Nackt ausgezogen und Geld abgenommen

September 20th, 2015  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

BettelLobby OberösterreichSeit kurzem bietet die BettelLobby Ober­öster­reich auch eine Rechtsberatung für Bett­lerin­nen und Bettler an. Derzeit findet die Bera­tung einmal im Monat statt und dauert etwa zwei bis drei Stun­den. Dazu werden noch weitere Freiwillige ge­sucht, die ehren­amtlich bei der Bera­tung hel­fen kön­nen: „Wir freuen uns über jede Hilfe – be­son­ders toll wären Men­schen mit juris­ti­scher Kennt­nis und Über­setzerIn­nen von Romani und Rumänisch.“ (Wer helfen will: Bitte ein kurzes Mail an ooe@bettellobby.at.)

Einer der freiwilligen Mitarbeiter, der Linzer Kultur­mana­ger Thomas Diesenreiter, berichtet auf Face­book über einen aktuel­len Fall, der bei der Bera­tung vor­gebracht wurde: die erniedrigende und unver­hältnis­mäßige Be­hand­lung zweier junger Bettlerin­nen durch die Polizei (siehe auch hier, hierhier, hier oder hier). Die Mädchen wur­den dem­nach ge­zwun­gen, sich auf der Wach­stube nackt auszuziehen. 3 bzw. 40 Euro wur­den ihnen ohne Beleg ein­fach ab­ge­nommen:

Ein Fall heute dreht mir den Magen um: 
Ein 16-jähriges Mädchen wird beim Bahn­hof zusam­men mit einem zweiten Mädchen und ihrem Baby wegen Bettelei von der Polizei an­ge­halten. Alle drei müssen auf die Wachstube. Dort müssen sie sich getrennt von­einan­der ausziehen, komplett. Auch das Baby muss aus­ge­zogen werden, inklu­sive der Windel. Warum? Weil die Polizei das Geld finden will, dass die beiden er­bettelt haben. Bei einem Mädchen finden sie 3 €, bei dem anderen 40 €. Ob das Geld er­bettelt wurde oder nicht, kann die Polizei nicht wis­sen, beschlag­nahmt wird es trotz­dem. Ohne Beleg. (…) Wegen 43 € müs­sen sich 16-Jährige und Babys vor der Polizei aus­ziehen. Das wider­spricht jeder Verhältnis­mäßigkeit. Wir prüfen jeden­falls eine Maß­nahmen­be­schwerde und den Gang vor Gericht.

(dROMa-Red.)

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