Standort für Roma-Gedenkstätte fixiert

April 27th, 2026  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Politik

Standorteinigung: Weghuberpark vor dem Justizministerium, 7. Wiener Gemeindebezirk (Foto: Nationalfonds/Johannes Zinner)Für die geplante Gedenkstätte für die Opfer des Natio­nal­sozia­lismus aus den Reihen der Rom:nja und Sin­ti:zze wurde ein wesent­licher Meilen­stein er­reicht: Der Standort steht fest. Die Gedenk­stätte wird im Weg­huber­park vor dem Justiz­ministe­rium im sieben­ten Wiener Ge­meinde­bezirk er­richtet.

Wien (OTS) – Vergangenen Freitag fand im Parlament ein Termin statt, bei dem sich der Volks­gruppen­beirat der Roma sowie Ver­treter:in­nen von Vereinen der Volksgruppe ein­stimmig für den Weghuber­park als Standort für die Errich­tung der Gedenk­stätte aus­ge­spro­chen haben.

„Die Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus aus der Volks­gruppe der Roma ist weit mehr als ein Bau­projekt. Sie ist Ausdruck unserer histo­rischen Ver­ant­wor­tung und ein klares Be­kennt­nis der Republik dazu, einer Opfer­gruppe des National­sozia­lis­mus, die über Jahr­zehnte im öffent­lichen Be­wusstsein zu wenig sichtbar war, den ihr ge­bühren­den Platz in der öster­reichi­schen Erin­nerungs­kultur zu geben“, so Peter Haubner, Zweiter Prä­sident des Natio­nal­rates und Vor­sitzen­der des Nationalfonds.

„Die Entscheidung für den Standort der zentralen Gedenkstätte ist ein wich­tiger Schritt. Erin­ne­rung muss im öffent­lichen Raum sichtbar sein und darf nicht anonym blei­ben. Sie muss die Ver­folgung und Er­mordung der Volks­gruppe der Roma klar be­nennen und auch Österreichs Ver­ant­wortung offen an­sprechen. Die Gedenk­stätte richtet sich an die ge­samte Gesell­schaft. Sie soll zum Inne­halten an­regen, histo­risches Wissen fördern und deutlich machen, dass Anti­ziganis­mus bis heute fort­besteht und ihm ent­schieden ent­gegen­getre­ten werden muss“, so Emmerich Gärtner-Horvath, Vor­sitzen­der des Volks­grup­pen­beirats der Roma.

Die Stadträtin für Kultur und Wissenschaft Veronica Kaup-Hasler: „Mit der Wahl des Weghuber­parks als Standort für die Gedenk­stätte ent­steht ein dringend not­wendi­ger Ort der Erin­nerung in inner­städti­scher Lage. Die ein­stimmige Ent­scheidung des Beirats markiert einen wich­tigen Meilenstein in einem Prozess, den wir als Stadt Wien unter­stützt und in einem aktiven Dialog mit dem Beirat und Ver­treter:in­nen der Com­munity be­gleitet haben – denn Rom:nja und Sinti:zze sind seit Jahr­hun­derten Teil der Ge­schichte Wiens, auch wenn sie und ihr Wirken lange zu wenig gesehen bzw. an den Rand der Gesell­schaft ge­drängt wurden. Ich setze mich dafür ein, dass leben­dige Gedenk- und Er­inne­rungs­kultur weite­rhin einen zentra­len Stellen­wert im Selbst­ver­ständnis unserer Stadt ein­nimmt.“

