Radio: Debatten, Thara und Theater

Mai 8th, 2009  |  Published in Film & Theater, Radio, Podcast & TV, Veranstaltungen & Ausstellungen

Radio KaktusRadio Kaktus / WEBRADIO oe1campus
9.5.2009, 20:30 Uhr
 

Institut Francais VienneDebatten: Diskussionsabend in Wien


Zwischen 2000 und 2006 hat die EU ungefähr 275 Millionen Euro für die Projekte zur Verbesserung der Situation der größten Volksgruppe Europas aufgebracht. Das französische Kulturinstitut wollte mit der Veranstaltung in Wien-Währing die Ergebnisse der europäischen Initiative zur Diskussion stellen. Die Teilnehmer berichteten über die Projekte und die soziale und politische Arbeit in Frankreich, in Österreich, in Serbien und im Kosovo.

Der lebhafte Diskussionsabend fand unter einem Zitat des deutschen Schriftstellers Günter Grass statt. Grass schrieb einst über die Roma: „Sie sind, was wir versuchen zu sein, echte Europäer. (…) Unter uns allen sind sie die Europäischsten“. Rudolf Sarközi, Vorsitzender des Volksgruppenbeirates für Roma und Sinti, und Claudia Schamanek, Leiterin des laufenden Projektes „Thara – Romnija/Roma in Transition“ referierten über die österreichische Situation.

Thara: Lobbying für das Projekt

Die Initiative „Thara“ der Volkshilfe Österreich befasst sich mit arbeitsmarkt- und bildungspolitischen Zugangsmöglichkeiten für Roma und Sinti. Die Erfolgstory des Thara-Projektes in Wien lässt nun hoffen, dieses Projekt zu einer permanenten Einrichtung zu entwickeln, meint Schamanek in ihrer Präsentation abschließend. Dafür sei ein gewisses Lobbying in der Politik notwendig, fügt sie hinzu.

Theater: Premiere von „Schneid deinen Ärmel ab und lauf davon“


Das ambitionierte Stück „Schneid deinen Ärmel ab und lauf davon/Čin či baj taj naš!“ (siehe auch diesen dROMa-Beitrag) ist eine Geschichtsstunde vom Geleitbrief König Sigismunds 1423 bis zur NS-Rasseforscherin Eva Justin und von der Zwangsassimilationspolitik Maria Theresias bis zu den heutigen Bettelverboten. Diese Geschichtsstunde wird von den TheaterspielerInnen wie Sandra Selimović und Radiša Barbul, die großteils selbst aus der Volksgruppe sind, erzählt. Sie und ihre Angehörigen mussten im Laufe ihrer 600-jährigen Geschichte die Erfahrung machen, warum man nicht erkannt, erfasst, identifiziert werden sollte. Denn „in den Bibliotheken der Nicht-Roma finden sich die Roma fast nur in Erlässen, Dekreten, Gesetzen, Gerichtsprotokollen und Polizeiakten“, steht in der Presseaussendung. „Aufgeschrieben werden bedeutet: erfasst zu werden, um verfolgt werden zu können.“ Das ist das Ergebnis der zweijährigen Recherchen in unterschiedlichen Archiven, sagt die Regisseurin Tina Leisch. Leisch ist mit ihrem Projekt „Liebesforschung“ („dietheater künstlerhaus“, November 2006) und mit ihrem Film „Gangster Girls“ eine gut bekannte Persönlichkeit.

„Schneid deinen Ärmel ab und lauf davon/Čin či baj taj naš!“ (Website) ist ein Spektakel mit viel Musik in Romanes und Deutsch. Die musikalischen Kompositionen stammen von der Balkan-Jazz-Sängerin Matilda Leko. Harri Stojka begleitet sie auf der Gitarre. Gilda Horvath besuchte die Generalprobe und berichtet in der Sendung über das engagierte Stück.

Die Premiere findet am 14.5.2009 um 20:00 Uhr im Hermann-Fischer-Hof, 1020 Wien, Ybbsstraße 15-21 statt.

Gilda Horvath & Serdar Erdost, ORF Volksgruppenredaktion
(
volksgruppen.orf.at)

Comments are closed.