Roma in Slowenien: Volksgruppenpolitik
Januar 17th, 2015 | Published in Politik, dROMa (Magazin)
Nach Schätzungen offizieller Stellen und NGOs leben rund 10.000 Roma in Slowenien. Eine Studie von 2007 nennt 105 Roma-Siedlungen, von denen rund jeweils die Hälfte in der Prekmurje (Nordosten) und in den Regionen Dolenjska, Bela Krajina und Posavje (Südosten) liegen. Die Roma-Bevölkerung der beiden Gebiete unterscheidet sich beträchtlich, und zwar nicht nur nach ihren Romani-Dialekten und ihrer Besiedelungsgeschichte, sondern auch nach ihrer sozialen und rechtlichen Situation.
Die Roma sind in Slowenien nicht als „nationale Minderheit“ anerkannt und Romani hat nicht wie Slowenisch, Ungarisch und Italienisch den Status einer nationalen Sprache. Eine Reihe von Gesetzen und Verordnungen nehmen jedoch spezifisch auf die Roma Bezug und definieren sie als Ethnie mit speziellen sozialen Herausforderungen, die auf regionaler Ebene gefördert werden soll. In zwanzig namentlich genannten Gemeinden wird den lokalen Romagemeinschaften über einen eigenen Vertreter im Gemeinderat obligatorisch Mitspracherecht eingeräumt; auf Landesebene wurde 2007 ein Volksgruppenrat (Svet romske skupnosti Republike Slovenije) geschaffen, der den Präsidenten, die Regierung und die Nationalversammlung berät. 17 der 21 Mitglieder des aktuellen Volksgruppenrats vertreten die „autochthonen“, also (zum Großteil lange) vor 1945 ansässig gewordenen Roma in der Prekmurje. Nur vier Personen vertreten die zumeist nach 1945 innerjugoslawisch zugewanderten „nicht-autochthonen“ Roma im Süden.
Eigene Mittel (seit 2002 rund 9 Mio. Euro) stehen für die Grundversorgung mit Elektrizität, Wasser und Straßen der Roma der „autochthonen“ Gemeinden zur Verfügung. Dort konnte man über die Jahre auch merkliche Verbesserungen erzielen. Die Lage der spät zugewanderten Roma im Süden hat sich allerdings kaum verändert. Von ihnen leben nach Angaben des slowenischen Innenministeriums nach wie vor rund 50 Prozent nicht in gemauerten Unterkünften. Analog haben aufwendige Vorschulprogramme und die Einbeziehung von Roma-Assistenten in den Schuldienst in den „autochthonen“ Gemeinden gegriffen, während in den übrigen Siedlungsgebieten immer noch ein großer Teil der Romakinder die Pflichtschule nicht abschließt. Eine Umfrage von 2005 für den Südosten ergab, dass 80 Prozent der befragten Roma zwischen 15 und 45 Jahren die Pflichtschule nicht abgeschlossen hatten.
2004 trat die von den zuständigen Ministerien gemeinsam mit dem Roma-Dachverband erarbeitete „Strategie für die Erziehung von Roma in der Republik Slowenien“ in Kraft. Besonderes Augenmerk liegt seither darauf, dass Romakinder zumindest zwei Jahre vor ihrem Schuleintritt in Vorschulklassen Slowenisch lernen; Roma-Assistenten für Schulen und Klassen mit Roma werden ausgebildet und angestellt; Geschichte, Kultur und Sprache der Roma können als Wahlfächer genommen werden; Lehrmittel werden erarbeitet.
Das „Nationale Programm an Maßnahmen für Roma der Regierung der Republik Slowenien für die Periode 2010-2015“ nimmt dieses und frühere Programme auf. Der Ausbau der Vorschulerziehung für Romakinder alleine ist mit 4 Mio. Euro pro Jahr angesetzt, die vom Europäische Sozialfonds (ESF) und staatlichen Budgets kommen. Das „Nationale Programm“ sieht eine Reihe von weiteren Maßnahmen zur Verbesserung der Situation der Roma in Slowenien vor. Roma-Vertreter sind 2012 mit hochrangigen Vertretern des Staates, darunter Präsident Danilo Türk, zusammengetroffen und haben ihrer Hoffnung Ausdruck verliehen, dass das Programm verstärkt Ausdruck in konkreten Projekten findet.
Text: Michael Wogg
(aus: dROMa 36, Winter/Frühling | Dschend/Terno linaj 2013, S. 10)