Der Bezirksvorsteher des siebenten Wiener Gemeinde­bezirks, Markus Reiter: „Die geplante Gedenk­stätte ist ein zentraler und längst über­fälliger Bestand­teil unserer Er­innerungs­kultur. Als Bezirks­vorsteher von Neubau habe ich den Standort im Weghuberpark sehr gerne an­ge­boten – für mich ist ent­scheidend, dass dieses Projekt endlich re­ali­siert wird. Wir werden alle An­stren­gungen unter­nehmen, um die Umsetzung best­möglich zu unter­stützen. Bereits heute leisten wir mit dem Ceija-Stojka-Platz, der Unter­stützung der jähr­lichen Gedenk­feier am 2. August und un­serer Initia­tive ‚Neubau erinnert‘ einen bedeu­tenden erin­ne­rungs­polit­ischen Beitrag. Mit der breit getra­ge­nen Standort­ent­sche­idung setzt die Republik ein starkes Zeichen für Sicht­barkeit, An­erkennung und Ver­ant­wortung. Das ist gut so und ein histo­risch bedeu­tender Schritt.“

Der Standort wurde im Rahmen eines vom Nationalfonds ko­ordi­nierten, breit an­gelegten Ab­stim­mungs­pro­zesses unter Ein­bindung der Ver­treter:in­nen der Volks­gruppe fest­gelegt. Dabei wurden auch die fachlichen Ein­schätzun­gen der zu­ständigen Stellen der Stadt Wien be­rücksich­tigt. Unter­schied­liche Per­spekti­ven und An­forderun­gen wurden zu­sammen­geführt und bilden nun die Grundlage für die weiteren Um­setzungs­schritte.

Mit der Errichtung der Gedenkstätte entsteht ein zentraler Ort des Erinnerns im öffent­lichen Raum, der die Ver­folgung und Er­mordung von Rom:nja und Sinti:zze im National­sozialis­mus sichtbar macht und die Erin­nerung daran dauerhaft ver­ankert. Dabei geht es auch darum, eine lange Zeit wenig sichtbare Opfer­gruppe des National­sozialis­mus stärker ins öffent­liche Be­wusst­sein zu rücken. Von den rund 11.000 Angehörigen der Volksgruppe in Österreich wurden etwa 90 Prozent Opfer des national­sozialis­tischen Terrors. Diese Zahl steht für ein bei­spiel­loses Ausmaß an Verlust: für er­mordete Familien, für zerstörte Lebens­wege und für Menschen, deren Namen aus­ge­löscht und deren Geschichten zum Schweigen ge­bracht wurden. Zugleich kommt dem Projekt an­gesichts des Fort­bestehens von Anti­ziganis­mus auch eine beson­dere ge­sell­schafts­politi­sche Relevanz zu.

Die Anerkennung der Volksgruppe der Roma als autochthone Volks­gruppe erfolgte 1993. Die Erinne­rung an die NS-Opfer der Volks­gruppe ist heute durch Gedenk­tage wie den Inter­nationa­len Tag der Roma am 8. April sowie den Inter­nationa­len Tag des Gedenkens an den Genozid an den Rom:nja und Sinti:zze am 2. August, der seit 2023 ein nationaler Gedenktag in Österreich ist, verankert. In den Bundes­ländern und in Wien be­stehen bereits einzelne Gedenkorte – eine zentrale Gedenk­stätte für die Opfer des National­sozialis­mus aus den Reihen der Rom:nja und Sin­ti:zze fehlt bislang.

Mit der Standortentscheidung werden die Vorbereitungen für den künst­leri­schen Wettbewerb zur Gestal­tung der Gedenk­stätte fort­ge­führt. Dieser ist als zwei­stufiges, europa­weites Verfahren vor­ge­sehen. Die Aus­schrei­bung wird im Herbst 2026 starten. Die Aus­arbeitung der inhalt­lichen und künst­lerischen Grund­lagen erfolgt weiterhin unter Ein­bindung der Volksgruppe sowie unter Berück­sichtigung rechtlicher und fach­licher Rah­men­bedin­gungen. Der Prozess ist darauf ausgerichtet, eine tragfähige und qualitäts­volle Umsetzung sicher­zu­stellen, die sowohl der histori­schen Dimen­sion als auch den An­forderun­gen an ein zeit­gemäßes Erinnern gerecht wird.

Weitere Informationen unter https://www.nationalfonds.org/gedenkstaette-ns-opfer-roma-sinti.

(Text: Aussendung des Nationalfonds der Republik Österreich)

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