der Aufbau einer selbstständigen Tätigkeit. Selbständigkeit ist eine wichtige Einkommensquelle für zahlreiche in Österreich niedergelassene Menschen, ebenso wie für Personen, die ihr EU-Freizügigkeitsrecht nutzen. Das polizeiliche Schreiben weist die Bevölkerung dazu an, Dienstleistungen von Rom:nja und Sinti:zze pauschal abzulehnen.
Sandra Konstatzky, Leiterin der Gleichbehandlungsanwaltschaft macht auf das Diskriminierungspotenzial aufmerksam: „Der EuGH hat festgestellt, dass öffentliche Äußerungen, die zum Ausschluss bestimmter ethnischer Gruppen vom Arbeitsmarkt führen, als unmittelbare Diskriminierung zu qualifizieren sind. Wenn jemand davor warnt, Geschäfte mit bestimmten Gruppen an Personen abzuschließen, kann das eine Anweisung zur Diskriminierung darstellen.“ Read the rest of this entry »