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Überblick: Rassismus-Skandal im Burgenland

Mai 11th, 2026  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Offener Antiziganismus der Polizei in Burgenland (Schreiben: Polizei im Bez. Neusiedl am See)Seit einer Woche sorgt ein Schrei­ben der Bezirks­polizei Neusiedl am See für Auf­re­gung, nicht nur in der Volks­gruppe im Bur­gen­land. Die Polizei hatte die Be­völke­rung, an­läss­lich der An­kunft einer fran­zösi­schen Sinti-Grup­pe, die in Parndorf campiert, ­pau­schal vor kri­minel­len Machen­schaf­ten des „fahren­den Volkes“ ge­warnt – fast so, als wären wir noch in den 1930er Jahren. Medien wie „Krone“ oder „AUF1“ haben die Dif­fa­mie­rung einer gan­zen Volks­gruppe bereit­willig ver­breitet. Nun stellt sich heraus: Eine wort­gleiche Aus­sen­dung gab es be­reits im Vor­jahr – und damals wie heute sind kei­ner­lei kri­minelle Vor­komm­nis­se be­kannt. Ein erster Über­blick über einen Skan­dal.

„Seit kurzem hält sich wieder eine Gruppe mit Angehörigen des ,Fahrenden Volkes‘ im Bezirk Neu­siedl am See auf“, heißt es im polizei­li­chen Infor­mations­schreiben, das am 4. Mai 2026 über die Plattform „Ge­mein­sam.Sicher“ ver­breitet wurde. Den Wortlaut der Aus­sendung geben wir im Fol­genden un­gekürzt (aber mit kor­rigier­ter Recht­schrei­bung) wie­der:

Die Polizei möchte Sie [s]ensibilisieren. Schließen Sie keine „Haustür­geschäfte“ ab! D.h. kaufen Sie z. B. keine minder­werti­gen Waren zu über­höhten Preisen. Nehmen Sie keine Arbeiten an [I]hrem Haus wie z. B. Fassaden- oder Dach­rinnen­reini­gungen, Asphal­tierun­gen oder [Ä]hn­liches in Anspruch! Halten Sie [I]hre Haus- oder Wohnungs­tür immer ver­schlos­sen! Lassen Sie keine fremden Personen in [I]hr Haus oder [I]hre Wohnung! Auch nicht, wenn [S]ie nur um ein Glas Wasser ge­beten werden! Solange [I]hre Haustüre ge­öffnet ist, gehen Sie nicht weg[,] um etwas zu holen! Notieren Sie sich, wenn mög­lich[,] even­tuelle Fahrzeug­kenn­zeichen und Per­sonen­beschrei­bun­gen! Bei der­artigen Wahr­nehmungen scheuen Sie sich nicht[,] Kontakt mit [I]hrer zu­ständigen Polizei­inspek­tion aufzunehmen! Bitte teilen Sie diese Infor­mation auch mit Ihren Nachbarn, Ihrer Familie, Freunden und Be­kannten, damit kein Schaden ent­steht!“

Die „Kronen-Zeitung“, deren Kampagnen gegen fahrende Gruppen bereits den Presserat be­schäf­tigten (siehe hier und hier), griff die Aus­sendung am 4. Mai 2026 in einem reiße­risch auf­ge­machten Artikel (Über­schrift: „Bitte um Vorsicht: Polizei warnt vor dem ,fahrenden Volk‘“) auf – brachte aber immer­hin später auch einen Gegen­artikel, als sich auf­ge­brachte Volks­gruppen-Ver­treter bei der Redak­teurin meldeten.

Polizeiwarnung und Medienberichte wurden (und werden) auch in den Sozialen Medien rasant ver­breitet. Die Aus­sendung der Polizei wurde jedoch, ebenso wie der ursprüng­liche Artikel der „Kronen-Zeitung“, inzwi­schen offline genommen. Aller­dings: der ent­spre­chende Video­beitrag der „Krone“ ist in ihren Social-Media-Ka­nälen nach wie vor ab­rufbar, etwa hier auf Facebook – die Klick­zahlen gehen längst in die Hun­dert­tausende.

Protest aus der Volksgruppe: „Zutiefst verletzt“

Bei den Roma- und Sinti-Vereinen liefen schon am Montag die Telefone heiß. In der Volks­gruppe herrscht Fas­sungs­losig­keit; man könnte auch sagen, die öster­reichi­schen Roma und Sinti sind stink­sauer. Die Warnung der Polizei­behörde hat die Volks­gruppen­angehörigen „zutiefst verletzt“, erklärt Emmerich Gärtner-Horvath, Vor­sitzen­der des Roma-Volks­gruppen­beirats und Obmann des Vereins Roma-ServiceRead the rest of this entry »