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Thüringen streicht Antiziganismus-Beauftragten

September 17th, 2025  |  Published in Einrichtungen, Politik, Rassismus & Menschenrechte

Deutschland: Stellungnahme der Melde- und Informationsstelle Antiziganismus (MIA)„Fatales Signal an die Betroffenen“: Thüringen verzichtet auf neuen Antiziganismus-Be­auf­trag­ten – Die Melde- und In­for­­ma­tions­stel­le Anti­zi­ga­nis­mus (MIA) verurteilt diese Ent­schei­dung aufs Schärfste

Mit großem Entsetzen und tiefem Bedauern nimmt die Melde- und Infor­ma­tions­stelle Anti­ziganis­mus (MIA e.V.) die Ent­scheidung der Thüringer Landes­regie­rung zur Kennt­nis, die Stelle des/der Anti­ziganis­mus-Be­auf­trag­ten nicht neu zu besetzen. Diese Ent­schei­dung sendet ein fatales Signal – an die Sinti und Roma in Thürin­gen und darüber hinaus. Die Be­kämpfung von Anti­ziganis­mus ist keine abstrakte Ver­waltungs­aufgabe, die beliebig in ressort­über­grei­fende Struk­turen aus­ge­lagert werden kann. Die Einrich­tung eines/einer Be­auf­tragten war ein wichtiges Zeichen der An­erken­nung und des politi­schen Willens, anti­ziganis­tisch motivierte, syste­matische Dis­kriminie­rung wirksam zu be­kämpfen. „Wer glaubt, Anti­ziganis­mus ließe sich ohne klare Zu­ständig­keiten und politische Ver­ant­wortung bekämpfen, verkennt die Tiefe und Trag­weite des Problems“, warnt Dr. Guillermo Ruiz, Ge­schäfts­führer von MIA e.V. „Diese Entschei­dung sendet ein fatales Signal an die Betrof­fenen.“

Antiziganismus ist tief in der Gesellschaft verankert. Seine Bekämpfung erfordert ent­schlos­senes politisches Handeln, ver­bindliche Maß­nahmen und klar benannte Zu­ständig­keiten – keine vagen Absichts­erklärun­gen. Während MIA im ver­gangenen Jahr bundes­weit fast 1.700 anti­ziganis­tische Vorfälle doku­mentierte – ein be­sorgnis­erre­gender Anstieg um 400 im Vergleich zu 2023 – entzieht sich Thüringen dieser Ver­antwortung. Hinzu kommt die historische Ver­pflichtung Deutschlands gegen­über der Minderheit der Sinti und Roma, die im Nationalsozialismus syste­matisch verfolgt und ermordet wurde. Dass die Landes­regierung nun einen institu­tio­nellen Rückschritt voll­zieht, zeugt von histo­rischem Un­ver­ständnis und politischer Ver­ant­wortungs­losigkeit.

MIA e.V. fordert die Thüringer Landesregierung mit Nachdruck auf, diese Ent­scheidung zu revidieren und die Stelle des/der Anti­ziganis­mus-Be­auf­tragten un­ver­züglich neu zu besetzen. Read the rest of this entry »