Me, My Gipsy Family & Woody Allen

Juni 30th, 2009  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Film & Theater  |  3 Comments

Laura Halilovic (Foto: Zenit Arti Audiovisive)GfbV Berlin:  Es passiert eher selten, dass junge Regisseurinnen Preise gewinnen. Nicht, wenn sie erst 19 sind und ihre erste Dokumentation drehen. Erst recht nicht, wenn es sich dabei um eine junge Romni handelt. Möchte man meinen. Aber Laura Halilovic (siehe auch hier und hier) hat es geschafft: Mit ihrer Dokumentation „Me, My Gipsy Family & Woody Allen“ („Io, la mia famiglia rom e Woody Allen“) gewann sie den UCCA Prize 2009 beim Bellaria Film Festival, das Anfang Juni in Italien (Provinz Rimini) stattfand. Die Jury begründete dies damit, dass es Halilovic gelungen sei, ihre eigene Geschichte und die ihrer Familie sanft, bisweilen ironisch, aber immer sehr direkt und ungeschminkt zu erzählen. Wie schwierig es ist, als Romni in Italien aufzuwachsen – dies dokumentiert Halilovic und gibt so dem Zuschauer einmalige und authentische Einblicke.

Sie trat schon mit 15 in einer Dokumentation von Davide Tosco und Nicola Rondolino  auf und drehte 2006 ihren ersten Kurzfilm – „Illusione“ (eine Geschichte über Liebe in einer Teenager-Gruppe). Aber „Me, My Gipsy Family & Woody Allen“ ist ihr erster großer Film – und erzählt ihre Geschichte als Flüchtling aus Bosnien und Herzegowina. Aber der Film ist auch mehr als nur ein Familienporträt, sondern schildert auch menschliche Beziehungen und Integration in einer fremden Gesellschaft. Halilovic betont, dass es zwar schon viele Filme und Dokumentationen über die Roma-Tradition und -Lebensweise gäbe, aber in der Regel so stereotyp seien, dass sich Roma darin nicht wiederfinden können.

Bis 1997 lebte Halilovic mit ihrer Familie in einem Flüchtlingslager in der Nähe des Turiner Flughafen. Halilovic selbst arbeitet inzwischen in einer Jugendorganisation, die Roma-Kindern den Schulbesuch und eine gute Bildung ermöglicht. Dabei erlebt sie tagtäglich, wie schwierig es ist, sich in die italienische Gesellschaft zu integrieren: „Menschen drehen sich immer noch weg, sobald sie nur das Wort ‚Zigeuner‘ hören – das gibt uns das Gefühl, in einem Land abgelehnt zu werden, das nicht das unsere ist, obwohl wir uns hier eine Zukunft aufbauen wollen.“

(Artikel von Joachim Fulda / GfbV Berlin)

Responses

  1. dROMa-Blog | Weblog zu Romathemen Laura Halilovic und Woody Allen :: says:

    Juli 19th, 2009 at 06:57 (#)

    [...] Version des Trailers auf YouTube veröffentlicht, die wir Ihnen − als kleinen Nachtrag zu unserem letzten Artikel – nicht vorenthalten [...]

  2. Mediaplayer says:

    Juli 30th, 2009 at 13:03 (#)

    Good Article!

  3. dROMa-Blog | Weblog zu Roma-Themen | „Romane Paramisa“ von Zuzana Brejcha says:

    Dezember 5th, 2010 at 17:13 (#)

    [...] Rom e Woody Allen (Me, My Gipsy Family And Woody Allen)“ der jungen Romni Laura Halilovic (mehr hier und hier) steht übrigens am Fr., 10.12.2010, um 21:00 Uhr im Wiener Topkino auf dem [...]